Palermo gehört zu den unterschätzten Zielen für einen Städtetrip. Dabei hat die größte Stadt Siziliens Kunst und Kultur im Überfluss, eine geballte Ladung südliches Lebensgefühl und eine spannende Küche zu bieten. Tolle Ausflugsziele außerdem. Palermo kann Partystadt genauso wie Kulturmetropole, ist hier kleinstädtisch und dort weltmännisch. Chaotisch, schmuddelig und so temperamentvoll wie stilvoll. Mit Schichten der Geschichte und unterschiedlichsten Welten in nächster Nachbarschaft. Hier sind meine Reisetipps für deinen Städtetrip Palermo mit Ausflügen nach Cefalù und Monreale. Wenn du länger als ein paar Tage bleibst, ist sogar ein Ausflug zum Ätna drin. Weiterhin auf dem Blog: meine Top-15-Orte auf Sizilien und ein Artikel zu Catania, der spannenden Stadt am Fuße des Ätna.



Planung deines Städtetrips Palermo
Wieviel Zeit für Palermo einplanen?
Was die Sehenswürdigkeiten betrifft, so passt Palermo in ein Wochenende. Du wirst es aber genießen, ein bisschen mehr Zeit zu haben. Wir waren drei Tage in Palermo (ohne Ausflüge) und haben es genossen, uns einfach mal ziellos treiben zu lassen. Eine Top-Attraktion der Stadt ist nämlich das Straßenleben. Wenn du Ausflüge nach Monreale und nach Cefalù planst oder mal an den Strand fahren möchtest, sind 4 Tage das Minimum.
Die beste Reisezeit für Palermo
Meiden solltest du unbedingt die Sommermonate – viel zu heiß! April und Mai sind prima für einen Städtetrip, und auch ab Mitte September wird es wieder angenehmer. Wir waren Mitte Oktober unterwegs und haben sommerliche Temperaturen um die 25 Grad genossen. Es waren vor allem tagsüber immer noch viele Besucher unterwegs (Kreuzfahrtgäste!), aber spätnachmittags wurde es deutlich ruhiger. Auch zum Baden war das Wetter noch perfekt. Die Winter sind mild, aber es regnet häufiger, und zum Baden ist es zu frisch.
10 Highlights in Palermo
„Palermo ist für mich das ‚Havanna Europas‘.
Wim Wenders
Stadtführungen in Palermo und Ätna-Ausflug
In einer neuen Stadt buche ich immer eine Stadtführung, um mir von einem Einheimischen die besten Ecken zeigen zu lassen und ein Gefühl für die Stadt zu bekommen. In Palermo hast du die Wahl zwischen einer klassischen Stadtführung und einer Food Tour. Eine spannende Zugabe ist die No-Mafia-Tour.
- Der klassische Rundgang zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Zur Buchung*
- Super ist die Food Tour, die eine klassische Stadtführung mit einem Street-Food-Tasting verbindet. Zur Buchung*. Bei der abendlichen Tour steht mehr noch die Küche im Fokus. Zur Buchung*
- No-Mafia-Tour mit Infos zur Geschichte der Mafia und der Anti-Mafia-Bewegung. Zur Buchung*
- Wenn du einen Tag übrig hast, kannst du auf einem (langen) Tagesausflug den Ätna und Taormina besuchen. Zur Buchung*
1 Quattro Canti und Fontana Pretoria
Phönizier, Römer, Araber, Normannen, Staufer und Spanier prägten Palermo und hinterließen ihre Spuren. Arabisch-normannische Kirchen stehen neben barocken Palästen, und auch im Alltagsleben scheint der Orient sehr präsent. Was aber auch an Zuwanderern aus Nordafrika liegt, schließlich ist Afrika nicht fern. Der ideale Ort, um die Stadterkundung zu beginnen, sind die Quattro Canti („vier Ecken“) im Herzen der Stadt: Vier barocke Fassaden mit Brunnen, Säulen und Heiligenfiguren markieren – wie ein Bühnenbild aus Stein – den Platz.

