Menu
Städtereisen / Tschechien

Viel mehr als eine Bierstadt: ein Wochenende in Pilsen

tschechien pilsen architektur 77 von 1 1 |

Allein der Name Pilsner Urquell bringt Bierfans in aller Welt zum Schwärmen. Viele planen deshalb auf dem Weg nach Prag einen Brauereibesuch in Pilsen (tschechisch: Plzeň) ein. Schade eigentlich, denn die Stadt hat weit mehr zu bieten als Bier – Architektur aus mehreren Jahrhunderten, eine faszinierende Unterwelt und ein tolles Kulturleben zum Beispiel. Perfekt für einen gemütlichen Städtetrip. Pilsen überraschte mich ähnlich wie das rumänische Sibiu oder Kaunas in Litauen beispielsweise – eine Stadt in der zweiten Reihe, aber ganz sicher nicht zweite Wahl. Hier findest du meine Tipps für dein Wochenende in Pilsen.

Wo liegt Pilsen?

Die viertgrößte Stadt Tschechiens (188.000 Einwohner) liegt in Westböhmen, im Westen Tschechiens – rund 90 Kilometer südwestlich von Prag und nur etwa 80 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Beste Voraussetzungen für einen Wochenendtrip.

Wieviel Zeit für Pilsen einplanen?

Die Stadt ist klein genug, um nicht in Stress zu geraten angesichts einer Überfülle an Sehenswertem, dennoch gibt es viel zu entdecken und jeder kommt auf seine Kosten – Fans von Kunst und Kultur genauso wie Genießer. Ein Wochenende ist ideal für Pilsen.

Vorschlag für ein Wochenende in Pilsen

Tag 1
Vormittag: Anreise
Nachmittag: Treiben lassen
Abends: Tschechische Küche in einem traditionellen Restaurant
Tag 2
Vormittag: Loos-Interieurs
Nachmittag: Brauereiführung
Abends: Theater und/oder Kneipentour
Tag 3
Vormittags: Synagoge und Tour durch den Untergrund der Stadt

Die beste Reisezeit für Pilsen

Ich war Ende Juli in Pilsen und es war heiß, trotzdem fand ich die Reisezeit perfekt. Das lag einerseits an den Besichtigungen unter der Erde – in der Brauerei und in den Tunneln, wo es wunderbar kühl war. Abends waren die Temperaturen angenehm, und ich genoss das sommerliche Leben in den Straßen. Aber sicher sind auch Frühjahr und Herbst prima für einen Städtetrip – zumal dann die Theater geöffnet sind.

Sehenswürdigkeiten für dein Wochenende in Pilsen

Rund um den Platz der Republik

Deinen Stadtspaziergang beginnst du am besten auf dem Náměstí Republiky (Platz der Republik), einem der größten historischen Marktplätze Mitteleuropas, den prächtige Bürgerhäuser aus mehreren Jahrhunderten einrahmen. Gebäude aus Renaissance, Barock, Historismus und Jugendstil spiegeln die verschiedenen Epochen der Stadtgeschichte wider – vom mittelalterlichen Handelszentrum bis zum rasanten industriellen Aufschwung im späten 19. Jahrhundert. Viele Fassaden bekamen ein Facelift für das große Jahr 2015, als Pilsen Europäische Kulturhauptstadt war.

Renaissance-Pracht: das Pilsner Rathaus

Ein Hingucker ist das Renaissance-Rathaus, auch wenn es im Vergleich zu den farbenfrohen Bürgerhäusern ringsum düster wirkt mit seinen erst Anfang des 20. Jahrhunderts angebrachten Sgraffiti, die böhmische Herrscher und das Stadtwappen zeigen. Im Untergeschoss, das frei zugänglich ist, findest du ein Modell der historischen Altstadt im Maßstab 1:200, das einen Eindruck vom mittelalterlichen Pilsen (noch mit Stadtmauern) vermittelt. Das Nachbarhaus war neun Monate lang Residenz des Heiligen Römischen Reiches, als Kaiser Rudolf II. 1599 vor der Pest aus Prag nach Pilsen floh. Tausende Höflinge und Beamte sorgten für Leben in de Stadt – und füllten die Kassen der Bürger.

