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Italien wie früher: 4 Highlights im Cilento zwischen Paestum und Palinuro

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Den Cilento hatten wir zunächst gar nicht auf dem Schirm, als wir unseren Roadtrip durch Süditalien planten. Im Nachhinein war es eine großartige Idee, zwischen Apulien und Kalabrien noch eine Woche im Cilento einzubauen, denn die Tage dort zählten zu den schönsten Etappen unserer Reise. Manches Mal fühlten wir uns an das Italien unserer Jugend erinnert, als Massentourismus noch ein Fremdwort war. Der Cilento präsentierte sich in der Nebensaison ein bisschen verschlafen und altmodisch im besten Sinne. Und nirgendwo sonst im Süden Italiens wurden wir – vor allem im Bergland – mit so offenen Armen empfangen.

Hier habe ich meine Highlights im Cilento zusammengetragen, zu denen urige Bergdörfer, ein nostalgischer Badeort und die wilde Küstenlandschaft des Kap Palinuro genauso wie die grandiosen Tempel von Paestum gehörten. Auch ein Grund für eine Reise ins Cilento: die wunderbare Küche. Wußtet ihr, dass hier die Mittelmeerdiät erfunden wurde, die seit 2010 zum immateriellen UNESCO-Welterbe zählt?

Wo liegt der Cilento?

Rund 150 Kilometer südlich von Neapel liegt mit dem Cilento eine Urlaubsregion, die nicht weniger schön ist als die überlaufene Amalfiküste, der nördliche Nachbar. Aber sehr viel ruhiger. Das Gebiet erstreckt sich von Paestum im Norden bis zum Golf von Policastro. Seit 1991 gehören weite Teile der Region, nämlich stolze 81.048 Hektar, zum Nationalpark Cilento, Vallo di Diano und Alburni, der sich von der Küste des Tyrrhenischen Meeres bis zum Fuß des Apennin zieht. Der zweitgrößte Nationalpark Italiens steht seit 1998 auch auf der UNESCO-WelterbeListe.

Wie kommst du in den Cilento?

  • Mit dem Flugzeug: Der nächste große Flughafen ist Napoli-Capodichino (NAP), der etwa 150 Kilometer vom Cilento entfernt liegt. Näher liegt der kleine Flughafen Salerno-Pontecagnano, wo aber nur ein paar Charterflieger in der Hauptsaison landen. Von beiden Flughäfen geht es mit dem Regionalzug oder mit dem Mietwagen weiter.
  • Mit dem Zug: Von Deutschland aus kannst du über Bologna nach Neapel reisen. Von dort aus geht es weiter mit Regionalzügen nach Agropoli-Castellabate (nördlicher Cilento) oder nach Vallo della Lucania-Castelnuovo (südlicher Cilento).
  • Mit dem Auto: Von der A1 Richtung Napoli biegst du auf die A30 Salerno-Reggio Calabria ab, nördlich von Salerno dann auf die A3 Richtung Eboli. Ab Battapaglia geht es weiter auf der SS 18 zu den Zielorten im Cilento.

Wir kamen mit dem Auto aus Apulien/ Basilikata und fuhren an Eboli vorbei, wo früher die zivilisierte Welt endete. Heute wie damals ist die Gegend karges, dünn besiedeltes Bauernland.

Literaturtipp: Als Studentin habe ich vor vielen Jahren den autobiografischen Roman des Turiner Arztes Carlo Levi Christus kam nur bis Eboli verschlungen. Der Intellektuelle wurde unter Mussolini 1935 in die Region verbannt und schilderte später seine Jahre in der fremden, archaischen Welt des Mezzogiorno.

Highlights im Cilento zwischen Bergdörfern und Badestränden

1 Celso: Wohnen wie beim Adel

Die Straße nach Celso wand sich endlos durch die Berge. In dem kleinen Ort im Cilento-Nationalpark empfing uns Federico im Palazzo Maziotti, dem historischen Anwesen seiner Familie. Nach dem Tod der Großeltern hatte man entschieden, den Palast, in dem die Manziottis seit dem 14. Jahrhundert gelebt hatten, in ein B&B mit vier Zimmern zu verwandeln. Wir zogen in die Suite Rosa ein, eine Flucht mit zwei Schlafzimmern, Ankleidezimmer und Bad. Damit nicht genug: Zwischen Bibliothek, Klavierzimmer und parkähnlichem Garten durften wir uns für ein paar Tage wie die Schlossherren fühlen. Stilvoller habe ich selten gewohnt, und auch das Frühstück im Salon war vom Feinsten.