Hier schneiden sich die beiden Hauptachsen – Via Maqueda und Corso Vittorio Emanuele. Ein unglaubliches Gewusel. Am besten lässt du dich einfach vom Strom der Passanten mitreißen oder du suchst dir ein Café zum Leutegucken, bestellst einen Kaffee und ein Cannoli und kommst ganz langsam in Palermo an. Um die Ecke liegt die imposante Fontana Pretoria aus dem 16. Jahrhundert mit 78 Statuen von Göttern, Allegorien und Figuren aus der Mythologie rund um das Brunnenbecken. Wegen der nackten Figuren nannte man den Brunnen damals auch Fontana della Vergogna („Brunnen der Schande“).

2 Kathedrale von Palermo
Von der Fontana Pretoria spazierst du in wenigen Minuten zur Kathedrale von Palermo, die mich ein bisschen kalt ließt, aber das ist natürlich Geschmacksache. Wie die Kathedralen von Monreale und Cefalu wurde sie unter den Normannen im 12. Jahrhundert errichtet, aber im Laufe der Jahrhunderte immer wieder – nicht unbedingt zu ihrem Vorteil – verändert. Beeindruckend fand ich einen Wagen mit der Stadtheiligen Rosalia vor der Kirche, den so genannten Carro di Santa Rosalia, der jedes Jahr am 14. Juli, dem Fest der Heiligen, durch Palermo gezogen wird.

Unbedingt sehenswert sind in der Kirche die Königsgräber in einem Seitenschiff, darunter das Grab von Friedrich II., dem Stauferkaiser, dessen Castel del Monte uns auf unserem Roadtrip durch Apulien beeindruckt hatte. Die Sarkophage aus Porphyr, dem kaiserlichen Gestein, ruhen auf steinernen Löwen und sind durchaus beeindruckend. Nicht verpassen außerdem: Die Schatzkammer, in der unter anderem eine kostbare byzantinische Krone ausgestellt ist, die im Grab der Konstanze von Aragón entdeckt wurde, der ersten Frau Friedrichs II.



Dann solltest du unbedingt in die Krypta und damit ins Mittelalter hinabsteigen: Unter den Gewölben mit romanischen Bögen stehen 23 Sarkophage, darunter antike und frühchristliche Exemplare, die vor allem für die Bestattung von Erzbischöfen wiederverwendet wurden. Ein Raum mit mystischer Atmosphäre.

Wie in Monreale und Cefalù kannst du der Kathedrale aufs Dach steigen. Habe ich immer gemacht, aber in Palermo kein Muss, finde ich. Es war sehr voll, die Einbahnstraße nach oben verstopft und die Blicke nicht so genial wie erhofft. Vielleicht war ich aber auch nur müde nach diversen Dächertouren. Nur für Schwindelfreie!




Das Jahrhundert der Normannen auf Sizilien
Viele Völker prägten die größte Mittelmeerinsel. Palermo war phönizisch, karthagisch, römisch und byzantinisch. Im 9. Jahrhundert eroberten die Araber Sizilien, im 11. Jahrhundert folgten die Normannen aus dem Norden Europas. Sie gründeten das normannische Königreich Sizilien, das die Blütezeit der Insel einläutete. Sizilien gehörte zu den fortschrittlichsten und wohlhabendsten Staaten Europas, Und auch für die Baukunst begann ein goldenes Zeitalter: In und um Palermo verschmolzen normannische, byzantinische und arabische Einflüsse zu einem ganz eigenen Stil. Festungsbau und Kirchenarchitektur der Normannen trafen auf byzantinische Goldmosaike sowie arabische Bögen, Intarsien und kunstvoll verzierte Decken. Das Ergebnis war märchenhaft. Die einzigartigen Bauten im arabisch-byzantinisch-normannischen Stil in Palermo, Monreale und Cefalù nahm die UNESCO 2015 in ihre renommierte Welterbeliste auf.
3 Palazzo dei Normanni & Cappella Palatina
Der Normannenpalast (Palazzo dei Normanni) ist ein Meisterstück arabisch-normannischer Baukunst. Er geht auf einen arabischen Palast aus dem 9. Jahrhundert zurück, den die Normannen nach der Eroberung Palermos übernahmen und zur königlichen Residenz ausbauten. Heute ist er teilweise Museum, in einem Trakt tagt aber nach wie vor das sizilianische Regionalparlament,
Normannenpalast: Piazza del Parlamento / Piazza Indipendenza; Website mit Öffnungszeiten. Die Schlangen vor dem Ticket Office sind lang, deshalb solltest du dein Ticket möglichst schon online besorgen. Zur Buchung

