Apulien, Italiens tiefer Süden – Sporn und Absatz des italienischen Stiefels – liegt zwischen Adria und Ionischem Meer und ist längst kein Geheimtipp mehr. Kein Wunder, denn die Region hat unglaublich viel zu bieten: barocke Städte voller Lebenslust, weiße Dörfer mit Orientflair, erstaunlich viele Kunstschätze und ganz viel mediterranes Lebensgefühl. Apulien ist außerdem ein Badeparadies. Entlang der Adriaküste finden sich neben langen Sandstränden auch traumhafte Buchten mit türkisfarbenem Wasser, eingerahmt von schneeweißen Kalkfelsen. Am Ionischen Meer reihen sich flache Sandstrände aneinander. Aber auch Aktivurlauber kommen in Apulien auf ihre Kosten, denn das Netz der Wander- und Fahrradwege wird stetig ausgebaut. Der Mann und ich hatten unsere Fahrräder dabei, die wir eifrig genutzt haben.
Weil die Region groß ist, erkundet du sie besten auf einem Roadtrip oder wählst 1–2 Standorte als Basis für Erkundungen aus. Für uns war Apulien ein Schwergewicht auf unserer Rundreise durch Süditalien, aber natürlich funktioniert der Roadtrip Apulien, den ich hier ausführlich beschreibe, auch für sich. Du findest einen Vorschlag für mögliche Stationen unterwegs, Adressen erprobter Unterkünfte und viele andere Reisetipps Apulien.



Inhaltsverzeichnis
Wieviel Zeit für den Roadtrip Apulien einplanen?
Apulien ist eine große Region, die Touristiker in mehrere Unterregionen aufteilen: Gargano, Terra di Bari, Valle d’Itria und Salento. Wenn du die große Runde drehen möchtest, solltest du mindestens zwei Wochen Zeit haben. Mehr Zeit ist immer besser. Hier ist ein Vorschlag für eine zweiwöchige Rundreise ab Bari. Den wunderschönen Gargano haben wir auf der Anreise in den Süden erkundet. Wenn du nach Bari fliegst, liegt die Region ein bisschen ab vom Schuss. Deshalb ist sie in meinem Programmvorschlag nicht fester Bestandteil, sondern Bonusprogramm bei mehr Zeit. Einen Abstecher nach Matera, das schon in der Region Basilikata liegt, solltest du unbedingt einplanen.

Wie komme ich nach Apulien?
Wir sind mit dem eigenen Auto ganz gemütlich von München in den Gargano gereist. Mit Zwischenübernachtungen in Bologna, San Marino und Termoli. Wenn du weniger Zeit für Besichtigungen unterwegs einplanst, kommst du auch mit einer oder zwei Übernachtungen aus. Umweltfreundlich kannst du mit dem Zug von München über Bologna nach Bari oder Lecce reisen, bist allerdings lange unterwegs. Die meisten Besucher wählen deshalb die Fluganreise. Der beste Ausgangspunkt für den Roadtrip ist Bari. Wenn du dich auf den Salento beschränken willst, fliegst du besser nach Brindisi.
Programmvorschlag für 2 Wochen Apulien
- 1 Trani (Terra dei Bari) 2 Nächte
- 2 Valle d’Itria 3 Nächte
- 3 Matera 1 Übernachtung
- 4 Lecce (Salento) 1 Übernachtung
- 5 Otranto (Salento) 3 Übernachtungen
- 6 Gallipoli (Salento) 1 Übernachtung
- 7 Polignano, Monopoli oder Bari (Terra di Bari) 1 oder 2 Übernachtungen
Terra di Bari: eine geballte Dosis Mezzogiorno
Die meisten Apulien-Reisenden landen auf dem Flughafen von Bari, aber viele nehmen sich nicht die Zeit für einen Abstecher in die Stadt. Dabei hat sich die größte Stadt der Region (circa 300.000 Einwohner) in den letzten Jahren schick gemacht. Bei meiner ersten Apulienreise vor einigen Jahren war ich positiv überrascht von der orientalisch wirkenden Altstadt rund um die romanische Basilika San Nicola mit den hochverehrten Gebeinen des Hl. Nikolaus. Und in Erinnerung ist mir der kleine Fischerhafen geblieben, wo Fischer theatralisch den Fang des Tages anboten. Diesmal haben wir Bari ausgelassen, deshalb gibt es keine Fotos. Rund um Bari urlauben nach wie vor hauptsächlich Italiener – perfekt, um süditalienisches Lebensgefühl zu tanken.
Trani – Hafenstadt mit Geschichte und Gelassenheit
Meine Lieblingsstadt in der Region war ganz klar Trani, wo Reisegruppen tagsüber die Kathedrale San Nicola Pellegrino besuchen. Sie erhebt sich stolz, schön und schneeweiß am Meer und ist außen wie innen ein Hingucker.




