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Rundreisen / Rumänien

Faszinierende Bilderbibeln: Klöster in der Bukowina

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Unsere Rumänienreise hatte in Transsilvanien begonnen, wo der Tourismus längst angekommen ist. Nur wenige Fahrstunden entfernt wartete eine andere Welt. Im Nordosten Rumäniens, nahe der Grenze zur Republik Moldau und zur Ukraine, liegt die Bukowina – ein Landstrich mit sanften Hügeln, dichten Wäldern und stillen Dörfern. Vor allem kommen Besucher wegen der weltberühmten Klöster, die wie bunte Bilderbibeln in der Landschaft leuchten. Ihre Fresken erzählen von Himmel und Hölle, von Heiligen und Glaubensfeinden – und viele trotzen seit Jahrhunderten Wind und Wetter. Hier erfährst du, ob sich die weite Anreise lohnt und welche Klöster in der Bukowina am interessantesten sind.

Kurbad Borsec – auf dem Weg in die Bukowina

Du kannst die Strecke von Transsilvanien in die Bukovina an einem Tag bewältigen. Ein Bekannter schlug jedoch eine Zwischenübernachtung im Kurbad Borsec vor. Ein Ort, der Anfang des 20. Jahrhunderts einen Boom erlebte, dann aus der Mode kam. Viele der eleganten Gründerzeithotels sind heute romantisch verfallene Lost Places. Wie eh und je wird in Borsec jedoch das berühmteste Mineralwasser des Landes (Wikipedia) abfüllt. Und seit ein paar Jahren erwacht die Kleinstadt langsam wieder aus dem Dornröschenschlaf und umwirbt Wanderer und Wellnessfans.

Historische Hotels wie das Melik sind nach einem Facelift wieder schicke Adressen, und ein Spa-Hotel bringt ein neues Publikum in den Ort. Einheimische Rentner sitzen vor dem Minimarkt und spielen Karten, während Gäste im schicken Outdoor-Outfit die Hauptstraße auf und ab flanieren. In den Restaurants herrscht Skihütten-Atmosphäre, und tatsächlich ist Borsec im Winter ein beliebter Skiort. Meine Reisefreundin und ich fühlten uns ein bisschen „Lost in Translation“, denn wir sprechen weder Rumänisch noch Ungarisch, und unsere Fragen auf Englisch trafen meist auf ratlose Gesichter. Dennoch: Die besondere Atmosphäre des Ortes wirkte noch lange nach.

Tipp: Eine gute Adresse zum Übernachten in Borsec ist das stilvoll renovierte Hotel Melik. Zur Buchung*

Warum die Bukowina als Reiseziel lohnt

Hinter Borsec gewinnt die Landschaft an Dramatik. In unzähligen Kurven geht es über Passstraßen durch dichte Nadelwälder. Windschiefe Hütten kleben an den Hängen, archaisch wirken die verstreuten Dörfer mit ihren Holzhäusern und kunstvoll geschnitzten Toren, durch die hier und da noch Pferdefuhrwerke rattern. Blühende Kirschbäume, Schafherden auf den Weiden und unzählige Störche, die ihre Hälse aus den Nestern recken, die sie auf Dächern und Strommasten erbaut haben, prägen das Bild.

Die Bukowina gehörte lange zur Habsburgermonarchie und war ein Schmelztiegel von Rumänen, Ukrainern, Deutschen, Polen, Juden und anderen Bevölkerungsgruppen. Damals war die Region kein abgelegener Winkel Europas wie heute: Handel, Forstwirtschaft und die nahe Metropole Czernowitz sorgten für wirtschaftliche und kulturelle Impulse. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die historische Bukowina geteilt. Ihr nördlicher Teil mit Czernowitz fiel an die Sowjetunion und gehört heute zur Ukraine, während der Süden bei Rumänien blieb. Aus der rumänischen Bukowina wurde eine Randregion an der Grenze.