Das Juwel des Palastes ist ohne Frage die Cappella Palatina, die Roger II. gegen 1130 ausschmücken ließ. Unzählige Goldmosaiken erzählen Bibelgeschichten, und – wie üblich in byzantinischen Kirchen – wacht der mächtige Christus Pantokrator über die Apsis. Die kunstvoll geschnitzte Holzdecke folgt der arabischen Tradition. In der angrenzenden Sala di Ruggero (Roger-Saal) sind normannische Mosaike mit Jagdszenen, Tieren, Pflanzen und allegorischen Motiven aus späterer Zeit zu sehen.




Der nächste Teil der Besichtigung führt in Räumlichkeiten, die in späteren Jahrhunderten entstanden.

Zu den Höhepunkten zählen die mittelalterliche Sala dei Venti sowie die Sala d’Ercole – heute Sitzungssaal des sizilianischen Regionalparlaments. Andere Räume gestalteten die Bourbonen im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert – wie die Sala Cinese, die mit den so genannten Chinoiserien die Begeisterung der Europäer für Fernöstliches aufgreift.

Die Sala Pompeiana schließlich malte Giuseppe Patania 1830 im neoklassizistischen Stil aus – mit Putten und mythologischen Szenen im Stil der wiederentdeckten Wandmalereien von Pompeji und Herculaneum. Allerdings im 19. Jahrhundert eigentlich schon wieder aus der Mode. Trotzdem sehr hübsch.



4 Piazza Bellini: Martorana, San Cataldo und Santa Caterina d’Alessandria
Gleich drei Kirchen liegen an der Piazza Bellini, die nach dem Opernkomponisten Vincenzo Bellini aus Catania benannt ist: Seite an Seite die Martorana und San Cataldo – zwei ganz unterschiedliche Kirchen aus normannischer Zeit – und gegenüber Santa Caterina d’Alessandria, die Kirche des ehemaligen Dominikanerinnenklosters. Die Martorana ist ein funkelndes Mosaikjuwel, errichtet als Hofkirche des glorreichen Admirals Georg von Antiochien. Ganz anders die zweite Admiralskirche, San Cataldo mit ihren charakteristischen drei roten Kuppeln. Innen ist sie überraschend schlicht, fast karg, mit nackten Steinwänden und Marmorsäulen. Ein Raum, der berührt – gerade als Kontrastprogramm zum Überschwang nebenan.


Direkt gegenüber liegt das Dominikanerinnenkloster Santa Caterina d’Alessandria, das seit 2014 Museum ist. Was die Besucher mehr anzieht als die Klosterräume , ist die ehemaligen Kloster-Dolceria, die mit Rezepten der Nonnen wiederbelebt wurde. Im Kreuzgang stehen die Besucher Schlange für Cannoli, Cassata, Mandelgebäck und die berühmten Nonnenbrüstchen, die du zwischen Orangenbäumen, Bananenstauden und Rosen genießen kannst. Eine süße Pause.


5 San Giovanni degli Eremiti
Ein weiteres Beispiel der arabisch-normannischen Architektur Palermos: San Giovanni degli Eremiti. Die Kirche aus dem 12. Jahrhundert beeindruckt mit ihren leuchtend roten Kuppeln, innen ist sie karg und schmucklos, ohne die Eleganz von San Cataldo. Besonders stimmungsvoll dagegen der Kreuzgang mit schlanken Säulen in einem üppigen Garten.



6 No Mafia Memorial
Wer an Sizilien denkt, denkt an die Mafia – nicht erst seit dem Welterfolg „Der Pate“ (Wikipedia) mit Marlon Brando und Robert de Niro (1971–1990). Das No Mafia Memorial im historischen Palazzo Gulì an der Via Vittorio Emanuele ist ein Ausstellungs- und Erinnerungsort, der die Geschichte der Mafia und der Anti-Mafia-Bewegung in Sizilien anhand von Fotos, Dokumenten und Filmen erzählt. Die Fotos dokumentieren, dass in den 1950er-Jahren Mafiosi tatsächlich noch wie Ganoven aussahen. Mehr Input zum schwierigen Thema bekommst du auf einer No-Mafia-Tour*, die du bei Get your Guide buchen kannst.
Buchtipps: Die Geschichte der Mafia von den Anfängen bis 2006 erzählt der britische Historiker John Dickie in seinem Buch Cosa Nostra. Die Geschichte der Mafia. Der Roman Falcone von Roberto Saviano erzählt das Leben des Mafiajägers Giovanni Falcone, dem du in Palermo immer wieder begegnest, bis zu seiner Ermordung 1992. Die deutsche Ausgabe erscheint Ende Dezember 2026.

