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Inseltrips / Kanalinseln

Im Takt der Gezeiten: Highlights der Kanalinsel Jersey

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Zweimal am Tag verändert Jersey, die größte der Kanalinseln, ihr Gesicht. Der Grund ist ein Gezeitenunterschied der Superlative: Mit bis zu zwölf Metern Tidenhub zieht sich das Meer extrem zurück, und wo eben noch das Meer brandete, läuft man wenig später über den freigelegten Meeresboden. Bei Flut werden dagegen Burgen und Leuchttürme vor der Küste zu Inseln. Doch Jersey hat weit mehr zu bieten als das faszinierende Wechselspiel der Gezeiten. Warum lohnt sich eine Reise nach Jersey, und was solltest du unbedingt gesehen haben? Hier sind meine Highlights der Kanalinsel Jersey – inklusive Tipps zum Schlemmen und Übernachten. Ich weiß jedenfalls ganz sicher: Ich werde wiederkommen!

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Vor der Reise auf die Kanalinsel Jersey

Wo liegt Jersey überhaupt?

Die größte der Kanalinseln liegt im Ärmelkanal, nur 22 Kilometer vor der französischen Küste und 137 Kilometer südlich von England. Mit 120 Quadratkilometern ist Jersey gerade mal 14,5 Kilometer lang und 8 Kilometer breit. Bei Ebbe ist die Insel allerdings wegen des rekordverdächtigen Gezeitenunterschieds doppelt so groß.

Wem gehört die Insel?

Jersey gehört nicht zum Vereinigten Königreich, sondern ist Crown Dependency, eine selbstverwaltete Kronbesitzung. Staatsoberhaupt ist König Charles III. – aber als Herzog der Normandie. Die Insel hat ein eigenes Parlament, eigene Gesetze und ein eigenes Steuer- und Rechtssystem. Für Verteidigung und bestimmte Bereiche der Außenpolitik ist allerdings Großbritannien zuständig.

Geschenkartikel mit dem Porträt von König Charles III.
King Charles III. ist auf den Kanalinseln „Le Duk“, der Herzog

Wieviel Zeit für Jersey einplanen?

Jersey hat auf kleiner Fläche erstaunlich viel zu bieten. Wenn du nicht in Stress geraten willst, solltest du eine Woche auf der Insel einplanen, bevor du weiterhüpfst auf die ruhige Nachbarinsel Guernsey.

Die beste Reisezeit für Jersey

Ich war Anfang Mai auf Jersey bei durchwachsenem Wetter – Seeklima halt. Es gibt keine Garantie, dass du im Juli mehr Sonnenschein hast, aber ganz sicher ist es im Hochsommer deutlich voller, und die Hotelpreise gehen steil nach oben. Deshalb ein Plädoyer für die Nebensaison. Ein kleines Aber: Beim nächsten Besuch komme ich erst Ende Mai oder Anfang Juni, wenn die Busse nach Sommerfahrplan – deutlich häufiger! – unterwegs sind.

Übernachten auf Jersey

Ich wollte am Meer wohnen und möglichst zentral in der Nähe zu einer Busstation, denn ich habe Jersey mit den Inselbussen erkundet. Meist musst du für Hotels, die beides bieten, viel Geld zahlen. Und Jersey ist sowieso keine Billigreisedestinaton. Das Hotel de Normandie* in Havre des Pas (Ortsteil von St Helier) – ein bisschen in die Jahre gekommen, aber mit nettem Service und Zimmern mit Meerblick – war für mich ein Glücksfall. Es ist keine Fotoschönheit, und der Hausstrand gewinnt ebenfalls keinen Schönheitspreis. Aber es gibt ein paar nette Lokale in der Nähe sowie ein wunderbar nostalgisches Schwimmbad – Havre des Pas Bathing Pool – , und die Bushaltestelle liegt direkt vor der Hoteltür.

Ein guter Standort ist auch St. Aubin, und mehr Komfort als das Normandie bietet das charmante Hotel Old Courthouse* in einem historischen Gebäude mit Pub und Hafenblick. Ein echtes Grand Hotel der alten Schule ist Hotel Sommerville* mit eleganten Zimmern und Pool (auf dem Foto das große weiße Gebäude oberhalb des Hafens). Wenn du auf Nähe zum Meer verzichten kannst, ist das Greenhills Country Hotel* im grünen Inselherzen eine prima Option.