Viele junge Menschen wandern ab, weil es an Jobs fehlt – nach Bukarest oder gleich ins Ausland, erzählten uns die Alten traurig. Gleichzeitig entstehen in einigen Dörfern großzügige Neubauten mit dem Geld, das ihre Besitzer in Mitteleuropa verdient haben. Sie wirken wie Fremdkörper zwischen den historischen Häusern. Besucher kommen vor allem wegen der orthodoxen Klöster aus dem 15. und 16. Jahrhundert, von denen allein sieben zum UNESCO-Welterbe zählen. Innen wie außen sind sie mit Fresken bemalt – Bilderbibeln für die Menschen ihrer Zeit, die weder lesen noch schreiben konnten. Sie entstanden in einer Epoche, in der sich das Fürstentum Moldau gegen das Osmanische Reich behaupten musste. Auch von diesen Kämpfen erzählen die Fresken.

Tipp: Lieber die Klöster mit einem kompetenten Guide erkunden? Dann ist ein Tagesausflug zu den vier berühmtesten Bukowina-Klöster die Lösung. Zur Buchung*

Die interessantesten Klöster in der Bukowina

Acht Klöster in der Bukowina gehören zum UNESCO-Welterbe: Arbore, Humor, Moldovița, Pătrăuți, Probota, Suceava, Sucevița und Vorone. Wir haben sieben davon besucht. Hier sind meine Favoriten.

Kloster Voronet und das berühmte Blau

Die Reiseliteratur schwärmt in den höchsten Tönen von Kloster Voroneț mit seinen Fresken im leuchtenden „Voroneț-Blau“, dessen Farbintensität bis heute legendär ist. Zwar hat die Forschung die Rezeptur der Farben wohl weitgehend entschlüsselt, aber die erstaunliche Haltbarkeit gibt immer noch Rätsel auf. Bei unserem ersten Klosterbesuch in der Bukowina fanden wir mit Mühe einen Parkplatz. Es war Feiertag und die Besucher – fast ausschließlich Einheimische – drängten sich. Etwas fürs Seelenheil tun und gleichzeitig Spaß haben: Man kaufte an den Souvenirbuden mit religiösem Kitsch und Kinderspielzeug ein, aß eine Bratwurst, ließ die Kinder Pferdekutsche fahren. Wir waren ein bisschen verwirrt, weil wir Weltentrücktheit erwartet hatten. Stattdessen ein lebhafter Eindruck vom einheimischen Leben.

Pantoffeln mit traditionellen Stickereien an einem Souvenirstand

Schließlich waren wir ja wegen der Fresken gekommen, die natürlich ein Traum sind, auch wenn für die besondere Leuchtkraft des Blaus die Sonne fehlte. Berühmt ist vor allem die Westfassade von Kloster Voronet: Dort breitet sich das monumentale Jüngste Gericht über die gesamte Wand aus. Christus thront als Weltenrichter über allem, die Toten steigen aus ihren Gräbern, während die Verdammten der Hölle entgegentaumeln. An den anderen Fassaden erzählen der Stammbaum Jesse, Szenen aus dem Leben des heiligen Nikolaus oder vom Heiligen Georg, dem die Kirche geweiht ist. Herrlich, die Engel, die auf lokalen Musikinstrumenten spielen.

Westfassade mit dem Jüngsten Gericht

Kloster Humor und die fröhlichen Klosterfrauen

Viel ruhiger als Voronet erlebten wir Kloster Humor. Ein paar Schwestern hatten das Kloster 1991 nach dem Niedergang des Sozialismus wieder besiedelt. Zehn Klosterfrauen – zwischen 40 und 60 Jahre alt – leben hier heute. „Jesus ist für uns gestorben, Halleluja!“, schmettert uns Schwester Anna fröhlich entgegen. Eine zweite Schwester erklärt die Fresken der Klosterkirche, in denen neben Blautönen vor allem warme Rot- und Ockertöne beeindrucken. Auch hier Bilderbibeln voller Kraft und Schönheit. Ein Pfaffe im Ruhestand kommt zum Plaudern mit den Schwestern vorbei, scherzt auch mit uns und freut sich, dass ich aus München komme, wo er zwei Jahre lang gelebt hat.

Als wir schon gehen wollen, werden wir Zeuginnen eines merkwürdigen Spektakels: Eine Nonne läuft mehrmals um die Kirche und schlägt dabei mit einem Hammer auf einen langen Balken. Eine Tradition, die auf die Belagerung durch die Osmanen zurückgeht, erzählt man uns. Die Türken verboten das Läuten von Glocken, das man durch Schläge auf Holz- oder Metall ersetzte. Eine Tradition, die bewahrt wird.