Zwei Männer gegen die Mafia: Giovanni Falcone war einer der bedeutendsten italienischen Anti-Mafia-Ermittler und setzte gemeinsam mit seinem Kindheitsfreund und Weggefährten Paolo Borsellino, beide im Kalsa-Viertel aufgewachsen, der Cosa Nostra entschlossen zu. Beide wurden 1992 von der Mafia ermordet und werden bis heute als Helden des Kampfes gegen die organisierte Kriminalität verehrt.
7 Märkte: Mercado Ballarò und Mercado Il Capo
Mercado Ballarò
Mercado Ballarò, der größte und ursprünglichste der traditionellen Märkte Palermos, breitet sich rund um die Via Ballarò im Albergheria-Viertel aus. Es gibt eine touristische Ecke mit Souvenirständen, aber auch einen volkstümlichen Bereich. An Ständen mit Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse stehen die Palermitaner vormittags Schlange. Ein Metzger trägt schon mal ein halbes Schwein auf dem Rücken spazieren, Vespas bahnen sich den Weg durchs Gewühl, Spieße werden auf den Grill geworfen. Tolle Stimmung!






Stände mit dem berühmten sizilianischen Street Food gab es sicher schon immer auf dem Markt, inzwischen ein Hit bei Besuchern. Die Häppchen werden auf Plastiktellern in einfachen Marktlokalen serviert – zu etwas überhöhten Preisen. Aber was soll’s – die Stimmung ist prächtig!




Mercado El Capo
Der Mercado El Capo rund um die Via Porta Carini und die Via Sant’Agostino – in mehreren Reiseführern gepriesen – ist viel touristischer als Mercado Ballarò. Reisegruppen ziehen durch die Marktstraßen, an denen sich die „Street-Food-Lokale“ aneinanderreihen, die längst richtige Restaurant mit hübschem Geschirr und Weingläsern sind. Viele Speisen sahen so aus, als warteten sie schon seit Stunden auf Kunden. Aber es gibt nach wie vor gute Adressen.


Gastro-Tipp: Im kleinen Street-Food-Lokal Friggitoria Gastronomia da Arianna (Via Porta Carini 51) gab es eine leckere Auswahl an Klassikern – von Arancine (gefüllte Reisbällchen) über Panelle (Kichererbsenfladen), Sarde alla beccafico (Sardinenröllchen), Oktopus-Salat bis zu Pani câ meusa (Brötchen mit Milz), einer Spezialist aus Palermo. Und alles sah frisch und lecker aus.



8 Nachleben am Mercado Vucciria
Der Mercado Vucciria rund um die Piazza Caracciolo und die Via Roma enttäuschte tagsüber. Er war früher vor allem Fischmarkt, heute ist er ein Hotspot des Nachtlebens, an dem an einem Freitagabend das Leben tobte. Senioren saßen plaudern zusammen, Jungs spielten Kicker. Vor allem aber standen und saßen Menschentrauben vor den Kneipen. Laute Musik und Partyfeeling. Erstaunlich: Es waren Einheimischen und Besucher vertreten, aber beide Gruppen blieben unter sich.





9 Stadtviertel: das volkstümliche Albergheria
Wir haben während unserer Tage in Palermo in Albergheria gewohnt. Das Viertel rund um den Hauptbahnhof gehört zu den ältesten und zugleich lebendigsten Palermos. Rund um den Bahnhof liegen alteingesessene Geschäfte (gleich mehrere Hutmacher oder der Fliesenladen, in dem wir Kacheln fürs Badezimmer kauften), Märkte, Nachbarschaftslokale und überhaupt ein Palermo, das deutlich weniger herausgeputzt ist als die Gegend um die Quattro Canti. Hat uns bestens gefallen – zumal die Altstadt und das Szeneviertel Kalsa nur ein paar Gehminuten entfernt sind.