Die wenigsten Reisenden bleiben über Nacht. Schade. Wir haben es genossen, das Lebensgefühl in der Stadt aufzusaugen. Alle Süditalien-Klischees werden wahr, wenn Wäsche zwischen den Häusern flattert, Vespas durch die Gassen knattern und Frauen Pasta knetend in den Hauseingängen sitzen.


Wir hatten außerdem das Glück, am Wochenende in Trani zu sein und waren überwältigt vom prallen Leben. Halb Trani flanierte am Samstagabend lautstark und fröhlich an der Hafenpromenade und genoss den Aperitivo in einer der Bars. Wir Mitteleuropäer staunten.

Restauranttipp: Der Hit war die Pizzeria Mania di Pizza (Via Statuti Marittimi 38) direkt am Hafen, wo wir unter einheimischen Familien saßen und uns (soweit es unser bescheidenes Italienisch erlaubte ;-)) blendend unterhielten. Die Preise waren unschlagbar (Pizza Margerita 4 Euro!), die Qualität prima und die Stimmung bombastisch.

Sehr besonders war auch die Morgenstimmung am Hafen von Trani. Ich bin Team Early Bird, und während der Mann noch schlief, war ich unterwegs auf Foto-Spaziergang und begutachtete den Fang der Fischer.




Die Krone Apuliens: Castel del Monte
Eine Stunde westlich von Trani liegt die größte Sehenswürdigkeit der Region: Castel del Monte, die achteckige Burg des Stauferkaisers Friedrich II., die wie eine steinerne Krone über der Ebene thront. Ein majestätischer Bau, über dessen Sinn und Zweck Historiker bis heute rätseln.






Übernachten in Trani
Unsere stylische Unterkunft Terra di Trani* lag mitten in der Altstadt, was wir sehr genossen haben. Vom bewachten Parkplatz aus mussten wir das Gepäck rund 10 Minuten schleppen, absolut machbar. Wenn Terra di Trani schon ausgebucht ist, auch das B&B Porta Vetere* ist prima – mit Dachterrasse mit kleinem Pool.
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Die schönsten Küstenorte: Polignano a Mare und Monopoli
Heiß geliebt ist Polignano a Mare, der berühmteste Badeort an der Küste Baris. Die Altstadt räkelt sich umwerfend fotogen auf einem Felsplateau, in das sich Badebuchten hineingegraben haben. Sonnenanbeter aalen sich an Kieselstränden oder gleiten schwimmend oder mit Booten durchs kristallklare Wasser. Der beliebteste Selfie-Spot aber ist das Denkmal für den berühmtesten Sohn der Stadt, den Musiker Domenico Modugno, der sich mit Volare Weltruhm ersang. Ein Song, der wahrscheinlich auf keiner Italien-Playlist fehlt.




So schön Polignano auch ist – es war uns einfach zu voll. Ganz in der Nähe liegt mit Monopoli ein sympathischer kleiner Ferienort mit weniger Trubel, aber Sinn für Kunst. Sehr nett waren die Outdoor-Fotogalerien an vielen Wänden, im Kastell oberhalb des hübschen Fischerhafens gab es eine ausgezeichnete Goya-Ausstellung, und auch die barocke Kathedrale Maria Santissima della Madia war sehenswert. Überhaupt – der Spaziergang durch die Gassen (wenn auch ohne Schlossallee ;-)), die anders als in Polignano nicht völlig durchkommerzialisiert sind, machte Spaß. Hier hätten wir es auch ein paar Tage lang ausgehalten.





Abstecher nach Matera
Für uns war Matera Zwischenstation auf dem Weg von Apulien in den Cilento. Du kannst die Stadt, die schon in Apuliens Nachbarregion Basilikata liegt, aber auch prima in deinen Roadtrip Apulien einbauen. Matera ist eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt und sehr besonders.