Unsere Unterkunft im Bergdorf: Der Preis für unsere rosarote Suite (alles selbst bezahlt, Werbung aus Überzeugung) war mehr als fair. Hier kannst du deinen Aufenthalt im Palazzo Maziotti* buchen.

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Restauranttipp: Wenige Schritte vom Palazzo entfernt betreibt eine Verwandte von Federico das Restaurant Giardino dei Fiori und serviert gehobene cucina cilentana mit viel Gemüse im schattigen Garten.

Das Dörfchen Celso selbst ist winzig. Ein paar Häuser, die zum Teil verlassen wirken, eine Kirche, die dringend einen neuen Anstrich bräuchte, eine Bar, in der alte Männer beim Kaffee sitzen, ein paar Katzen und Hunde, die um die Ecken streifen.

Aber es gibt Rad- und Wanderwege, die direkt im Ort beginnen. Wir waren nicht zum Wandern gekommen, aber eine Kostprobe war eine kleine Tour, die in rund einer Stunde ins nächste Dorf führte. Mit herrlichen Blicken auf die Küste unterwegs und röhrenden Wildschweinen im Gebüsch. Als wir uns Pollica näherten, bestimmten Gemüsegärten sowie Feigen-, Oliven- Granatapfel-, Kastanien und Zitronenbäume das Bild. Kapernsträucher und Weinreben an jeder Hauswand. Die ganze mediterrane Fülle.

Pollica gehört zur Gemeinde Acciaroli, und ein Schild weist darauf hin, dass hier die Mittelmeerdiät geboren wurde, die seit 2010 immaterielles UNESCO-Welterbe ist. Die Gemeinde gehört außerdem zu den Longevity-Regionen, von denen es weltweit nur eine Handvoll gibt. Von 1000 Einwohnern im Bergdorf Pollica und im Fischerort Acciaroli in der unteren Etage haben schon erstaunlich viele ihren 100. Geburtstag gefeiert und altern meist in bester Gesundheit, denn Demenz oder Schlaganfälle sind selten.

Langlebigkeit und Mittelmeerdiät im Cilento

Forscherteams aus aller Welt reisten an, um die Zauberformel für gesundes Altern zu finden. Dass sie nicht zuletzt die Cucina povera, das „Arme-Leute-Essen“, mit Gerichten wie Pasta e fagioli (Nudeln mit Bohnen) als Langlebigkeitsrezept priesen, ließ die Senioren von Acciaroli schmunzeln. Man hatte nicht die Wahl und musste aus dem, was der Boden hergab – Kräuter, Tomaten, Auberginen, Bohnen, Oliven und Mehl – etwas Nahrhaftes auf den Tisch bringen. Ein weiterer Baustein zur Langlebigkeit: die Philosophie des vita lenta (das „langsame Leben“), die auch die Mahlzeiten prägt: Man genießt sie ohne Hektik, aber in guter Gesellschaft. Auch ein Glas Rotwein dazu genehmigt man sich gern.

Wir speisten in Pollica nicht ganz so gesund, aber die Pizza aus der Dorfpizzeria Rosso de Sera war köstlich. Außerdem landeten wir mitten im Alltagsleben und hatten den Logenplatz beim Event der Woche – ein Kindergeburtstag, den das halbe Dorf lautstark mit viel Amore, Pizza und Pommes feierte.

Auch in Acciaroli ging es geruhsam zu: zwei Bars unter Olivenbäumen, ein paar schaukelnde Fischerboote, ein menschenleerer Strand. Hier blieb Literatur-Nobelpreisträger Ernest Hemingway Anfang der 1950er-Jahre ein paar Monate hängen und fand angeblich Inspiration für sein Meisterwerk Der alte Mann und das Meer. Aber das ist vielleicht auch nur eine Legende.

2 Ein hübscher kleiner Badeort: Santa Maria di Castellabate

Ein bisschen altmodisch und sehr gemütlich ist Santa Maria di Castellabate – zumindest in der Nebensaison –, wo wir die nächsten Tage verbrachten. Er gibt eine Fußgängerzone mit Eisdielen, Bars und ein paar Boutiquen, aber das Urlauberleben spielt sich vor allem in der ersten Reihe am Wasser ab. Die Strandpromenade ist die Bühne zum Sehen und Gesehenwerden.