10 Stadtviertel: das hippe Kalsa
Lange war Kalsa eines der ärmsten und heruntergekommensten Viertel Palermos. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs blieben viele Häuser jahrzehntelang Ruinen, dazu kamen Abwanderung, Arbeitslosigkeit und der Einfluss der Mafia. Erst in den 1990er-Jahren ging es langsam bergauf. Es gab Restaurierungen, und Handwerksbetriebe, Bars und Restaurants zogen ein. Plötzlich war das Viertel hip. Doch die Gentrifizierung ist noch längst nicht in allen Ecken angekommen, Kalsa bleibt eine spannende Ecke der Stadt, die von Kontrasten lebt: barocke Palazzi und Kirchen, bröckelnde Fassaden, Wäscheleinen, die sich über Straßen spannen. Dazu Werkstätten, Galerien und jede Menge Cafés und Bars.



Die Piazza Magione ist das Herz der Kalsa und hier kannst du den Wandel des Viertels erleben: Zwischen den dürftigen Resten der mittelalterlichen Chiesa della Magione und einer ehemaligen Klosteranlage spielen tagsüber Kinder, nach Sonnenuntergang ist hier eine junge Szene unterwegs. Hier leben viele Nordafrikaner., und nicht selten hört man den Muezzin aus einer der Wohnungen rufen. Weniger Schritte weiter stehst du wieder mitten auf der Touristenmeile. Palermos Kontraste.
Auch Giovanni Falcone, der spätere Mafia-Ermittler, der 1939 im Viertel geboren wurde, spielte als Kind auf dem Platz mit seinem Freund und späteren Weggefährten Paolo Borsellino. An ihn erinnert eine Gedenktafel, die immer mal wieder verschwindet.


Mercatino delle Pulci
Mitten in Kalsa, unweit der Piazza Marina, liegt der Mercatino delle Pulci – ein Flohmarkt, der täglich geöffnet ist. Es gibt viel Ramsch, aber du kannst auch echte Funde machen: historische Kacheln, Silberbesteck und mehr.



Kalsa am Abend
Abends füllen sich die Gassen rund um Piazza Sant’Anna, Piazza Rivoluzione und Piazza Maggione mit jungen Palermitanern und Besuchern. Dann werden Gehwege und Plätze zur Freiluftbar, und aus den tagsüber stillen Gassen wird ein sehr lebendiges Ausgehviertel. In der Via Alessandro Paternostro liegen die Bars dicht nebeneinander.



11 Street Art in Palermo
Street Art findest du in Palermo in unterschiedlichen Stadtvierteln. Und das Besondere daran: Die Murals sind nicht einfach dekorativ, sondern beschäftigen sich in alter Street-Art-Tradition immer wieder mit Themen, die für Palermo wichtig sind – Migration, kulturelle Vielfalt, Integration, Geschichte und Erinnerung. Hier ein paar Beispiele, die mir gut gefielen.
Forte come la morte è l’amore („Stark wie der Tod ist die Liebe“). Der Titel des Murals stammt aus dem Hohenlied Salomos (8,6). Das Mural von Igor Scalisi Palminteri findet sich in der Albergheria und erinnert an Giulia Mazzola, ein Mädchen aus dem Viertel, das 2017 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Es erzählt von ihrer Liebe zum Ballett. Ein Beispiel für Murals, die von Menschen aus dem Viertel erzählen.

Bakitha von Rosk & Loste findest du in der Via dello Spasimo 17 in Kalsa. Es steht für kulturelle Vielfalt, Integration und das multikulturelle Palermo.

Sogno di Papa Sergio I. Auf einer Fassade an der Piazza Magione in Kalsa haben Sten & Lex ein Gemälde des flämischen Meisters Rogier van der Weyden neu interpretiert. Es zeigt den Traum von Papst Sergius I., der im 7. Jahrhundert in Palermo geboren wurde – als Sohn einer aus Antiochia eingewanderten Familie. Dass ein mittelalterlicher Papst mit syrischen Wurzeln, ein flämisches Gemälde und moderne Street Art ausgerechnet in der multikulturellen Kalsa zusammentreffen, ist mehr als ein Zufall: Es erzählt von Palermos jahrtausendealter Geschichte als Stadt zwischen den Kulturen.