Hafen mit Segelbooten und dahinter Hotels
Der Hafen von St. Aubin

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Sehenswürdigkeiten der Inselhaupststadt St. Helier

Als meine Fähre von der gemütlichen kleinen Nachbarinsel Guernsey im Hafen von St. Helier anlegte, war ich erstmal enttäuscht. Die Inselhauptstadt mit ihren gesichtlosen Geschäftshäusern wirkte unnahbar im Vergleich zum kuscheligen Küstenstädtchen St. Peter Port auf Guernsey. So richtig warm geworden bin ich auch in den nächsten Tagen nicht mit St. Helier, aber ich habe ein paar nette Ecken entdeckt. Den ein oder anderen Regentag kannst du hier prima verbringen.

Liberation Monument und Maritime Museum

Rund um den Liberation Square zwischen Hafen und Innenstadt liegen Restaurants und Bars. Und mitten auf dem Platz erinnert das Liberation Monument an die Befreiung der Kanalinseln im Mai 1945 nach Jahren der deutschen Besatzung.

Platz mit einem Denkmal, das den Tag der Befreiung auf Jersey zeigt
Ein Denkmal erinnert an die Befreiung nach deutscher Besatzung

Nicht weit entfernt liegt das sehenswerte Maritime Museum, das interaktiv von Schiffen und Seefahrern erzählt. Ein Highlight: der Liberation Tapestry, gestickt von Frauen aus Jersey, der an die dunkle Zeit der deutschen Besatzung erinnert. Zwölf Szenen schildern den Einmarsch der deutschen Truppen, den Zwang zu Deutschunterricht in den Schulen und andere Schikanen – bis zur Erlösung am Liberation Day, dem 9. Mai 1945.

Trutzburg im Hafen: Elizabeth Castle

Die Festung Elizabeth Castle, deren älteste Teile bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, thront imposant auf einer Gezeiteninsel. Aber ehrlich gesagt: Die Burg ist aus der Ferne imposanter als aus der Nähe. Überhaupt kein Vergleich zur Burg Mont Orgueil an der Ostküste (siehe dort). Am besten gefiel mir die Anreise mit dem Amphibienfahrzeug. Bei Ebbe erreichst du Elizabeth Castle auf einem Damm zu Fuß.

Markthallen und mehr: Shopping in St. Helier

Du kannst dich natürlich auch durch die Einkaufsstraßen treiben lassen. Britische Mode ist ein bisschen anders und gefällt mir ausgesprochen gut. Die Markthallen enttäuschten ein bisschen: Stände mit viel Schnickschnack und Kitsch und im Fischmarkt nur wenige Händler, deren Auslagen allerdings vielversprechend waren.

Highlights auf Jersey – die Top 3 Aktivitäten

Jersey Tidal Trail – Wandern mit Ausblick

Der Jersey Tidal Trail führt auf 77 Kilometern rund um die Insel. Der Name erinnert daran, dass die Gezeiten bei einigen Abstechern und Küstenpassagen eine wichtige Rolle spielen – die eigentliche Wanderung verläuft jedoch größtenteils oberhalb der Küste und mit spektakulären Ausblicken auf Klippen und Buchten.

Von Grosnez Castle nach Grève de Lecq

Ich bin von Grosnez Castle über Plémont Bay bis Grève de Lecq gelaufen. Eine tolle Wanderung, die nur gute zwei Stunden dauert, es aber in sich hat. Es geht stetig bergauf und bergab. Manches Mal habe ich geflucht, aber die Ausblicke und die Pausen zwischendurch und am Ende entschädigten für das Knacken in den morschen Knien.

Von Grosnez Castle, im 14. Jahrhundert sicher eine stolze Festung, stehen nur noch wenige Mauern. Die liegen aber spektakulär auf der äußersten Nordwestspitze Jerseys. Bestimmt ein toller Platz für den Sonnenuntergang. Ich steuerte bei Nieselregen auf den Küstenpfad zu.