Roter Fiat 500 im Stadtzentrum von Santa Maria

Ende September waren die Italiener längst abgereist, ein paar versprengte internationale Touristen und ein paar Einheimische trafen sich in der Bar Jonathan, um beim Aperitivo (5 Euro für Wein mit Oliven, Keksen, Chips und mehr!) das Ereignis des Abends zu zelebrieren – den Sonnenuntergang. Und der war bombastisch. Wer keinen Platz an einem der sechs Tische fand, hockte sich mit seinem Drink einfach auf die Mauer.

Ein Spaziergang führt von der Altstadt bis nach San Marco, zum kleinen Fischerhafen der Gemeinde. Dort beginnt die Wanderung zum Punto Licosa, die wir leider nicht mehr untergebracht haben. Zu beiden Seiten der Altstadt von Santa Maria gibt es außerdem sehr passable Strände, an denen sich ein Lido – ein bewirtschafteter Strand mit Liegen, Strandbar und mehr – an den anderen reiht. Ende September wurden nach und nach die Liegen und Schirme bis zur nächsten Saison verpackt.

Restauranttipp: Ich liebe Strandbars, wo das Essen bei Meerblick und Meeresrauschen fast immer prima schmeckt. Wir kehrten an einem der letzten Septembertage in einer der wenigen noch geöffneten Strandbars ein, die sich als Volltreffer entpuppte: La Taratuga. Auf der Karte alle Strandbar-Klassiker wie frittura mista, aber auch ein paar besondere Gerichte. Ein Gedicht war der Meeresfrüchte-Aperitivo mit vier verschiedenen fischigen Vorspeisen.

Teller mit Vorspeisen

Übernachten in Santa Maria de Castellabate: Eine gute Adresse ist das Hotel Garden Riviera* mit Pool und Garten. Aber unbedingt ein Zimmer mit Meerblick buchen!

Bergdorf Castellabate

Santa Maria de Castellabate liegt zu Füßen des Bergdorfs Castellabate, das majestätisch auf einem Hügel thront. Wir wollten es unbedingt erwandern, was im Nachhinein keine gute Idee war, denn der Wanderweg führt hauptsächlich entlang der Straße. Morgens ohne Verkehr kein Problem, mittags rauschten uns die Autos nur so entgegen. Der Ort selbst hat Charme und eine Bar auf dem Dorfplatz, in der fast ausschließlich Einheimische beim Kaffee saßen, wirkte aber recht verlassen. Genial war der Blick vom Kastell auf die Küste, der an klaren Tagen bis nach Capri reicht.

Dorf an einem bewaldeten Hang

3 Griechische Tempel in Süditalien: der Archäologische Park von Paestum

Die Säulen der Antike glühten im Spätnachmittagslicht und Eidechsen huschten über die sonnengewärmten Steine. Und das Beste: Die Reisegruppen waren längst auf dem Weg zum Abendessen und wir hatten die Tempelstadt Paestum, die im Nordzipfel des Cilento liegt, fast für uns allein.

Im 7. Jahrhundert vor Christus ließen sich griechische Siedler hier nieder und gründeten Poseidonia. Der Ort lag strategisch günstig an der tyrrhenischen Küste, wurde wichtiger Handelsstützpunkt. An die Blütezeit erinnern die außergewöhnlich gut erhaltenen dorischen Tempel. Als der Stern von Magna Graecia sank, übernahmen gegen 400 vor Christus die Lukanier den Ort, als Paestum wurde man schließlich rund 100 Jahre später römische Kolonie. In der Spätantike zogen sich die Siedler zurück, weil der Fluß Sele versumpfte und die Malaria wütete. Gegen 1750 erst wurden die Tempel wiederentdeckt und Johann Wolfgang von Goethe besuchte sie auf seiner berühmten italienischen Reise 1787. Seit 1998 gehört Paestum zum UNESCO-Welterbe.

Griechischer Temple mit Pinien davor

Auf einem Hügel liegt der elegante kleine Athena-Tempel. Ein Stück weiter der Hera-Tempel mit seinen kräftigen Säulen, der wohl als erster erbaut wurde. Der dritte Tempel schließlich wird als Poseidon-Tempel bezeichnet, aber möglicherweise residierte hier Göttervater Zeus. Doch eigentlich ist die Zuordnung sekundär – der Besuch in Paestum ist eine kleine Zeitreise in die Antike mit erhabenen Heiligtümern inmitten der mediterranen Vegetation.