Das Herz der Stadt sind die Sassi di Matera, zwei Viertel mit Wohnhöhlen, die Siedler ab dem 6./7. Jahrhundert aus dem Fels schlugen. Bis in die 1950er-Jahre lebten hier die Ärmsten der Armen unter katastrophalen hygienischen Bedingungen. Seit die UNESCO Matera 1993 unter ihre Fittiche nahm, bekam die Stadt nach und nach ein Facelift.

Tipp: Wenn du nicht viel Zeit hast oder dir die Stadt lieber von Einheimischen zeigen lassen möchtest, ist eine Stadtführung in Matera eine gute Idee. Du kannst sie hier bequem im Voraus buchen*.
Heute logieren Touristen in luxuriösen Grottenhotels und genießen das Gesamtensemble mit idyllischen Plätzen, verwinkelten Gassen, netten Weinbars und Felsenkirchen wie Santa Maria de Idris, deren Fresken die Jahrhunderte überdauerten. Kein Wunder, dass Filmteams Schlange stehen. So doubelte Matera 2004 Jerusalem in The Passion of the Christ, und James Bond ging 2021 in No time to die hier auf Verfolgungsjagd. Eine Idee vom Leben in einer Höhlenwohnung bekommst du in einem kleinen Museum.




Der wohl spektakulärste unter vielen eindrucksvollen Fotospots ist das Belvedere di Murgia Timone auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht Gravina. Vom Parkplatz führt ein Wanderweg etwa in 15 Minuten zum Aussichtspunkt. Aus der Ferne wirken die Höhlenetagen inmitten der archaischen Karstlandschaft wie ein riesiges Amphitheater.





Übernachten in Matera
Unsere Unterkunft in Matera, das Antica Mateola*, lag außerhalb der Altstadt. In diesem Fall die richtige Entscheidung, denn wir konnten vor der Tür parken. Diejenigen, die ein Hotel oder Apartment im Stadtzentrum gebucht hatten, fluchten beim Rollen der Koffer durch Kopfsteinpflastergassen. Das Zimmer war prima, der Vermieter versorgte uns mit allen Infos und servierte morgens ein solides Frühstück. Aber eine schicke Höhlenwohnung wie La Corte dei Pastori Luxury* hat natürlich auch ihren Reiz.
Das Tal der Trulli: Landurlaub auf die feine Art
Im Valle d’Itria setzt man auf hochwertigen Tourismus: Alles ist ein bisschen teurer, aber auch ein bisschen edler als in anderen Regionen Apuliens, und Badetourismus spielt hier eine Nebenrolle. Das Wahrzeichen Apuliens sind die Trulli, die es nur im Itria-Tal gibt – weißgetünchte Rundbauten mit Zipfelmützendächern aus Schiefer, die an Puppenhäuser erinnern. Wahrscheinlich bauten die Apulier schon in vorgeschichtlicher Zeit auf diese eigenwillige Art und Weise. Schnell waren mit Feldsteinen und ohne Mörtel Häuser errichtet, die über eine natürliche Klimaanlage verfügen: Die dicken Wände halten im Sommer die Hitze ab, im Winter speichern sie Wärme. Noch heute liegen rund 5000 Trulli zwischen Oliven- und Mandelbäumen im Itria-Tal – viele verfallen, andere restauriert. Und seit Jahren schon erleben die einstigen Arme-Leute-Häuser als ungewöhnliche Urlaubsdomizile eine Renaissance.
Hauptstadt der Trulli: Alberobello
Am hübschesten anzuschauen sind die Trulli in Alberobello, das seit 1996 unter dem Schutz der UNESCO steht. Scharen von Besuchern schlendern tagtäglich durch die von Souvenirgeschäften gesäumten Gassen.

Zum Fotografieren ist ein Besuch in Alberobello ein Muss, und am besten steuerst du erstmal den Aussichtspunkt an der Kirche Santa Lucia mit dem besten Blick auf die Trulli-Landschaft an und schlenderst dann weiter durch die Gassen. Lange sind wir allerdings nicht geblieben und waren heilfroh, dass wir uns nicht für ein Quartier im Ort entschieden hatten.