Das berühmte Mural von Rosk & Loste (2017), das die beiden von der Mafia ermordeten Richter zeigt, befindet sich an der Fassade des Istituto Nautico Gioeni-Trabia, an der Ecke Via Mura della Lupa / Via della Cala.

12 Teatro Massimo
Was du von außen vermutlich nicht ermessen kannst: Das Teatro Massimo, 1897 eröffnet, ist das größte Opernhaus Italiens und gehört zu den größten in Europa. Auch von außen beeindruckend durch die neoklassizistische Fassade mit der mächtigen Freitreppe, was an einen Tempel erinnert. Vielleicht kennst du das Theater auch aus dem Kino, auf den Stufen wurde nämlich eine Schlussszene aus Der Pate III. gedreht.
23 Jahre lang blieb das Teatro Massimo geschlossen. 1974 begann man mit einer umfassenden Renovierung – doch aus dem geplanten kurzen Umbau wurde ein jahrzehntelanger Stillstand, an dem die Erstarkung der Mafia wohl nicht ganz unschuldig war. aus Baustellen, Streitigkeiten und Ermittlungen. Erst 1997 öffnete das Opernhaus wieder seine Türen. Die Wiedereröffnung mit Claudio Abbado und den Berliner Philharmonikern fiel in die Zeit des sogenannten „Primavera di Palermo“, des gesellschaftlichen und kulturellen Aufbruchs der Stadt.
Tipp: Du kannst das Theater besichtigen (täglich 9.30–19 Uhr). Wenn du während der Theatersaison in Palermo bist – außerhalb der Sommermonate – , kannst du vorab schon Opernkarten besorgen. Tickets

13 Palazzo Butera – barocker Adelspalast trifft moderne Kunst
Historie und Moderne – eine Kombination, die mir fast immer gut gefällt. Der Palast der Fürsten Branciforti entstand zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert, weil das Geld für dringend nötige Restaurierungsarbeiten fehlte, verfiel er nach und nach. Bis ihn 2016 Francesca und Massimo Valsecchi kauften und in vier Jahren wieder zu einem Schmuckstück machten. Heute ist im Palazzo die Valsecchi-Kunstsammlung untergebracht – mit alten Meistern von Barock bis Romantik, edlem Kunsthandwerk und zeitgenössischer Kunst von Stars der Moderne wie Gerhard Richter oder Gilbert & George. Es war eine Freude, durch die Zimmer und Höfe zu spazieren.
Palazzo Butera, Via Butera 18, Website







Ab an den Strand!
Du kannst den Städtetrip Palermo prima mit dem ein oder anderen Badetag verbinden oder auch einfach nur abends ans Meer fahren. Rund um Palermo liegen einige gute Strände. Wir haben nur den Strand von Cefalù getestet (sieht dort). Der nächstgelegene Strand ist der Haustrand Mondello, den du bequem in 20–25 Minuten mit dem Bus erreichst (Nr. 806 ab Piazza Politeama). Ein Bogen aus weißem Sand zwischen Monte Pellegrino und Capo Gallo. Auf Fotos sieht er zumindest traumhaft aus. Wenn du dort gewesen bist, freue mich mich auf einen Kommentar.
Ausflug nach Monreale
Der Abstecher nach Monreale lohnt sich vor allem wegen des Normannendoms, der zu den großartigsten mittelalterlichen Bauwerken Siziliens gehört.

Wie kommst du nach Monreale?
Vom besten mit dem öffentlichen Bus. An der Piazza Indipendenza in Palermo fährt die AMAT-Linie 389 ab, die dich in nur ungefähr 30 Minuten nach Monreale bringt. Die Tickets bekommst du dort an einem AMAT-Ticketpoint. Das Ticket kostet 1,40 Euro (August 2026).
Der Dom von Monreale
König Wilhelm II. ließ den Dom in Monreale ab 1174 erbauen. Die Sensation sind 6.300 Quadratmeter goldener Mosaiken, die Bibelgeschichten von der Schöpfung, aus dem Alten Testament und aus dem Leben und Wirken Christi erzählen. Zusammen mit Palermo und Cefalù gehört Monreale seit 2015 zum UNESCO-Welterbe als Meisterwerk arabisch-normannischen Baukunst. Also die perfekte Ergänzung zur Capella Palatina in Palermo.
Duomo di Monreale: Piazza Guglielmo II, Monreale; Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 10–17 Uhr, Sonntag 14–17 Uhr
Das eindrucksvollste Mosaik in der Hauptapsis zeigt Christus Pantokrator. Die monumentale Christusfigur mit dem segnenden Christus beherrscht den gesamten Innenraum.