Die perfekte Ergänzung zum Besuch der Ausgrabungen: das Archäologische Museum mit Funden aus Stadt und Umgebung – darunter Statuen, Keramik, Alltagsgegenstände und bemalte Grabplatten wie die berühmte mit dem Taucher.

Archäologischer Park von Paestum, Via Magna Grecia, Capaccio Paestum; Öffnungszeiten: täglich 8-30–19.30 Uhr; Website. Sehr hilfreich ist die kostenlose App Paestum & Vela, die du im AppStore und im Google Play Store herunterladen kannst.

Die Heimat des Mozzarella de Bufala Campana

Bis in die 1950er-Jahre war die Ebene des Flusses Sele malariaverseucht. Erst als man die Sümpfe trockenlegte, konnte der Anbau von Tomaten, Auberginen und Artischocken beginnen. Der Schwemmsand ist aber auch ideales Terrain für Wasserbüffel. Die bulligen Nutztiere kannte ich nur aus Asien, wie sie nach Süditalien kamen, ist bis heute nicht gesichert. In den Provinzen Caserta und Salerno südlich von Neapel leben heute auf jeden Fall 90 Prozent aller Wasserbüffel Italiens. Sie liefern die fetthaltige Milch für den berühmten Mozzarella di bufala campana, der 1996 von der Europäischen Union das DOP-Gütesiegel für herkunftsgeschützte Lebensmittel erhielt. Er darf nur aus Büffelmilch aus den kampanischen Provinzen Caserta und Salerno produziert werden.

Früher weideten die Büffel wohl zwischen den Tempeln. Längst sind sie domestiziert und auf manchem Bauernhof kannst du Mozzarella probieren. Ich hatte vor mehr als 20 Jahren schon einmal die bekannte Büffelfarm Tenuta Vannulo besucht und schwelgte in romantischen Erinnerungen. In der Zwischenzeit hatte man natürlich expandiert. Ein paar Vorzeigebüffel grasten noch auf der Weide und standen im Stall, im Mittelpunkt des Hofes liegt die Produktionshalle und daneben eine riesige Verkostungshalle, die Platz für Reisegruppen bietet.

Die Qualität ist immer noch top, denn bei Tenuta Vannulo wird Mozzarella nach wie vor in Handarbeit und in Bioqualität erzeugt. Die Verkäuferinnen fischten dicke Mozarellaballen aus dem Wasser und drücken Ricotta in Formen. Italienische Familien rückten mit Kühltaschen an und kauften kiloweise. Natürlich haben wir auch Büffeljoghurt, Ricottatorte und Büffeleis probiert und Mozzarella fürs abendliche Picknick mitgenommen. Das Wow-Erlebnis von vor 20 Jahren blieb jedoch aus.

4 Die zerklüftete Küste von Kap Palinuro

Im Süden des Cilento zeigt sich die Küste von ihrer spektakulärsten Seite, und landschaftliches Highlight ist das Kap Palinuro. Palinuro selbst ist ein typischer Ferienort an der Küste, der im August vermutlich aus allen Nähten platzt – sonst gäbe es nicht so viele Strandbäder entlang der endlosen feinsandigen Strände. Ende September dämmerte Palinuro tiefenentspannt vor sich hin.

Bootstour entlang der Küste

Im Hafen buchten wir eine Bootstour ins Meeresschutzgebiet Costa degli Infreschi. Aus den Kalksteinfelsen entlang der Küste hat das Mittelmeer spektakuläre Grotten gewaschen. Auch an den Felsskulpturen und -fenstern müssen Wind und Wetter Jahrmillionen gearbeitet haben. Highlight ist die Grotta Azzurra (blaue Grotte), die durch das reflektierte Sonnenlicht so überirdisch blau schimmert wie das Pendant in Capri. Nur stehen hier keine Boote im Stau. Unterwegs ließ Skipper Antonio die Leiter ins Wasser und wir schwammen ein paar Runden im glasklaren Mittelmeer. Ein Träumchen!

Tipp: Die Bootstour am Kap Palinuro kannst du hier buchen*.

Übernachten in Palinuro: Im Hotel Santa Caterina* wohnst du superzentral und mit Meerblick.

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