Locorotondo und Cinsternino
Netter zum Wohnen als das überfüllte Alberobello sind einige Ort im Itria-Tal, die zu den borghi piu belli d’Italia (schönste Dörfer Italiens) zählen. Das charmante weiße Dorf Locorotondo mit seinem üppigen Blumenschmuck zum Beispiel. Es liegt wie viele der Dörfer im Tal zwischen Weinbergen, Mandelbäumen und Olivenhainen.




Am besten lässt du dich einfach treiben. Aber nicht versäumen, die Chiesa di San Nicola di Myra zu besuchen, die dem Heiligen Nikolaus geweiht ist. Wir stolperten zufällig in den Kirchenraum und waren entzückt von den naiven Fresken, die vom Leben und von den Wundern des Heiligen erzählen.




Richtig gut gefiel uns auch Cisternino, wo Touristen noch eine Nebenrolle spielen und du sehr entspannt in den Bars und Restaurants ohne Touristenpreise sitzen kann.

Wir waren am Markttag vor Ort und haben den Einkauf auf dem Bauernmarkt, der ein bisschen außerhalb liegt, genossen. Lauter regionale Produkte, die unglaublich günstig waren und herrlich schmeckten.



Weißes Dorf Ostuni
Eine weitere Dorfschönheit: Ostuni, das wie ein Sahneklecks in der olivengrünen Ebene liegt. Nicht so weit vom Meer entfernt wie die anderen Orte, sodass du hier Landidylle und Badeurlaub verbinden kann.

Ostuni verteilt sich auf drei Hügeln, doch das Zentrum ist die Piazza della Libertà mit der Statue des Ortsheiligen Sant’Oronzo. Hier liegen jede Menge Lokale, hier warten die Ape-Taxis auf Kunden. Und von hier erreichst du in wenigen Minuten die Kathedrale Santa Maria Assunta.




Restauranttipp: Wunderbar sitzt du auf der Terrasse des Passaporto Alchimia & Cucina mit Blick auf die schicke Piazza della Libertà und genießt verfeinerte Klassiker der lokalen Küche. Meine Orecchiette mit Zucchiniblüten waren sehr fein.

Oliven in Apulien
Oliven und Apulien gehören zusammen. Im Valle d’Itria und im Salento findest du riesige Monokulturen. Wir haben zum Einstieg ins Thema Oliven und Olivenöl eine Führung mit Tasting gebucht, die richtig gut war. Danach wussten wir, worauf wir beim Einkauf künftig achten müssen. „Den Becher mit dem Olivenöl eine Minute schütteln, dann riechen, und dann erst probieren.“ Giulia Valentino, die Inhaberin der Masseria Rienzo erklärte uns, wie man das edle Öl verkostet und Qualität erkennt. „Das Öl muss frisch und leicht bitter schmecken, ein bisschen pfeffrig darf es im Nachklang sein, aber nicht zu scharf.“ Zuvor hatten wir einen Rundgang durch die Olivenhaine der Familie gemacht, über 2000 Jahre alte Bäume bewundert und die historische Ölmühle besucht, wo einst Lampenöl hergestellt wurde.



Giulia hatte aber auch vom tödlichen Bakterium erzählt, das im Salento, dem Südzipfel Apuliens, seit Jahren wütet und unzählige Olivenbäume schon zum Absterben brachte. Glücklicherweise blieb das Itria-Tal bisher weitgehend verschont. Für alle Fälle hat sich Familie Valentino vor Jahren schon ein zweites Standbein geschaffen: Mit ein paar Gästezimmern verwandelte man – wie viele andere Plantagenbesitzer in Apulien – den Gutshof aus dem 17. Jahrhundert in ein Edel-B&B, wo Gäste aus aller Welt beim „Urlaub auf dem Bauernhof“ auf apulische Art vom Alltagsstress entspannen können.
Barockes Martina Franca
Noch fast ein Geheimtipp: die elegante Barockstadt Martina Franca mit großzügigen Plätzen wie der Piazza Plebiscito mit der modernen Bronze-Skulptur von Andrea Roggi und der barocken Kathedrale San Martino dahinter. Hier suchst du dir am besten einen Platz im Café und lässt das Leben vorbeiziehen. Perfekt auch, um Capocollo zu probieren, die Slow-Food-Schinkenspezialität der Region.