Kloster Sucevita – Festung des Glaubens

Kloster Sucevița wirkt fast wie eine mittelalterliche Festung: Hinter hohen Mauern und Wehrtürmen versteckt sich eines der prachtvollsten bemalten Klöster der Bukowina.

Kloster Sucevita, umgeben von Mauern und Wehrtürmen. Davor eine großer Kirschgarten

Fast vollständig sind die Außenmalereien erhalten. Kein Wunder, dass es zu den meistbesuchten Klöstern zählt. Wir widmen uns erstmal dem kleinen Museum, das erstaunlicherweise große Schätze birgt: mittelalterliche Stickarbeiten, Ikonen, Handschriften. Besonders beeindruckend die prunkvoll bestickten Grabtücher zweier Fürstenbrüder und ein Epitaph aus dem 16. Jahrhundert, das mit Tausenden Perlen verziert ist. Schwester Veronica hütet die Schätze im Museum und erzählte, dass Sucevita – anders als die meisten Klöster – nie verlassen wurde. Heute leben noch 60 Frauen im Kloster, das offenbar keine Nachwuchssorgen kennt.

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Das berühmteste unter den Fresken ist die „Himmelsleiter“ oder „Leiter der Tugenden“, auf der die Seelen unter Mühen ins Paradies klettern. Die Teufel versuchen währenddessen sie wieder herunterzuzerren. Schade, dass ausgerechnet die Himmelsleiter bei unserem Besuch restauriert wurde und ich hinter dem Gerüst nur ein Detail fotografieren konnte.

Szene aus der Himmelsleiter mit Engeln

Doch natürlich gibt es unzählige anderen Fresken, die Bibelgeschichten erzählen.

Comicstipartig angeordnete Bibelszenen auf blauem Grund

Was für ein Glück, dass wir in Sucevita in Klosternähe übernachteten. Nachdem die Reisebusse abgefahren waren, entfaltete das Kloster seinen ganzen Zauber. Am Abend, als die Schwestern ihr Abendgebet sangen. Aber auch beim Gottesdienst am Sonntagmorgen, dem wir zusammen mit vielen Gläubige im Klostergarten folgten. Ein Eindruck davon, wie stark der orthodoxe Glaube bis heute verankert ist.

Kloster Sucevita mit Bemalung, Besuchern und Kirschzweig im Vordergrund

Die schwarze Keramik der Bukowina

Wenn du ein Souvenir suchst – im Dorf Marginea hat die schwarze Keramik eine jahrhundertealte Tradition. Heute gibt es noch eine Töpferei, wo du auch den Produktionsprozess anschauen kannst. Die Töpferware erhält ihre schwarze Farbe durch das Räuchern im rauchgefüllten Ofen am Ende des Brennvorgangs. Leider fand ich sie ausgesprochen unattraktiv. Aber das ist natürlich Geschmacksache.

Kloster Moldovita – hinter den sieben Hügeln

Auf dem Weg zum Kloster Moldovița windet sich die Straße durch Fichten- und Tannenwälder und an grünen Bergwiesen entlang zum Ciumârna-Pass. Verstreut liegen einzelne Höfe und Dörfer in der Landschaft. Der Blick wanderte über eine stille Landschaft, bevor wir uns weiter ins Tal schlängelten.

Blick vom Ciumârna-Pass auf die Hügel und Wälder der Bukowina

Die Klosterkirche von Moldovita stiftete 1532 Fürst Petru Rareș und ließ sie innen wie außen fast vollständig mit Fresken bemalen. Hier waren wir mit Schwester Tatiana verabredet, die uns zusammen mit einer deutschen Reisegruppe die Klosterschätze zeigte. Zuvor stimmte sie ihren Zeitplan noch schnell per Smartphone mit einer anderen Schwester ab. Dann erklärte sie souverän, charmant und in fließendem Deutsch nicht nur die Szenen auf den Fresken, sondern gleich die Heilsgeschichte in Kurzversion. Wieviele Details wären uns entgangen ohne Schwester Tatiana: Nie und nimmer hätten wir entdeckt, dass Maria auf der Flucht nach Ägypten hier auf einem Pferd statt auf einem Esel reitet, weil man in der Region Pferde züchtete.

Berühmt ist die monumentale Darstellung der Belagerung Konstantinopels an der Südwand: Sie erzählt zwar von einem historischen Sieg über Angreifer, war im 16. Jahrhundert aber zugleich eine kaum verhüllte Botschaft angesichts der Bedrohung durch das Osmanische Reich. Ebenfalls sehenswert: der Jessebaum und die warmen Farben der Fresken – viel Ocker, Goldgelb, Rottöne.

Fresko zeigt sehr detailliert die Belagerung von Konstantinopel

Trotz Schneetreiben Anfang Mai kennt die Klosterfrau kein Pardon mit ihrer Gruppe, bis alle Fresken an den Außenwänden erklärt sind.„Halleluja – bewahrt die Liebe im Herzen“, beendete sie ihre Führung. Die Augen der Zuhörer leuchteten und anschließend blühte das Geschäft mit Honig, Kräuterlikör und Ikonen im kleinen Klosterladen. Spiritualität und Tourismus gehen ganz selbstverständlich Hand in Hand, und die Einnahmen sichern das Überleben der Schwestern.

Übernachten in Sucevita – Casa Felicia

Viele Besucher der Bukovina übernachten in Gura Humorului, wo es eine ganze Reihe von Unterkünften gibt. Meiner Meinung nach ein recht trostloser Ort. Wir haben stattdessen in Sucevița übernachtet und haben in jeder Hinsicht einen Haupttreffer gelandet. Zum einen haben wie die Nähe zum Kloster genossen, zum anderen hatten wir die besten Gastgeber, die wir uns wünschen konnten.

Felicia und Trandafir betreiben seit 30 Jahren die kleine Pension Casa Felicia mit wenigen Zimmern in ihrem 100 Jahre alten Bukovina-Haus aus Holz und sind vollendete Gastgeber alter Schule. Nach dem Zusammenbruch des Sozialismus waren sie die ersten in der Region, die ihr Haus für Besucher öffneten. Die kamen zunächst aus dem eigenen Land oder aus Nachbarländern wie der Ukraine. Längst heißen sie Gäste aus aller Welt willkommen, die hier in die alte Bukovina-Welt eintauchen können.

Im Garten wachsen Kirschbäume, aus deren Früchten Felicia Konfitüre fürs Frühstück kocht. Glückliche Hühner liefern die Eier. In den Zimmern bunte Webteppiche auf dem Boden, Stickereien an den Wänden und Wärme, die aus dem Kachelofen kommt. Zum Abendessen, das zugebucht werden kann, tischt Felicia traditionelle Speisen der Region auf: Kohlrouladen, Schweinefleisch und Pilze, die sie im Wald sammelt und trocknet. Dazu vorzüglicher Rotwein aus Moldawien und als Nachspeise Schokokuchen mit getrockneten Früchten. Trandafir begleitet auf Wunsch Ausflüge und Wanderungen. Zur Buchung*

Pătrăuți – der Geheimtipp

Neben den bekannten Klöstern locken auch stille Perlen wie die kleine Klosterkirche von Pătrăuți, die 1487 von Ștefan cel Mare gegründet wurde und als eines der frühesten erhaltenen Beispiele des moldauischen Baustils gilt. Wir klopfen im modernen Klostergebäude und eine Schwester holt den großen Schlüssel, um die Tür zum Kirchlein zu öffnen, das klein und friedlich auf der Wiese steht. Was für ein Kontrast zu den Schilderungen grausamer Hinrichtungsmethoden! Berühmt außerdem die dramatische Kavalkade des Heiligen Kreuzes, die eine Reiterschar unter Führung des Erzengels Michael zeigt. 

Kleine Klosterkirche auf einer Wiese mit teilweise erhaltenem Fresko am Portal

Suceava – ein lebhafte Provinzstadt

Letzte Station war Suceava, die größte Stadt der Region, von wo aus wir nach Bukarest weiterreisten. Sicher keine Schönheit. Die ehemalige Hauptstadt des Fürstentums Moldau verlor im Kommunismus viel von ihrem historischen Gesicht, dafür genossen wir viel einheimisches Leben. Eine nette Ergänzung zu unserer Klöstertour: ein Besuch im Volkskundemuseum in einem historischen Gasthaus aus dem 17. Jahrhundert. Trachten, Stickereien, Möbel und Alltagsgegenstände waren liebevoll präsentiert und gaben einen Einblick in dia traditionelle Handwerkskunst der Bukowina.

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