Renaissancebau mit Sgraffiti-Technik in Schwarz-Weiß
Das Rathaus von Pilsen

Wolkenkratzer des Mittelalters: St. Bartholomäus

Die gotische St.-Bartholomäus-Kathedrale mit ihrem ungewöhnlich steil aufragenden Dach prägt den Platz der Republik seit der Gründung Pilsens 1295. Der Aufstieg auf den 102 Meter hohen Turm (der höchste Kirchturm Tschechiens!) über 301 Stufen lohnt sich bestimmt wegen des Panoramablicks über Stadt und Umland. Ermattet von Temperaturen knapp unter 40 Grad während meiner Reise, habe ich die Kühle im Kirchenschiff genossen. Interessanterweise ist St. Bartholomäus erst seit 1993 offiziell Kathedrale. Damals gründete Papst Johannes Paul II. nämlich das Bistum Pilsen und machte die Pfarrkirche zum Bischofssitz.

Im Inneren überrascht die Kirche mit schlichter Eleganz. Ein Netz- und Sterngewölbe spannt sich über die drei Schiffe und lenkt den Blick auf das kostbarste Kunstwerk: die Pilsener Madonna, die zu den „Schönen Madonnen“ der Hochgotik zählt.

St.-Bartholomäus-Kathedrale: Platz der Republik, Öffnungszeiten: Montag–Freitag 10–18 Uhr, Samstag/Sonntag 13–18 Uhr geöffnet. Der Turm kann täglich von 10–18.30 Uhr bestiegen werden.


Hinter der St.-Bartholomäus-Kathedrale ist ein kleiner Glücksbringer versteckt: Auf dem schmiedeeisernen Gitter einer Ölberg-Darstellung haben Passanten den Kopf eines Engels im Laufe der Zeit blank poliert. Der Legende nach erfüllt das Engelchen Wünsche oder bringt einfach Glück – deshalb streichen Einheimische im Vorbeigehen über den Engelskopf, und Besucher können ein bisschen Glück aus Pilsen mit nach Hause nehmen.

Gitter mit Engelsfiguren, eine davon abgegriffen und blank poliert
Engel als Glücksbringer hinter der Kathedrale

Tipp: Wer nicht die 300 Stufen zum Kirchturm erklimmen will, kann von der Dachterrasse des Hotel Central gegenüber den Ausblick auf den Platz genießen.

Blick auf den Platz der Republik von oben
Blick von oben auf den Platz der Republik

Die goldenen Brunnen von Pilsen

Einen spannenden Kontrast zur historischen Kulisse setzen seit 2010 die drei Brunnen aus vergoldeter Bronze, die der Prager Architekt Ondřej Císler auf den Platz der Republik pflanzte. Sie stellen Motive aus dem Stadtwappen da: Engel, Windhündin und Kamel. Weil der Künstler stark abstrahierte, brauchst du ein bisschen Fantasie, um die Motive zu erkennen.

Restaurants in Pilsen mit traditioneller Küche

  • U Salzmannů: Im ältesten Restaurant der Stadt gibt es seit 1637 deftige Küche und dazu das ungefilterte Pilsner Urquell, frisch gezapft natürlich. 
  • Na Parkánu: Direkt neben dem Brauereimuseum serviert ein weiterer Klassiker in der Restaurantlandschaft böhmische Küche mit modernem Twist. 

Beide sind Touristenlokale, aber keine Touristenfallen. Mir schmeckte es in beiden Lokalen ausgezeichnet. Und obwohl die Tschechen Fleisch über alles lieben, gab es (köstliche!) Optionen für Vegetarier.

Grünflächen statt Stadtmauer

Die Stadtmauern, die Pilsen gegen Angreifer schützten, verloren im 19. Jahrhundert ihre militärische Bedeutung. Mauern und Wälle wurden abgetragen, Gräben zugeschüttet und in eine Promenade nach dem Vorbild der Wiener Ringstraße umgewandelt. Alles eine Nummer kleiner natürlich. Die Ringanlagen sind heute Grünflächen mit jeweils eigenen Namen und unterschiedlichem Charakter, die grüne Oasen mitten in der Stadt sind.