Das Convento di Santa Maria della Misericordia gefiel uns, der riesige Palazzo Ducale beeindruckte und der Piazza XX Settembre bekam mit der Installation Building Bridges von Lorenzo Quinn, die temporär zumindest ein Statement für die Menschlichkeit in Martina Franca setzte, einen Hingucker.




Übernachten im Valle d’Itria
Wir haben uns für drei Nächte in Masseria Palombara Grande* bei Ostuni eingemietet, was eine gute Entscheidung war. Die Olivenplantage bietet sechs schlichte, aber stilvolle Zimmer mit Terrasse und ein tolles Frühstück. Von dort aus konnten wir die Dörfer sowie Martina Franca erkunden. Nach Ostuni führte eine Radtour durch die Olivenhaine. Wenn du in einem Trulli übernachten möchtest, wäre Trulli di Ivana* bei Ostuni eine gute Adresse.

Der Salento: Apuliens tiefer Süden
Der Absatz des Stiefels wird umspült von zwei Meeren, dem Adriatischen und dem Ionischen Meer. So kannst du theoretisch je nach Wetterlage entscheiden, wo du ins Wasser springen möchte. Die Region bietet aber auch mehrere spannende Städte mit reichlich Kunst und Kultur.
Barockwunder Lecce
Lecce ist das ökonomische und kulturelles Zentrum des Salento und beliebte Studentenstadt. Zu Unrecht wird es von vielen Besuchern übersehen oder nur kurz gestreift. Ich wollte unbedingt mindestens eine Nacht in Lecce verbringen, um die Atmosphäre am Abend zu genießen. Und es hat sich gelohnt. Die Baumeister des Barocks liefen in Lecce im Auftrag der Gegenreformation zu Hochform auf und meißelten an Kirchen und Palästen Fantasiewesen und Blüten aus dem honiggelben Sandstein, die im Licht der untergehenden Sonne erglühen.






Unbedingt besuchen solltest du die Piazza del Duomo, ein barockes Platzensemble mit Kathedrale und Bischofspalast. Auch die Basilica di Santa Croce (Via Umberto 1) ist umwerfend, genauso wie Santa Chiara und San Matteo. Wir haben uns das Sammelticket für vier Kirchen inklusive Audioguide besorgt, das du in jeder Kirche bekommst, was sich unbedingt gelohnt hat. Dass Lecce eine ziemlich alte Stadt ist, beweisen die Relikte aus der Römerzeit wie das Anfiteatro an der Piazza Sant’Oronzo.
Abends ist halb Lecce auf den Beinen, um Musik an allen Ecken und den Aperitivo in einer der unzähligen Bars zu genießen.


Bilderbibel in Galatina
Von Lecce aus haben wir auf dem Weg nach Otranto noch einen Abstecher nach Galatina gemacht. In der Kleinstadt wurden die pasticciotti erfunden (siehe Essen & Trinkn), die leckeren Mürbeteigküchlein mit Füllung, die zu jedem Frühstück in Apulien gehören. Wir wollten aber vor allem den größten Freskenzyklus Apuliens in der Kirche Santa Catarina d’Alessandria sehen: eine Bilderbibel im XXL-Format. Unglaublich beeindruckend!




Otranto und die Adriaküste
Otranto, die wichtigste Stadt an der Adriaküste, wird umarmt von den mächtigen Mauern des Kastells. In der Römerzeit bereits besaß die Stadt einen wichtigen Hafen und galt als Tor zum Orient. Friedrich II. brach von hier zum zweiten Kreuzzug auf, denn Otranto bietet die kürzeste Verbindung ins heilige Land. Seit der Jahrtausendwende spätestens dreht sich in der „Perle des Salento“ alles um den Tourismus. Einheimisches Leben? Fehlanzeige. Tagsüber sind wir geflohen, weil sich die Reisegruppen durch die Souvenirgassen zur Kathedrale drängten.




Die Kathedrale Santa Annunziata haben wir dann am Spätnachmittag, nachdem sich der Trubel gelegt hatte, in aller Ruhe besucht. Das Fußbodenmosaik, das mit zehn Millionen steinernen Puzzlesteinchen Bibelgeschichten und antike Mythen erzählt, ist zu Recht weltberühmt. Großartig, wie man sich Elefanten, die man nur vom Hörensagen kannte, vorstellte! Sie erinnern eher an Bluthunde mit Rüssel.