Wanderpfad oberhalb der Küste
Wanderpfad entlang der Küste

Nach etwa einer Dreiviertelstunde erreichst du die Plémont Bay, eine der schönsten Buchten der Insel. Eingerahmt von hohen Klippen und mit Höhlen, die du bei Ebbe erkunden kannst. Oberhalb der Bucht lockt auch die erste Pause im Plémont Beach Café (Facebook). Mit süßen Sachen oder auch warmen Gerichten kannst du dich stärken und anschließen eine Badepause am Strand einlegen, bevor es wieder auf den Küstenpfad geht.

Blick auf eine Bucht mit Sandstrand
Plémont Bay

Schon aus der Ferne grüßen die Puffins –  eine Skulptur aus Stahl und Weidengeflecht, die zwei knutschende Papageitaucher zeigt. 4 Meter hoch! Sie ist Symbol für den Artenschutz und den Kampf gegen das Verschwinden der Papageitaucher aus der Region. Einst brüteten in der Bucht hunderte Paare, heute nur noch wenige. Schutzprojekte setzen sich für die Rückkehr der Tiere ein. Hoffentlich erfolgreich! Seit ich Papageitaucher auf Island gesehen habe, bin ich großer Fan der putzigen Tiere.

Dann Endspurt zur Bucht von Grève de Lecq. Ein beliebter Ort an der Küste mit einem schönen Strand und einer Bushaltestelle

Gastro-Tripp: Die Strandbude Ugly Oyster (Facebook) ist bekannt für frisches und köstlich zubereitetes Seafood. An warmen Sommerabenden stehst du hier sicher Schlange. Weil es regnerisch war, hatte ich die ganze Bude für mich allein. So stand mein Crab Sandwich mit Pommes und Salat fix auf dem Tisch, und wie auf Knopfdruck ließ sich auch die Sonne wieder blicken. Herrlich!

Wanderung über den Seeboden zum Seymour Tower

Wattwanderungen gibt es auch an der Nordsee, aber auf Jersey sind sie besonders, denn du spazierst im Südosten der Insel durch das größte Felswatt Europas. Auf rund 17,5 Quadratkilometern öffnet sich bei Ebbe eine faszinierende Landschaft aus Felsriffen, Sandbänken, Rinnen und Gezeitentümpeln, die sonst unter Wasser liegt. Lebensraum für eine erstaunliche Vielfalt an Meerestieren. Bei einem Tidenhub von rund 12 Metern ist das Meer tatsächlich kaum noch zu sehen, und Jersey ist plötzlich doppelt so groß. Dann bietet Trudie Trox ihre Wanderungen auf dem Meeresboden zum Seymour Tower an.

Mit Trudie hatte ich schon vor vielen Jahren zu tun, als sie noch Redakteurin bei einem Reiseführerverlag in München war und ich eine der Autorinnen. Seit vielen Jahren lebt sie auf Jersey und leitet mit ihrem Mann eine Agentur für Wandertouren. Am Treffpunkt verteilt Trudie Gummistiefel für unsere kleine Gruppe, denn Barfußwandern ist im Felswatt keine gute Idee.

Tipp: Die Touren sind schnell ausgebucht, du kannst das Ticket hier vorab buchen* und – wenn sich die Pläne ändern – bis 24 Stunden vorher stornieren.


Eine Wunderwelt auf dem Meeresboden: Muschelbänke, Riffe und Gezeitentümpel liegen vor unseren Füßen und zwischen den Felsen sitzen Napf- und Strandschnecken, Jakobsmuscheln, Herzmuscheln, Einsiedlerkrebse und Seeanemonen. Mit geschultem Auge findet Trudie unzählige kleine Schätze, an denen wir achtlos vorbeigelaufen wären. Auch viele verschiedene Tangarten entdecken wir: Blasentang zum Beispiel, aus dessen Blasen man eine Art Gel gewinnt, die die Haut mit Feuchtigkeit versorgt und auch noch Lichtschutzfaktor 15 bietet. Oder Kelp – ein Palmfarn, dessen Arme ganz hart werden. 


Dann liegt – fast zwei Kilometer vor der Küste – der Seymour Tower vor uns, ein quadratischer Granitturm, den die Jersyaner 1782 als Küstenbefestigung gegen die Franzosen errichteten. Wer sich rechtzeitig anmeldet, kann im Turm übernachten – sehr einfach und ohne fließendes Wasser, dafür mitten im Meer. Zurück geht es für uns vorbei an den Austernbänken, die ich am nächsten Tag mit Trudie genauer unter die Lupe nehmen werde.

Auf dem Oyster Trail

Der „Oyster Trail“ startet am gleichen Ausgangsort wie die Wattwanderung. Diesmal sind wir nur zu dritt unterwegs: ein Food-Journalist aus den Niederlanden, Trudie und ich. Bald schon überholen uns mehrere Traktoren, mit denen die Austernfarmer zu ihren Muschelsäcken brausen. Die Sicht ist wunderbar klar und reicht bis nach Mont Orgueil.

Wir spazieren durch die Austernfarmen und gleichzeitig durch ein Kapitel Jersey-Geschichte. Austern aß man auf der Insel wohl schon vor 6.000 Jahren, denn Schalen fand man im Grab von La Houge Bie. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich rund um Gorey eine regelrechte Austernindustrie: Zwischen 1810 und 1871 sollen rund zwei Milliarden Austern nach England exportiert worden sein. Der Raubbau hatte allerdings Folgen: Die Europäische Auster verschwand aus den Gewässern. Erst in den 1970er-Jahren wurde die Austernzucht mit der robusteren Pazifischen Felsenauster wiederbelebt. Heute profitieren die Muscheln vom ständigen Wechsel der Gezeiten und gedeihen in den nährstoffreichen Gewässern prächtig.


Austern sind nicht jedermanns Sache, auch bei mir dauerte es eine ganze Weile, bis ich Geschmack an den besonderen Muscheln fand. In der Bucht von Archachon (Frankreich) habe ich mich zum ersten Mal intensiver mit Austern beschäftigt, und seitdem greife ich gern zu – wenn sie frisch aus dem Meer kommen.

Gastro-Tipp: Nach der Austernwanderung darf probiert werden: Im Seymour Pub kosteten wir – wenige Schritte von den Austernbänken entfernt – frische Jersey-Austern, die wunderbar nach Meer schmecken.

Teller mit Austern
Frische Austern im Seymour Pub

Weite Highlights auf Jersey

Hafenflair in St. Aubin

In St. Aubin findest du noch den Charme eines Hafenortes, den St. Helier vermissen lässt. Der Hafen war einst Jerseys Tor zur Welt, denn von hier brachen seit dem 17. Jahrhundert die Fischer zu den Kabeljaugründen vor Neufundland auf – eine gefährliche Reise über den Atlantik, die aber für Wohlstand in der Heimat sorgte. Daran erinnern heute noch die alten Kaufmannshäuser und die kopfsteingepflasterten Gassen. Schön ist ein Spaziergang an der Hafenpromenade mit Blick auf die Bucht und das St. Aubin’s Fort, das seit dem 16. Jahrhundert den Hafen schützte. Und es gibt ein paar nette Lokale wie das lässige Bistro Salty Dog,

Kleiner Hafen mit Booten
Segelboote im Hafen von St. Aubin

Zwischen St Aubin und St Brelards Bay liegt eine Kirche, die einen Zwischenstopp lohnt: die St Matthew’s Church in Millbrook, die meist einfach Glass Church genannt wird. Ihren Innenraum gestaltete der französische Glaskünstler René Lalique 1934 mit milchig schimmernden Glasreliefs, gläsernen Engeln, einem monumentalen Glaskreuz und einem gläsernen Taufbecken. Ein Art-déco-Schätzchen.

Fast schon ein Seebad: St. Brelade’s Bay

St. Brelade’s Bay hat viele Zutaten eines klassischen Seebads: ein langer Strand, gesäumt von einer Palmenpromenade, an der sich Hotels, Cafés und Restaurants aneinanderreihen. Ein schöner Platz für Cream Tea oder Fish & Chips mit Meerblick im hellen, luftigen La Brise zum Beispiel. Bei Ebbe ist der Strand ein Ort für lange Spaziergänge, bei Flut kannst du baden oder Kajakfahren.

Weiter, langer Strand. Häuser im Hintergrund
Der endlos lange Sandstrand von St. Brelade’s Bay

Am südlichen Ende des Strandes stehen die Pfarrkirche St. Brelade und die mittelalterliche Fisherman’s Chapel mit bestens erhaltenen Fresken. Direkt vom Friedhof mit Gräbern unter alten Eichen schaust du auf den Strand. Zwei Welten in nächster Nachbarschaft.

Zeigefinger am Meer: der Leuchtturm von La Corbière

Wie ein weißer Wächter steht La Corbière auf einer kleinen Felseninsel vor Jerseys Südwestspitze. Der 1874 eröffnete Leuchtturm war der erste auf den Britischen Inseln, der aus Beton errichtet wurde. Bei Ebbe kannst du über den Damm bis zum Turm laufen. Aber nicht vergessen: Rechtzeitig auf den Rückweg machen! Doch schon allein der Blick vom Ufer ist ein Traum – vor allem bei wechselnden Lichtstimmungen.

Von der Bushaltestelle kannst du an der St. Ouen’s Bay entlang in den Norden weiterfahren. Der ewig lange Strand mit seinen wilden Wellen ist DER Treffpunkt für Surfer auf der Insel, und es gibt ein paar angesagte Adressen wie die El Tico Beach Catina mit Multikultiküche und Surfschule.

Leuchtturm auf einer Felseninsel
Der Leuchtturm von La Corbière auf einer Feldinsel

Am Ende der Bay bin ich ausgestiegen, um einem heißen Tipp zu einer Seafood-Bude zu folgen: Faulkner Fisheries in einem Bunker aus der Zeit der deutschen Besatzung, berühmt für frisches Meerestier mit Meerblick. Was ich vorab nicht gecheckt hatte – es gibt nur Außensitzenplätze, und bei unsicheren Wetterverhältnissen bleibt das Lokal geschlossen. Einer von vielen Gründen zum Wiederkommen!

Gorey und Castle Mont Orgueil 

Gorey ist ein Lieblingsort mit seinem kleinen Hafen, in dem Fischerboote schaukeln oder – gezeitenbedingt – im Schlamm fläzen. Cafés und Fischrestaurants ziehen sich an der Promenade entlang, die auch bei Einheimischen viele Fans haben. Über den Hafen wacht die postkartenschöne Burg Mont Orgueil – ein mittelalterlicher Koloss aus Granit, der den Jahrhunderten trotzte. Auf ausgetretenen Steintreppen steigst du Etage für Etage nach oben, genießt den Blick über Ort und Hafen und kannst dich in Gedanken ins Mittelalter beamen.

Gastro-Tipp: Im Restaurants des Mooring Hotels gibt es zwischen 17 und 18 Uhr täglich eine Oyster Happy Hour. Sehr angesagt außerdem: The Bass & Lobster mit regionaler Küche.

Auch die Ausstellungen in den Burgräumen zu historischen Hexenprozessen beispielsweise sind gut gemacht, und besonders gefiel mir das Hologramm der Queen in der Great Hall – eine Gemeinschaftsarbeit des Lichtkünstlers Chris Levine und des Holografie-Künstlers Rob Munday. Im Sommer, wenn die Familien anreisen, belebt sich die Burg mit Handwerkern, Musikern und Falknern.

Zu Besuch beim Adel: Samarès Manor

Samarès Manor ist bis heute der Sitz des Seigneur de Samarès. Die Seigneurs waren früher Grundherren eines der bedeutendsten Fiefs (Lehen) Jerseys und hatten im Mittelalter weitreichende Rechte über Land und Bewohner. Heute erinnert der Titel noch an das mittelalterliche Feudalsystem der Insel, politische Macht haben die Seigneurs längst nicht mehr. Weil der Unterhalt von Haus und Garten teuer ist, öffnet der heutige Besitzer Teile seines Anwesens für Besucher.

Das Herrenhaus geht aufs Mittelalter zurück, stammt in seiner heutigen Form vor allem im 18. und 19. Jahrhundert. Spannender als das Manor selbst sind die Gärten, die der Reeder Sir James Knott in den 1920er-Jahren anlegen ließ und die stetig erweitert wurden. Ein Schatz ist der japanische Garten, dazu kommen verschiedene Wasser- und Themengärten sowie ein beeindruckender Kräutergarten.