Chillen am Mühlbach

Einer meiner Lieblingsplätze in Pilsen: der Mühlbach, der ganz in der Nähe meines Hotels lag. Er versorgte einst den herrschaftlichen Mühlbetrieb mit Wasser und war Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Anfang der 1920er-Jahre wurde er zugeschüttet, weil nutzlos. Erst 2010 entstand hier ein neuer Wasserort als Grünfläche mit künstlich angelegtem Teich, den das Wasser der Mže speist. Es gibt einen Kiosk zum Frühstücken, für ein Eis und den Feierabend-Drink. Einfach, unprätentiös und wunderbar.

Stadtidylle mit Bach und Kirchtürmen
Lieblingsplatz am Mühlbach

Ein paar Schritte weiter wurde an meinem ersten Abend in Pilsen eine Bühne für eine argentinische Musikgruppe aufgebaut, die Feierabendmusik zum Tanzen spielte. Für Drinks sorgte eine mobile Bar. Ein toller erster Eindruck vom lebendigen Kulturleben der Stadt.

Flanieren zwischen Smetana- und Kopeckého-Park

Besonders schön sind die Smetanovy sady, die mit ihren alten Platanen und Kastanien zu den beliebtesten Spazierwegen der Stadt zählen. An meinen Sommerabenden in Pilsen saß hier gefühlt die halbe Stadt in den Cafés und Restaurants oder einfach auf dem Rasen. Östlich schließen sich die Kopeckého sady und Křižíkovy sady an. Hier liegen bedeutende Gebäude Pilsens wie das Westböhmische Museum, die Große Synagoge (siehe unten), das Große Theater (siehe unten) oder Měšťanská beseda (Bürgerliches Vereinshaus) mit buntem Kulturprogramm und reichem Jugendstildekor. Außerdem ein paar bei Pilsenern sehr populäre Lokale.

Tipp: Der Komponist Bedřich Smetana, berühmt für seine sinfonische Dichtung Die Moldau, besuchte von 1840 bis 1843 das Gymnasium in Pilsen und komponierte hier seine ersten Klavierstücke. Daran erinnern eine Smetana-Statue im Park und der Smetana-Brunnen, aus dem mehrmals täglich Melodien seiner Werke erklingen.

tschechien pilsen smetana brunnen 89 von 1 |
Měšťanská beseda mit dem Smeatana-Brunnen davor

Orienttraum: Große Synagoge

Die Große Synagoge – die drittgrößte Europas! – ist nicht zu übersehen. Ein Juwel der maurisch-romanischen Architektur des 19. Jahrhunderts, die 1888 und 1893 nach Plänen des Wiener Architekten Emanuel Klotz erbaut wurde. Auch innen unbedingt sehenswert. Aber Achtung: Ich hatte nicht bedacht, dass sie freitags und samstags geschlossen ist. Den Besuch also rechtzeitig planen.

Große Synagoge: Sady Pětatřicátníků 35/11, Öffnungszeiten: Sonntag bis Donnerstag 10–17 Uhr

Synagoge mit zwei Zwiebeltürmen. Auf den Rasen davor sitzen viele Menschen.
Synagoge mit zwei Zwiebeltürmen in der Abenddämmerung. Auf den Rasen davor sitzen viele Menschen.
Eine der größten Synagogen weltweit liegt in Pilsen

Das Große Theater

Mitten in den Smetana-Gärten liegt das Große Theater, ein Neorenaissance-Bau, der 1902 mit Bedřich Smetanas Festoper „Libuše“ eröffnet wurde – ein bewusstes Bekenntnis zur tschechischen Kultur. Bis heute der Ort für Klassiker: Opern, Ballett und Schauspiel, aber auch Musical-Inszenierungen (Spielplan).

Hauptportal eines prunkvollen Theaters
Rückansicht des Theaters und Menschen auf dem Rasen davor
Das Große Theater

Neues Theater

Nur wenige Schritte entfernt setzt das Neue Theater einen architektonischen Kontrapunkt. Der Bau mit der löchrigen Fassade – von den Pilsenern „Emmentaler“ genannt – war bei der Eröffnung das erste neue Theater Tschechiens seit der Samtenen Revolution. Auf dem Spielplan steht ein Mix aus modernen Operninszenierungen, Musicals, Schauspiel, Tanztheater.