Abends lädt die Hafenpromenade zur passegiata ein und du sitzt sehr nett mit Blick aufs Wasser. Die Lokale in bester Lage sind leider alle Touristenfallen.

Übernachten in Otranto
Direkt in Otranto hätte ich nicht übernachten wollen. Zu rummelig. Eine gute Wahl war dagegen das Landhotel Tenuta San Lorenzo* bei Otranto mit etwa zehn Zimmern, die sich in einem riesigen Garten verteilten, und einem schönem Pool. Zum Essen sind abends in den Ort geradelt oder haben Brotzeit im Garten gemacht.

An der Küste entlang bis Santa Maria de Leuca
Die Küstenstraße nach Santa Maria di Leuca ist fast so schön wie die berühmte Amalfitana bei Neapel, anders als dort stehst du hier garantiert nicht im Stau. Wir haben die Gegend auf einer Radtour von Otranto aus erkundet und unterwegs natürlich mehrere Stopps zum Schwimmen und Staunen eingelegt, zum Beispiel am Capo d’Otranto mit seinem weißen Leuchtturm, dem östlichsten Punkt Apuliens.

Die erste Badepause haben wir in Porto Badisco eingelegt mit einer traumhaft schönen kleinen Badebucht und haben im türkisgrünen Wasser Karibik-Feeling genossen.


Santa Cesarea Terme muss einst ein mondänes Kurbad gewesen sein. Daran erinnern noch ein paar feudale Villen wie die Villa Sticchi im neo-maurischen Stil. Es gibt nach wie vor eine Therme für Schlammbäder, aber an einem heißen Tag suchten wir eher Erfrischung.

So ein richtiges Schwimmbad hat natürlich Vorteile. Ein Liegestuhl, Sonnenschirm, Restaurant. Haben wir uns nicht oft gegönnt auf der Reise, aber das Bagno Marino Archi war wunderbar, um ein paar Stunden zu vertrödeln, bevor wir wieder zurück nah Otranto radelten.

Am nächsten Tag sind wir auf dem Weg nach Gallipoli die Strecke noch einmal mit dem Auto gefahren und haben den Badeort Santa Maria de Leuca erkundet. Oberhalb des Ortes liegt Apuliens Südkap, wo sich Adria und Ionisches Meer treffen. Der südlichste Punkt Festlanditaliens. Dort stehen ein Leuchtturm und eine Wallfahrtskirche. Santa Maria ist aber auch ein hübscher Badeort mit Villen aus der Belle Epoque in erster Reihe am Wasser.





Nördlich von Santa Maria de Leuca zeigt die Küste ein anderes Gesicht. Es fehlten die Felsbuchten der Adriaküste, stattdessen begleiteten uns am Ionischen Meer endlos lange Sandstrände – mit Lidos, aber auch mit richtig guten öffentlichen Strandabschnitten wie hier in Pescoluse Marina. Und mit schicken Bademeistern.


Gallipoli, die apulische Perle am Ionischen Meer
Gallipoli, vor 2500 Jahren als kalé polis („die schöne Stadt“) von Griechen gegründet, ist auch heute noch eine Schönheit. Die überschaubare Altstadt, die auf einer Insel liegt, und die Neustadt verbindet eine Brücke am Hafen. Dort steht ein Relikt aus der Antike: der Griechische Brunnen. Angeblich der älteste Brunnen Italiens.


Was Kunstschätze betrifft, kann Gallipoli Lecce nicht das Wasser reichen. Aber natürlich gibt es auch eine Kathedrale, die hier der Heiligen Agata geweiht ist, der man die Brüste amputierte. Mir gefiel ganz besonders die kleine Kirche der Bruderschaft der Hafenarbeiter, die Chiesa della Purità.

Und unterhalb der Kirche liegt mit dem Spiagga della Purità ein richtig guter Stadtstrand. Da kann Lecce wiederum nicht mithalten.

Abends gibt es mindestens so viel Party wie in Lecce. Wir hatten uns bewusst in Quartier in der Altstadt gesucht, um – ein bisschen zumindest – ins berühmte Nachleben von Gallipoli einzutauchen. Heiß begehrt sind abends die Plätze in den Bars entlang der Stadtmauer, wo das Leben vibriert.