Im Querschiff siehst du eindrucksvolle Szenen aus dem Leben Christi, in den Seitenschiffen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament.

Tipp: Sehr lohnend fand ich den Besuch der Dachterrasse, für die allerdings ein weiteres Ticket zu lösen ist. Schwindelfreiheit ist Voraussetzung! Über eine schmale Treppe steigst du nach oben und läufst an der Fassade entlang. Toll ist Perspektivwechsel – die Architektur des Doms von oben, aber auch der Blick bis nach Palermo ist herrlich.


Der Kreuzgang des ehemaligen Benediktinerklosters
Genauso sehenswert wie der Dom ist der Kreuzgang mit 228 Doppelsäulen, die den Hof umringen. Vom Dach des Doms hast du Blick auf die gewaltige Gesamtanlage.

Manche der Säulen sind mit Mosaiken oder Reliefs geschmückt, andere haben Kapitelle, die Bibelszenen, Tiere und Pflanzenmotive zeigen. Feine, kreative Arbeiten





Ausflug ab Palermo nach Cefalù
Cefalù, 70 Kilometer östlich von Palermo gelegen, ist ein tolles Ziel für einen Tagesausflug. Zum einen ist der Normannendom die perfekte Ergänzung zu den Normannenbauwerken in Palermo und Monreale. Des Weiteren ist Cefalu ein bildhübsches Mittelalterstädtchen mit einem wunderbaren Strand. Dass hat sich natürlich längst herumgesprochen, sodass du dich in der Hochsaison mit unzähligen anderen Besuchern durch die Gassen drängen wirst. Mitte Oktober unterwegs, und es war immer noch viel los. Am Strand allerdings war viel Platz, und die Liegestühle waren – anders als anderswo in Süditalien – noch nicht abgeräumt. Also Badesachen mitnehmen!

Wie kommst du nach Cefalù?
Eine organisierte Tour lohnt sich meiner Meinung nach nicht. Am besten fährst du mit einem der Regionalzüge ab Palermo Centrale, die mehrmals täglich fahren und 50–70 Minuten benötigen. Vom Bahnhof läufst du in etwa 15 Minuten ins historische Zentrum.
Der Normannendom
Wie der Normannenpalast und der Dom von Monreale gehört der Normannendom von Cefalu, den Roger II. begann und Wilhelm II. vollendete zum UNESCO-Welterbe. Anders als in Monreale ist der Kirchenraum schlicht – nur in der Apis leuchtet das Christus-Pantokrator-Mosaik.
Catedrale di Cefalu: Piazza del Duomo 10; Website


Ich bin auch hier der Kathedrale aufs Dach gestiegen. Du hast Blick in den Innenraum der Kirche aus erhöhter Perspektive und auf Stadt und Meer.



Auch dem Dom von Cefalu ist ein Kreuzgang angegliedert, der aber im Vergleich zu Monreale sehr schlicht ist.

Stadt und Strand von Cefalù
Nach dem Besuch des Doms lässt du dich einfach durch die Stadt treiben, die wirklich ein kleines Juwel ist. Weil das natürlich kein Geheimnis ist, drängen sich die Massen. Der wirklich hübsche Stadtstrand gleich unterhalb der Altstadt dagegen war dagegen Mitte Oktober schon verwaist. Wir hatten dummerweise die Badesachen in Palermo gelassen, so blieb es bei einem Strandspaziergang. Der lohnt aber allein wegen des Blicks auf Stadt und Dom unbedingt.



Auf dem Weg zurück zum Bahnhof entdeckten wir ein schönes Detail – Murals an einem Schulgebäude. In einer Schule, deren Motto „Vola con me“ (Flieg mit mir) lautet, macht das Lernen bestimmt Spaß.