Angesagte Restaurants in Pilsen

Je länger der Abend, desto länger die Schlangen: Im Lokál Pod Divadlem (Bezručova 34) fließt Pilsner Urquell in Strömen. Dazu wird traditionelle böhmische Küche serviert. Die kleine feine Speisekarte ist nur auf Tschechisch, denn Touristen sind hier Mangelware. Es gibt vor dem Lokal ein paar Bierbänke, die meisten Gäste holen sich ein Bier und hocken sich ins Gras. Ein Erlebnis!

Gleich um die Ecke liegt ein weiteres angesagtes Lokal: das Pivstro Beer Bistro (Bezručova 185/31). Neben Bierklassikern kommen hier kreative Sorten aus den Zapfhahn, und die Küche ist international.

Menschen sitzen an Tischen eines bunten Lokals auf dem Gehsteig

Brauereiführung Pilsner Urquell

Wer Pilsen besucht, kommt an der Brauerei nicht vorbei, in der 1842 Biergeschichte geschrieben wurde. Durch das monumentale Jubiläumstor kommst du auf das weitläufige Werksgelände und steuerst auf das Besucherzentrum zu, wo die Biertouren beginnen.

Wie alles anfing: Die Pilsener Bürger hatten genug von ihrem schalen Bier und holten den bayerischen Braumeister Josef Groll nach Böhmen. Ihm gelang mit der Kombination aus weichem Pilsener Wasser, Saazer Hopfen, hellem Malz und einer langen, kalten Gärung der große Wurf: das Pilsner Urquell. Heute orientieren sich rund zwei Drittel aller weltweit gebrauten hellen Biere an der Pilsner Brauart. Kein Wunder, dass Bierliebhaber aus aller Welt zur Brauereiführung strömen.

Tipp: Die Brauereitour, die du unbedingt vorbuchen solltest, ist ein Muss für jeden Bierliebhaber. Aber interessant auch für Leute, die sich nichts aus Bier machen, denn sie erzählt ein entscheidendes Kapitel Pilsener Industriegeschichte. Hier geht es zur Buchung*.

*Affiliatewerbung: Links zu Partnerprogrammen. Wenn du etwas über diese Links buchst, erhalte ich eine kleine Provision, die mir hilft, die Kosten für den Blog (Technik & Hosting) zu stemmen. Für dich bleibt der Preis unverändert. Vielen Dank für deine Unterstützung!

Oberer Teil eines prunkvollen Tors zur Brauerei
Wie ein Triumphbogen: das Tor zur Brauerei

Ein Shuttlebus bringt die Besucher zunächst über das riesige Brauereigelände zur modernen Abfüllanlage. Von einer Besucherplattform kannst du beobachten, wie bis zu 60.000 Flaschen pro Stunde vollautomatisch befüllt, etikettiert und für den Versand vorbereitet werden. Weiter geht es mit dem größten Personenaufzug Tschechiens, der 72 Personen fasst, ins Museum und weiter ins historische Sudhaus und moderne Sudhaus. In beiden stehen glänzende Kupferkessel, und in letzterem liegt das Aroma von Malz und Hopfen in der Luft.

Historische Sudkessel
Stationen der Brauereibesichtigung zwischen Museum und Sudhaus

Mein Highlight war der Besuch in den weit verzweigten historischen Bierkellern, wo ein Teil der Vorräte noch heute in großen Eichenfässern nach traditioneller Methode reift. Zum krönenden Abschluss zapft der Braumeister jedem Besucher ein Glas unfiltriertes, naturtrübes Pilsner Urquell direkt aus dem Eichenfass. Und das war richtig gut!

Braumeister schenkt Bier vom Fass aus.
In den Kellern der Brauerei wird Bier gelagert und gezapft

Die Stadt unter der Stadt: Führung durch Pilsens unterirdischen Welten

Unter der Altstadt Pilsens verbirgt sich eine geheimnisvolle zweite Welt. Ab dem 13. Jahrhundert grub man ein Kellerlabyrinth in den Untergrund – zum Lagern von Lebensmitteln und Bier, als Wasserreservoir und in Kriegszeiten auch als Zufluchtsort für die Bevölkerung. Das Untergrundsystem wuchs nach und nach über mehrere Jahrhunderte, bis es stolze 20 Kilometer umfasste und an manchen Stellen über drei Ebenen in die Tiefe reichte.