Restauranttipp: Nach dem Sundowner warten charmante Restaurants mit Meerblick wie das Santa Monaca mit authentischer Salento-Küche zu fairen Preisen. Das beste Frühstück und das beste Eis bekamen wir bei Martinucci in der Neustadt (Corso Roma): Pasticciotti, Pistazieneis!
Den sehr passablen Stadtstrand ergänzen Strandschönheiten vor der Haustür – der Familienstrand Punta della Suina-Pizzo beispielsweise oder Baia Verde mit angesagten Beach Bars. Nördlich von Gallipoli liegen wildschöne Naturstrände.
Übernachten in Gallipoli
Hotels und B&Bs in der Altstadt sind nett, aber nicht unkompliziert, weil du das Auto außerhalb parken und das Gepäck relativ weit schleppen musst. L’Antica Rimessa Da Gigi* bot nicht nur ausgezeichneten Standard mitten in der Stadt, wir konnten auch eine Garage dazumieten und Auto und Fahrräder sicher verstauen.
Bonusprogramm: Gargano – der gebirgige Stiefelsporn
Wenn du mit dem eigenen PKW oder Camper kommst, streifst du den Gargano und solltest unbedingt einen Abstecher einplanen. Wenn du bis Bari fliegst, bist du eine Weile bis in den Sporn des Stiefels unterwegs. Ein Zeitfresser. Viele lassen die Region deshalb aus. Schade, denn es hat uns dort oben ausgesprochen gut gefallen. Der Gargano ist gebirgiger als der Rest der Region, außerdem grün und waldreich. Wenn es am Meer zu heiß wird, kannst du in den Naturpark Forestra Umbra (UNESCO-Welterbe) mit seinen dichten Buchen- und Steineichenwäldern und vielen Wander- und Fahrradwegen flüchten. Es gibt aber auch tolle Strände und wunderhübsche Orte im Gargano zu erkunden.
Peschici und Vieste –zwei Dorfschönheiten
Die touristischen Hauptorte des Gargano sind der kleine Küstenort Peschici im Norden, Mattinata im Süden und vor allem Vieste. Der Blick auf Peschici mit seinem langen Sandstrand war schon mal großartig. Und auch der kleine Ort selbst mit seinen verwinkelten Gassen hat uns gut gefallen.



Wir haben uns in einer Masseria bei Vieste eingemietet, und das war im Nachhinein eine super Idee. Im Ort selbst wäre es uns zu rummelig gewesen. Vieste thront postkartenschön mit seinen labyrinthischen Treppengassen auf einem Felsplateau – bekrönt von Kastell und Kathedrale – und ist umgeben von langen Sandstränden. Eindrucksvolles Wahrzeichen des Ortes: der Kalkstein-Monolith Pizzomunno, der am Stadtstrand Spiaggia della Scialara 20 Meter in die Höhe ragt. An Bars und Restaurants herrscht kein Mangel.





Die Küste des Gargano
Traumhaft ist auch die Küste südlich von Vieste mit ihren unzähligen Grotten und Buchten, die du am besten auf Bootsausflügen erkundest.

Wir haben ein paar Stunden den Spiaggia di Vignanotica zwischen Vieste und Mattinata genossen. Die Bucht mit kalkweißen Felsen und türkisfarbenem Meer ist Bilderbuch-Apulien. Um einen Parkplatz zu ergattern, musst du allerdings früh kommen oder du buchst eine Bootstour.
Tipp: Hier kannst du die Bootstour entlang der Küste buchen*.

Die Heiligen des Gargano
Der Gargano ist aber auch reich an Heiligen. In Monte Sant’Angelo erinnert die viel besuchte Wallfahrtskirche San Michele daran, dass sich der hochverehrte Erzengel Michael hier erstmals den Menschen zeigte. Du kannst die Gebetsgrotte besichtigen. Der Rummel spielt sich nur in zwei Gassen ab, der Rest der Stadt ist ruhig und authentisch und lohnt meiner Meinung nach unbedingt einen Stopp. Noch populärer ist das Grab von Padre Pio, dem Lieblingsheiligen der Süditaliener, in San Giovanni Rotondo. Gleichzeitig ein Ziel für Architekturfans, denn die Pilgerkirche entwarf Stararchitekt Renzo Piano.





Übernachten auf dem Gargano
Wir haben zwei Nächte in der kleinen Masseria I Sapori del Gargano bei Vieste verbracht. Die Studios sind einfach, aber das machen der schöne Pool unter Olivenbäumen, das Frühstück mit Produkten vom eigenen Hof und die Gastfreundschaft wett. Zum Strand ist es auch nicht weit und wir bekamen sogar einen Gutschein für Liegen und Sonnenschirm. Gern wäre ich noch ein bisschen länger geblieben. Du kannst I Sapori del Gargano hier direkt buchen und kurzfristig stornieren, wenn dir etwas dazwischenkommt. Zur Buchung*

Reisetipps Apulien
Unterkünfte in Apulien
Apulien bietet ein breites Angebot an Unterkünften. In Strandorten gibt es alles vom Großhotel über Boutiquehotels und Ferienwohnungen bis zum Campingplatz. In den Städten findest du klassische Stadthotels genauso wie B&Bs oder Ferienwohnungen. In kleinen Orten im Hinterland dominieren Privatzimmer und Pensionen. Landhotels mit Charme und Stil (Masserien) gibt es fast so viele wie Olivenbäume in Apulien. Sie sind mal luxuriös, mal rustikal und bieten oft Produkte vom eigenen Hof an.
In der Stadt oder außerhalb wohnen? Die Parkplatzproblematik in Apulien
Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, musst du es nachts auch irgendwo parken – am besten auf einem bewachten Parkplatz. Am praktischsten sind deshalb Unterkünfte mit privatem Parkplatz. Gibt es aber nicht immer und schon gar nicht in historischen Altstädten. Wir waren ständig in der Zwickmühle: Eine Unterkunft in der (meist autofreien) Altstadt ist netter als am Stadtrand, weil du mitten im Leben bist. Aber du musst unter Umständen mit dem Gepäck vom Parkplatz oder Parkhaus in die Stadt weit laufen. Wenn du außerhalb wohnst, kannst du problemlos parken, hast nach einem langen Tag aber vielleicht keine Lust mehr, ewig weit in die Stadt zu laufen. Wir haben es mal so und mal so gehandhabt. Unterwegs hatten wir mit der Parkplatzsuche keine Probleme, weil wir mit dem E-Auto unterwegs waren. Beim Laden konnten wir den Wagen kostenlos parken und hatten wenig Konkurrenz.
Strandknigge Süditalien
Lange Sandstrände oder lieber Felsbuchten? In Apulien findet jeder den richtigen Strand. Wichtig zu wissen: Ein Lido ist ein bewirtschafteter Strand (2 Liegen plus Sonnschirm kosten in der Nebensaison ab 15 Euro, in der Hauptsaison bis 40 Euro) mit Strandbar; ein Spiaggia Libera ist ein kostenloser Strand ohne Service.
Essen & Trinken in Apulien
Die Süditaliener frühstücken bescheiden: Vormittags reicht ein Cornetto oder – eine Spezialität Apuliens – ein pasticciotto mit cremiger Füllung zum Cappuccino.

Die Alltagsküche ist bodenständig, schlicht und oft vegetarisch: viel Gemüse, Hülsenfrüchte und Pasta kommen auf den Tisch, verfeinert mit bestem Olivenöl. Beliebte Gerichte sind Pasta e Ceci (Nudeln mit Kichererbsen) oder Favabohnenpüree mit Chicorée – sättigend, aromatisch und ehrlich. Zwei besondere Pastaspezialitäten der Region sind Orecchiette, die an kleine Öhrchen erinnern und oft mit Cime di Rapa (Stängelkohl) kombiniert werden, oder Cavatelli, die gut zu Meeresfrüchten passen.

Meeresfrüchte und Fisch sind an der Küste natürlich häufiger im Angebot, haben allerdings auch ihren Preis. Zwischendurch holt man sich einen Snack wie Panzerotti (frittierte Teigtaschen, gefüllt mit Tomaten und Mozzarella) oder Focaccia Barese (Fladen mitKirschtomaten und Olivenöl). Beliebteste Käsespezialität ist Burrata, der an Mozzarella erinnert, aber einen cremigen Kern hat. Zum Essen passen einheimische Weine, der beliebteste Aperitif ist wie eh und je Aperol Spritz. In vielen Lokalen ist der aperitivo mehr als ein Drink vor dem Essen, denn dazu werden kleine Köstlichkeiten wie Oliven, Antipasti und mehr gereicht.
Reiseführer Apulien
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