Reisetipps für den Städtetrip Palermo
Anreise nach Palermo?
- Mit dem Flugzeug: Palermo wird von mehreren deutschen Flughäfen direkt angeflogen, darunter München, Frankfurt, Berlin, Köln/Bonn, Stuttgart, Düsseldorf, Memmingen und Nürnberg. Der Flughafen Falcone Borsellino liegt rund 30 Kilometer westlich der Stadt. Mit Zug oder Bus bist du in 35–60 Minuten im Zentrum.
Mit dem Zug: Lohnt nicht für einen Städtetrip. Wenn du eine Rundreise Sizilien mit öffentlichen Verkehrsmitteln planst, kannst du über Mailand, Rom und Messina mit der Bahn nach Palermo reisen. - Mit dem Auto: Auch eine Autofahrt lohnt nur, wenn du länger auf Sizilien unterwegs bist. Dann kannst du die lange Strecke durch die Nachtfähre nach Genua abkürzen und dir unterwegs noch Genua (Reisetipps für Genua) anschauen, ebenfalls eine tolle Stadt.
Rumkommen in Palermo
Das Zentrum ist kompakt und du kannst alles zu Fuß erlaufen. Nur für Ausflüge – nach Monreale, nach Cefalu, zum Strand – bist du auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Infos jeweils bei der Beschreibung der Ausflüge.
Übernachten in Palermo
Wir haben im Binario 91 im Bahnhofsviertel gewohnt, das ich uneingeschränkt empfehlen kann. Da wir mit dem Auto unterwegs waren, sollte die Unterkunft außerhalb der autofreien Altstadt liegen und tatsächlich hatten wir einen Parkplatz vor der Haustür. Trotzdem waren Altstadt und das angesagte Kalsa-Viertel nur wenige Minuten zu Fuß entfernt. Das Zimmer selbst war geräumig und stylisch, und ein weiteres Plus war die kleine Gemeinschaftsküche zum Kaffeekochen, mit Kühlschrank und Mikrowelle. Zur Buchung*. Wenn du ohne Auto unterwegs bist und gern mitten in der Altstadt wohnst, ist das kleine Hotel Plaza Ungheria eine gute Wahl. Zur Buchung*
Restaurants in Palermo
Wir haben Street Food und Bar Food genossen. Und natürlich den Aperitivo, der in Palermo wie anderswo in Italien zum Lebensgefühl gehört. Abends werden zu einem Glas Wein, Spritz oder Bier kleine Häppchen gereicht. Darüber hinaus haben wir in zwei ganz unterschiedlichen Restaurants gegessen – mal rustikal und mal fein, beide Male gut.
Trattoria Al Sorriso, Via Rocco Pirri 20. Eine rustikale Nachbarschaftstrattoria mit ehrlicher guter Küche. Fast nur einheimische Gäste. Auf der Karte stehen Klassiker wie Caponata siciliana, Penna alla Norma, Schwertfisch mit Zitrusfrüchten und Pistazien.

Lumia, Via Sant’Agostino 136. Feine Küche im schönen Ambiente des Innenhofs. Kreative sizilianische Küche mit Gerichten wie Stockfisch mit Orangen oder Paccheri mit Oktopus-Ragù.

Wie sicher ist Palermo?
Taschendiebstähle gibt es in Palermo wie in anderen belebten Städten weltweit. Dass Gelegenheit Diebe macht, ist bekannt. Also Wertgegenstände im Gedrängel sicher verstauen. Wir haben uns absolut sicher gefühlt.
Reiseführer Palermo
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Hallo, ich bin Elke. Schon als kleines Mädchen immer mit dem Finger auf der Landkarte unterwegs. Als Reisejournalistin, Reisebuchautorin und Reiseleiterin heute Berufsreisende. Mit viel Know-how zu Asien und Neuseeland, aber auch leidenschaftlich gern vor der Münchner Haustür – in Oberbayern oder im Allgäu – unterwegs. Am liebsten mit Wanderstiefeln oder mit dem Fahrrad. Auch wenn ich schon einiges von der Welt gesehen habe – die Entdeckerlust ist immer noch endlos. Wo ich mich aktuell herumtreibe, erfahrt ihr auf meinem Insta-Profil.




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