Heute ist Pilsens Unterwelt eine Attraktion für Besucher. Ein etwa einstündiger Rundgang führt durch einen kleinen Teil der weit verzweigten Tunnellandschaft. Vor allem bist du in der zweiten Etage unterwegs, denn die oberen Kellergewölbe werden teilweise noch immer von Privatleuten oder Restaurants als Keller genutzt, während tiefere Bereiche aus Sicherheitsgründen verschlossen sind. 

Es geht im Gänsemarsch durch enge, niedrige Gänge, und Schutzhelme verhindern Kopfbeulen. Zu sehen gibt es einige der 300 Brunnen, die die Wasserversorgung der Stadt sicherten. Dazu Vorratskammern, Vitrinen mit archäologischen Fundstücke – Keramik, Werkzeuge, Glasgefäße – und das rekonstruierte Wasserrad des Wasserwerks aus dem 16. Jahrhundert. Und weil du bis zu 12 Meter unter der Erde unterwegs bist, wo das ganze Jahr über 10 bis 12 Grad herrschen, ist der Besuch an heißen Sommertagen eine herrliche „Coolcation“. 

Wenn du keine deutschsprachige Führung erwischt – es gibt meist nur zwei pro Tag –, kannst du an einer tschechischen Tour teilnehmen und bekommst die Erklärungen über einen deutschsprachigen Audioguide auf dein Smartphone (Kopfhörer nicht vergessen).

Tipp: Die Führungen durch den Untergrund sind heiß begeht, deshalb rechtzeitig buchen*.

Ein Wegbereiter der Moderne: Loos-Interieurs

Der österreichische Architekt und Designer Adolf Loos (1870–1933) gilt als ein Wegbereiter der modernen Architektur und Innengestaltung – berühmt für seinen minimalistischen Stil. Ein frühes Beispiel ist das Café Museum in Wien, das ein Star unter den Kaffeehäusern in Wien ist. Zwischen 1907 und 1932 entwarf er in Pilsen 13 Innenräume, meist für wohlhabende jüdische Unternehmerfamilien. Ein Loos-Interieur war in bestimmten Kreisen angesagt. Die „Loos-Route“ ist heute ein Highlight für Kunstliebhaber, und vier Wohnungen bzw. Häuser kannst du im Rahmen von Führungen besichtigen (April bis Oktober, jeweils Freitag bis Sonntag und zusätzlich einmal unter der Woche). Sie finden meist auf Tschechisch statt, aber Begleittexte auf Deutsch und Englisch sind verfügbar.

Tipp: Tickets für die Loos-Führungen solltest du unbedingt frühzeitig buchen.

Porträt von Adolf Loos
Porträt von Adolf Loos

Die möglichen Besichtigungen:

  1. Wohnungen der Familien Vogl und Kraus (Startpunkt: Klatovská třída 10, Dauer: ca. 75 Minuten)
  2. Brummel-Haus (Husova 58, Dauer: ca. 90 Minuten)
  3. Semler-Residenz (Klatovská třída 110, Dauer: je nach Führung 75–110 Minuten).

Ich habe die Wohnungen der Familien Vogl und Kraus besichtigt, die in den Stil von Loos einführen. Die Möbel sind allerdings keine Originale. Das hat auch einen Vorteil: Du kannst dich in den berühmten „Knieschwimmer“ lümmeln und den Wohnkomfort testen. Mit Originalen bestückt ist das Brummel-Haus, das definitiv auf meiner Liste für den nächsten Besuch in Pilsen steht.

Tipp: Hier findest du weiterführende Artikel zu Adolf Loos.

Blick in die Wohnung der Krauses mit Schreibtisch und Sessel
Salon von Familie Kraus mit „Knieschwimmer“

Alte Fabrikhallen mit neuem Innenleben

Pilsen war seit dem 19. Jahrhundert ein industrielles Zentrum – und zwei neue Sehenswürdigkeiten zeigen, wie sich ehemalige Fabrik- und Betriebsgelände in neue Erlebnisorte verwandelten.