Gastro-Tipp: Nach dem Besuch des Gartens unbedingt im Tea Room einen Cream Tea genießen – oder die berühmten Jersey Royals mit Salat. Und keine Sorge: Die Möwen sind wohlerzogen und räumen die Reste erst ab, wenn die Gäste gegangen sind.

Schichten der Geschichte: La Hougue Bie

La Hougue Bie bei Grouville ist ein faszinierender Ort, an dem sich mehrere Schichten der Geschichte überlagern. Auf einem zwölf Meter hohen Erdhügel thront eine Doppelkapelle aus dem 16. Jahrhundert, doch die eigentliche Attraktion liegt darunter: ein 4000 bis 3500 Jahre altes Ganggrab aus der Jungsteinzeit. Gebückt geht es durch den schmalen, 18 Meter langen Gang in die Grabkammer – vermutlich ein Kultraum, in dem Zeremonien stattfanden und wichtige Mitglieder der Gemeinschaft bestattet wurden. Zur Tagundnachtgleiche fällt das Licht der aufgehenden Sonne bis in die Kammer und lässt den Stein am Ende des Ganges aufleuchten.

Auch die jüngere Geschichte ist präsent: Während der deutschen Besatzung Jerseys im Zweiten Weltkrieg entstand hier ein unterirdischer deutscher Kommandobunker. Eine Ausstellung erinnert dort an die Zwangsarbeiter aus ganz Europa.

Im kleinen Museum wartet eine weitere Attraktion: der größte je entdeckte keltische Münzschatz, den Sondengänger 2012 bei Grouville entdeckten. Rund 70.000 Münzen sowie Goldschmuck lagen rund 2000 Jahre verborgen im Boden. Ein netter Tea Room gehört auch zum Anwesen.

Jersey War Tunnels

Die Jersey War Tunnels erzählen eindrücklich die Geschichte der deutschen Besatzung Jerseys von 1940 bis 1945. Mehr als 1000 Meter Tunnel führen bis zu 50 Meter tief in den Fels – gebaut ab 1941 von mehr als 5000 Zwangsarbeitern aus ganz Europa, die unter unmenschlichen Bedingungen schufteten. Ursprünglich als unterirdische Lager- und Schutzanlage für deutsche Truppen angelegt, wurde der Komplex ab 1943 zu einem Notfallkrankenhaus mit Platz für bis zu 500 Patienten ausgebaut.

Heute führt eine multimediale Ausstellung durch die dunklen Gänge und erzählt vom Leben unter den Besatzern – von Lebensmittelknappheit und Angst, aber auch von Widerstand und mutigen Menschen, die Zwangsarbeiter versteckten. Und natürlich von der Befreiung, als Winston Churchill den historischen Satz sprach: „Our dear Channel Islands are free again.“

langer Tunnel
Die Jersey War Tunnels bieten Einblick in das Leben während der Besatzung

Ein Ort für bedrohte Tiere: Jersey Zoo

Zoos sind nicht meine Lieblingsplätze, darum war ich erstmal skeptisch. Aber der Jersey Zoo (früher Durrell Wildlife Park) gilt als Pionier des modernen Artenschutzes. Bereits 1958 wurde er vom bekannten britischen Naturforscher Gerald Durrell gegründet – mit dem Ziel hochgradig bedrohte Tierarten vor dem Aussterben zu retten, statt exotische Tiere auszustellen. Das klang spannend.

Zunächst war ich ziemlich frustriert, denn in der ersten halben Stunde sah ich kein einziges Tier. Du musst Geduld und Zeit mitbringen, denn die Gehege sind riesig und so gestaltet, dass sie den natürlichen Lebensräumen der Tiere nahekommen. Aber letztendlich habe ich doch noch ein paar der Stars gesehen wie die Flachlandgorillas oder die Orang-Utans.

Highlights der Kanalinsel Jersey – Reisetipps

Anreise nach Jersey

  • Flug: Von München fliegt die Lufthansa Group saisonal direkt nach Jersey, von Düsseldorf Eurowings in der Sommersaison einmal wöchentlich. In der Nebensaison kannst du von mehreren deutschen Flughäfen mit British Airways nach London fliegen und von dort weiter nach Jersey.
  • Fähre: Wenn du auf Flüge verzichten willst, kannst du mit dem Zug nach St. Malo/Frankreich reisen und von dort die Fähre nach St. Helier nehmen.

Unterwegs auf Jersey

  • Bus: Ich habe die Insel mit dem LibertyBus erkundet. Das Netz verbindet St. Helier mit praktisch allen Teilen der Insel und den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Für Besucher gibt es 1-, 2-, 3- und 7-Tage-Pässe. Die Tickets bekommst du an der Liberation Station in St. Helier oder über die LibertyBus-App. Hier geht es zum Fahrplan. Wichtig: Der Sommerfahrplan gilt vom 31.5.–31.10. Während dieser Zeit fahren die Busse wesentlich häufiger.
  • Fahrrad: Jersey lässt sich wunderbar mit dem Rad erkunden. Es gibt ein gut ausgeschildertes Radwegenetz und zahlreiche Green Lanes, auf denen Radler und Wanderer Vorfahrt haben, schlängeln sich durch die Landschaft. Ausleihen kannst du Räder unter anderem in St. Helier und St. Aubin, zum Beispiel bei Jersey Bike Hire.
  • Mietwagen: Wenn du so flexibel wie möglich sein möchtest, ist ein Mietwagen erste Wahl. Wissen musst du: Man fährt auf der linken Seite, und viele Straßen sind erschreckend schmal. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 40 mph (64 km/h), auf den verkehrsberuhigten Green Lanes sogar nur bei 15 mph. Mit Mietwagen solltest du unbedingt nach einem Hotel mit Parkplatz Ausschau halten.

Womit zahlt man auf Jersey?

Man zahlt mit dem Jersey-Pfund, das nur auf der Insel gültig ist. Es ist jedoch 1:1 an das Britische Pfund gekoppelt. Die britische Währung wird als Zahlungsmittel akzeptiert, im Königreich jedoch andersherum nicht das Jersey-Pfund.

Welche Sprache spricht man auf Jersey?

Die französischen Wurzeln sind bis heute unübersehbar. Im 19. Jahrhundert war Jèrriais, ein eigenständiger Dialekt des Normannischen, noch die meistgesprochene Sprache der Insel. Heute spricht man Englisch; Jèrriais beherrscht nur noch eine kleine Minderheit.

Jerseys kulinarische Schätze

Jersey überrascht kulinarisch durch das Zusammenspiel von frischen Produkten vom Land und aus dem Meer und französischer Küchenraffinesse.

  • Fisch und Meeresfrüchte: Wenn du Seafood magst, wirst du auf Jersey glücklich: Austern, Hummer, Krabben, Jakobsmuscheln und Miesmuscheln kommen fangfrisch auf den Teller, genauso wie Wolfsbarsch oder Makrele.
Krebse auf Marktstand
Seafood gehört zu den Delikatessen der Insel
  • Jersey Royals, die Kartoffeln von der Insel, genießen den Status einer geschützten geografischen Angabe (g.g.A.) wegen ihres besonderen nussigen Geschmacks. Das liegt an mineralreichen Böden und den salzigen Brisen vom Meer. Für noch mehr Aroma setzen einige Jersey-Bauern auf eine jahrhundertealte Tradition: Sie düngen die Felder mit angeschwemmtem Seetang.
Jersey Royals mit Salat und Tee
Jersey Royals sind mehr als nur Kartoffeln
  • Milchprodukte: Die Jersey Cows sind Ikonen, denn sie geben eine besonders wohlschmeckende und gehaltvolle Milch. Die wiederum sorgt dafür, dass Butter, Sahne und die berühmte Jersey Ice Cream Delikatessen sind.
  • Cider/Wein: Auf Apfelfarmen wird traditionell Cider hergestellt, inzwischen gibt es aber auch anständige Weine. Die kannst du auf dem La Mare Wine Estate probieren, was ich auf einen nächsten Besuch verschieben musste.
  • Black Butter: Der Name trügt: Die Inselspezialität ist keine Butter, sondern ein würziger Apfelaufstrich aus eingekochten Äpfeln, Cider, Zucker und Gewürzen. Gut als Brotaufstrich, aber auch zu Käse.

Offenlegung: Meine Recherchereise nach Jersey habe ich größtenteils selbst finanziert, für den kleinen Beitrag von Visit Jersey bedanke ich mich herzlich! Meine Meinung ist und bleibt sowieso meine eigene.

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