Depo2015

Das weitläufige Areal war zunächst Standort einer Zuckerfabrik und diente später mehr als hundert Jahre als Straßenbahn-, Busdepot der städtischen Verkehrsbetriebe. Im Kulturhauptstadtjahr 2015 wurde das Industriegelände in ein Kreativzentrum verwandelt. Heute finden im Depo2015 Konzerte, Designmärkte, Street-Food-Festivals, Ausstellungen und Theateraufführungen statt, Künstlerateliers und Start-up-Büros liegen Tür an Tür. Einfach mal ins Veranstaltungsprogramm schauen, bevor du dich auf den Weg machst.

Techmania Science Center

Neben Pilsner Urquell ist Skoda ein großer Name in Pilsen. Emil Škoda (1839–1900) war Maschinenbauingenieur und kaufte 1869 eine Maschinenfabrik in der Stadt. Hier entstand unter seiner Leitung einer der größten Industriekonzerne der Habsburgermonarchie. Produziert wurde ein Mix aus Maschinen für Brauereien und andere Betriebe, später Lokomotiven und auch Rüstungsgüter. Škoda-Autos allerdings wurden und werden im Hauptwerk in Mladá Boleslav sowie in Kvasiny und Vrchlabí gebaut. Sicher ist: Ohne Škoda wäre Pilsen kaum zu dem bedeutenden Industriezentrum geworden, das die Stadt bis heute als Zentrum des Maschinen- und Fahrzeugbaus ist.

In einer 1917 errichteten Produktionshalle des Škoda-Werks, die nicht mehr benötigt wurde, zog das Techmania Science Center ein. Es bietet Hunderte von interaktiven Experimentierstationen, ein 3D-Planetarium und mehr. Hier können Kinder (und natürlich auch Erwachsene) Wissenschaft spielerisch entdecken.

Fabrikhalle mit Eingang zum Museum
Techmania Science Center in einer ehemaligen Skoda-Produktionshalle

Ausflugstipp: Kloster Kladruby

Nur rund 30 Autominuten westlich von Pilsen liegt das ehemalige Benediktinerkloster Kladruby, das einen Abstecher auf der An- oder Abreise unbedingt lohnt. 1115 bereits wurde das Kloster gegründet, aber von Jan Blažej Santini-Aichel nach einem Brand Anfang des 18. Jahrhunderts im Stil der Barockgotik neu gestaltet. Du kannst das Kloster, in dem fleißig restauriert wird, nur im Rahmen von Führungen besuchen. Sie führen in rekonstruierte Mönchszellen und in die prächtige Kirche.

Riesige Klosterkirche mit zentralem Turm

Reisetipps für dein Wochenende in Pilsen

Wie kommst du nach Pilsen?

Mit dem Auto erreichst du Pilsen von München in etwa 3 bis 3,5 Stunden, von Nürnberg aus bist du ganze 2 Stunden unterwegs. Wenn du mit der Bahn anreisen möchtest, findest du Direktverbindungen ab München (6 Stunden) und Regensburg, ab Berlin musst du einmal umsteigen, bist aber ebenfalls in höchstens 6 Stunden in Pilsen.

Geld in Tschechien

Tschechien liegt zwar in der EU, nicht aber in der Euro-Zone. Du zahlst nach wie vor mit Tschechischen Kronen (1 Euro = 24,19 Kronen/August 2026). Ich habe keine Kronen gezogen und konnte überall problemlos mit Karte zahlen.

Rumkommen in Pilsen

Die Innenstadt kannst du problemlos zu Fuß erkunden. Wenige Attraktionen wie Depo15 oder Techmania liegen außerhalb. Du erreichst sie mit Bus oder Trambahn (ab 65 Jahren übrigens für EU-Bürger kostenlos) oder mit dem Leihfahrrad. Pilsen Bike hat mehrere Standorte in der Stadt.

Übernachten in Pilsen

Ich habe im Hotel Avenue Pallova 28* gewohnt, einem modernen Hotel mit stylischen Zimmern am Rande der Altstadt. Die Lage ist perfekt, um Pilsen zu Fuß zu erkunden. Auch eine gute Adresse für Autofahrer, denn es gibt eine Parkgarage. Falls du am liebsten mitten in der Altstadt wohnst, ist Hotel Rous* eine schöne Alternative.

Offenlegung: Ich habe Pilsen im Rahmen einer Pressereise besucht, es gab jedoch keine Vorgaben für die Berichterstattung.

Mehr tolle Städteziele

Noch keine Kommentare

    Kommentieren (deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)

    WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner