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Italiens tiefer Süden: 5 Highlights in Kalabrien am Tyrrhenischen Meer

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Nach Apulien und dem Cilento war Kalabrien – Italiens Stiefelspitze – die nächste Station auf unserem großen Roadtrip durch Süditalien. Eine Region zwischen zwei Meeren, die vom internationalen Tourismus noch nicht so vereinnahmt ist wie Apulien beispielsweise und Ende September schon langsam für den Winterschlaf rüstete. Wir haben von Tropea und Scilla aus den Küstenstreifen am Tyrrhenischen Meer erkundet. Hier sind meine 5 Highlights in Kalabrien.

1 Pizzo Calabro – Thunfisch und Tartufo

Erste Station auf dem Weg vom Cilento nach Kalabrien war für uns Pizzo, das eher ein Dorf als eine Stadt ist und aussichtsreich auf einem steilen Tuffsteinvorsprung über dem Tyrrhenischen Meer liegt. Hier beginnt die Costa degli Dei (Küste der Götter), die sich rund 55 Kilometer an der Westküste Kalabriens entlangzieht und als einer der schönsten Küstenabschnitte Italiens gilt. Man lebte in Pizzo Jahrhunderte lang von der Fischerei, besonders vom Thunfischfang. Bekannt war Pizzo vor allem für eine traditionelle Fangmethode mit fest verankerten Netzen. Mit dem Rückgang der Thunfischbestände endete im 20. Jahrhundert eine Ära. Schwarz-Weiß-Fotos erinnern in einer Gasse an alte Traditionen, genauso wie die Tonnara (Thunfischfabrik) am Ende des Lungomare.

Heute lebt man vor allem vom Tourismus. An der höchsten Stelle des Ortes thront ein kleines Kastell, in dem Joachim Murat, ein Schwager Napoleons, 1815 gefangengehalten und hingerichtet wurde. Von der Altstadt führen steile Treppen zum Lungomare, zum Strand und zur hübschen Bucht Baia Seggiola, wo Fischerboote schaukeln. Der Ort selbst ist noch nicht auf Hochglanz poliert und gefiel uns gerade deshalb.

Im Zentrum liegt der quirlige Hauptplatz, die Piazza della Repubblica. Hier laden die Ape-Taxis ihre Fahrgäste ab, die um die Mittagszeit die Restaurants und vor allem die Eiscafés am Platz stürmen. Am Sonntagnachmittag der perfekte Ort, um italienisches Familienleben zu studieren. Oft waren – quer durch alle Gesellschaftsschichten – drei Generationen gemeinsam unterwegs, um ein tartufo zu genießen.

Tartufo di Pizzo

Tartufo ist DIE kulinarische Spezialität von Pizzo und in ganz Italien berühmt. Ein Eismacher aus dem Ort wollte Anfang der 1950er-Jahre ein Eis für einen besonderen Anlass kreieren, heißt es. Er formte Eisportionen zu einer Kugel und füllte sie mit Schokoladensauce. Der Klassiker besteht aus Haselnuss- und Schokoladeneis mit flüssigem Schokoladenkern und ist außen leicht mit Kakao bestäubt. Das Ganze ähnelt tatsächlich einem riesigen Schokotrüffel (ital. tartufo) – daher der Name. Bis heute wird das Tartufo in der traditionellen Gelateria Artigianale Bar Dante von Hand gefertigt.

Eisspezialität Tartufo in einer Schale

Die bekannteste Sehenswürdigkeit von Pizzo liegt außerhalb des historischen Zentrums und direkt am Meer: die Chiesa di Piedigrotta, eine in den Tuffstein gehauene Felsenkirche. Der Legende nach gerieten neapolitanische Seeleute im 17. Jahrhundert während eines Sturms in Seenot und gelobten, an der Stelle ihrer Rettung eine Kirche zu bauen. Sie schlugen sie direkt aus dem Fels. Im Laufe der Zeit wurde die Chiesa di Piedigrotta erweitert und von lokalen Künstlern ausgestaltet. Ein eindrucksvolles Beispiel für religiöse Volkskunst in Kalabrien.

2 Tropea – Badeort mit Felskulisse

Tropea ist zweifellos ein bildhübsches Städtchen in spektakulärer Lage. Die Altstadt balanciert auf einem Tuffsteinplateau hoch über dem Meer, und gegenüber thront auf einem freistehenden Felsen das Wahrzeichen der Stadt, das Santuario di Santa Maria dell’Isola. Der Besuch dort oben lohnt schon allein wegen der Aussicht. Zu beiden Seiten des Heiligtums liegen lange, feinsandige Strände. Rechts der kostenlose öffentliche Strand, links reihen sich mehrere Lidos (bewirtschaftete Strände) aneinander.

Kirche auf einem Felsen in Tropea, davor hoch aufragende Palmen

Die Kehrseite der Medaille: Tropea ist der Haupttouristenort Kalabriens und war auch in der Nebensaison noch ganz schön voll. Abends solltest du dir rechtzeitig einen Platz für den Sundowner in einer der Bars am Ende der Flaniermeile Corso Vittorio Emmanuele sichern. Von dort hast du Logenblick auf den Vulkan Stromboli, hinter dem die Sonne voller Drama versinkt. Der Aperol floss in Strömen, obwohl die Saison eigentlich schon vorbei war. Nicht auszudenken, was hier im Sommer los ist!

Kulinarische Spezialitäten des Ortes sind die Cipolla Rossa di Tropea, eine mild-süße rote Zwiebel, die sich in vielen Gerichten wiederfindet, sowie eine lokale Chili-Sorte, die für den Schärfekick sorgt.

Übernachten in Tropea

Wir wohnten in der Villa D’Aquino, ein paar Autominuten außerhalb des Ortes und sehr ruhig oberhalb von einem (Ende September) wenig besuchten Strand mit einem Lido für die Gäste des TUI Clubs nebenan und Liegestuhlverleih für andere Besucher. Eine kleine, sehr sympathische Hotelanlage mit Pool. Unbedingt Zimmer mit Terrasse oder Balkon wählen. Hier kannst du Zimmer buchen*.

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Der beliebteste Ausflug ab Tropea

Die Insel Stromboli mit dem gleichnamigen Vulkan erspähst du von Tropea aus – bei klarer Sicht zumindest – am Horizont. Kein Wunder, dass täglich Bootsausflüge nach Stromboli – in Kombination mit anderen Liparischen Inseln – starten. Inklusive ist meist die tägliche Feuershow des Stromboli nach Einbruch der Dunkelheit.

Tipp: Um eine Enttäuschung zu vermeiden, solltest du rechtzeitig deinen Ausflug zum Stromboli buchen*. Wie der Ausflug zu den Liparischen Inseln abläuft und ob er sich lohnt, erfährst du in meinem Artikel.

3 Karibikflair am Capo Vaticano

Neben Tropea gibt es entlang der Costa degli Dei natürlich noch weitere sehenswerte Orte wie Capo Vaticano, das zur Gemeinde Ricadi gehört und das wir auf der Weiterfahrt nach Scilla ansteuerten. Vom Leuchtturm am Kap aus glitzert das Meer türkisfarben und du blickt bis zur Straße von Messina, die das italienischen Festland von Sizilien trennt, und zu den Liparischen Inseln. Die langen weißen Sandstrände laden aber auch ein, ein paar Urlaubstage dort zu verbringen.

Tipp: Noch eindrucksvoller muss der Blick vom Meer auf die zerklüftete Küste sein. Wir bedauerten im Nachhinein, keine Bootstour am Capo Vaticano* eingeplant zu haben.

4 Scilla – mit Blick auf Sizilien

Ganz im Süden Kalabriens, an der Meerenge von Messina, ist Sizilien schon in Sichtweite. Unsere zweite Basis in Kalabrien war Scilla, ein kleiner Fischerort auf mehreren Etagen, der gleich unsere Herzen eroberte: Im unteren Stockwerk liegen Marina Grande mit Lungomare und Strand sowie das Fischerviertel Chianalea. Getrennt sind die Ortsteile durch den Felshügel mit dem Castello Ruffo. Im Obergeschoß Scillas liegt das Viertel San Giorgio, zu dem unzählige Stufen hinaufführen. Dort leben die meisten Bewohner der Stadt.

An der Felsklippe hauste laut Homer das Meeresungeheuer Skylla, das auf der Odyssee mehrere Seemänner verschlang, als sie betört vom Gesang der Sirenen und bedroht vom Strudel Charybdis durch die Meerenge zwischen Sizilien und dem Festland segelten. Das Ungeheuer wurde Namensgeber des Ortes, der aber ganz und gar nicht furchteinflößend wirkt.

Die drei Stadtviertel von Scilla

Die meisten Besucher – wie auch wir – mieten sich in Marina Grande ein. Am gepflegten Kieselstrand gibt es mehrere Lidos, aber auch öffentliche Abschnitte. Am 1. Oktober wurden fast alle Liegestühle in Windeseile abgeräumt, viele Beachbars waren schon geschlossen. In den drei noch geöffneten waren wir Stammgäste und liebten es bei einem Kaffee aufs Meer, auf Sizilien und aufs Kastell zu schauen.

Gastro-Tipp: Die angesagte Bar am Abend ist der Rocky Pub. Sehr empfehlenswert trotz des blöden Namens. Wir saßen auf Plastikstühlen im Kies bei frischem Weißwein und Schwertfisch-Sandwiches, der Spezialität des Ortes. Frische Schwerfische mit ihren gewaltigen „Schwertern“ findest du in den Fischläden in der Oberstadt.

Tisch in einem Strandkiosk mit einer Karaffe Wein und einem Sandwich

Das Fischerviertel Chianalea, durchzogen von schmalen Gassen, ist durch das Castello Ruffo von Marina Grande getrennt und eine andere Welt. Es gilt als eines der borghi più belli d’Italia (schönste Dörfer Italiens). Die Häuser sind teilweise unmittelbar ans Wasser gebaut, und die Boote parken direkt vor der Haustür. Viele einstige Wohnhäuser sind allerdings heute Restaurants mit Terrassen, die ins Meer ragen. Hübsch anzuschauen, aber leider oft Touristenfallen mit bescheidener Küche. Wieviele Fischer hier tatsächlich noch leben? Das Kastell lohnt allein wegen des großartigen Ausblicks den Aufstieg.

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Oberhalb der Küste spielt sich das einheimische Leben ab. Wenn du am Lungomare wohnst, führt der Weg über unzählige Stufen in die obere Etage von Scilla. Seit ein paar Jahren gibt es aber auch einen (kostenpflichtigen) Lift. Oben öffnet sich von der Piazza San Rocco ein großartiger Blick auf die Viertel am Meer und das Kastell.

Blick aus der oberen Etage von Scilla auf die Burg und den Fischerort
Blick aus der oberen Etage von Scilla auf den Strand am Abend

Restauranttipp: Im Pasta & Vita in der Oberstadt haben wir gut gegessen: Pasta mit Schwertfischsauce und vegetarische Involtini (Rouladen) nach Art des Hauses. Weniger gut als das Essen war der Service. Sobald der Teller leer gegessen war, wurde die Rechnung präsentiert und zum Gehen aufgefordert.

Übernachten in Scilla

Wir haben im kleinen Hotel Palazzo Krataiis in zweiter Reihe hinter dem Strand gewohnt. Super Lage, großes Zimmer, prima Frühstück, und einen Parkplatz gab es auch noch. Eine gute Wahl in Scilla. Hier kannst du das Hotel Palazzo Krataiis buchen*.

5 Reggio Calabria – Kulturhauptstadt des Südens

Die südlichste Stadt des italienischen Festlands, die mit rund 180.000 Einwohnern auch die größte Stadt Kalabriens ist, hatten wir gar nicht auf dem Plan. Erst als sich ein Regentag ankündigte, kamen wir auf die Idee, einen Museumsbesuch in Reggio einzuplanen. Im Nachhinein eine ziemlich gute Idee.

Fahrt nach Reggio Calabria: Viel entspannter als mit dem Auto kommst du mit dem Zug in einer halben Stunde nach Reggio. Die Züge verkehren stündlich, und das einfache Ticket kostet (2025) gerade mal 2,70 Euro. Während der gesamten Fahrt hast du Sizilien im Blick und passierst auch den Fährhafen nach Messina. Für den Ausstieg hast du die Wahl zwischen zwei Stationen – Lido oder Centrale. Wir sind in Centrale ausgestiegen und von Lido aus zurückgefahren. 

Sehenswürdigkeiten in Reggio Calabria

Von der Station Centrale läufst du in ein paar Minuten zum Corso Giuseppe Garibaldi, Reggios schicker, gepflegter Einkaufsstraße. Sie führt zur Piazza Duomo mit der Kathedrale, die allerdings kein Original ist, sondern nach dem verheerenden Erdeben 1908 wiederaufgebaut wurde.

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Die Innenstadt wurde damals fast komplett verwüstet. Relikte des Mittelalters sind die normannisch-byzantinische Chiesa degli Ottimani und das Castello Aragonese, die einander gegenüber liegen. Die Festung geht zurück auf die byzantinische Epoche zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert, unter dem spanischen König Ferdinand I. von Aragon wurde sie jedoch komplett umgestaltet und erhielt die zinnenbewehrten Rundtürme.

Dann steuerst du auf die Uferpromenade Lungomare Falcomatà zu, die wunderbar angelegt ist und von den Einheimischen stolz als „schönster Kilometer Italiens“ bezeichnet wird. Tatsächlich ist sie 1,7 Kilometer lang. Unterwegs gibt es riesige Feigenbäume, schicke Strandbäder, ein Amphitheater und moderne Kunst – wie die Installation „Opera“ von Edoardo Tresoldi, die 2020 eingeweiht wurde und aus 46 Säulen aus Drahtgeflecht besteht – zu bewundern.

Ein paar eindrucksvolle Villen, die nach dem großen Erdbeben entstanden, liegen ebenfalls an der Promenade: Palazzo Zani, Palazzo Spinelli und vor allem die elegante Villa Zerbi, die stilistisch Neogotik und orientalische Elemente mischt. Davor beeindrucken drei moderne Statuen – Trans-letterLabyrinthitis und Co-stell-action – der italienischen Künstlerin Rabadama (aka Paola Epifani).

Wenn du ein gutes Stück weiter Richtung Hafen läufst, erreichst du die Baustelle, wo seit Februar 2025 das Museo del Mare nach Plänen von Zaha Hadid entsteht. Mit massiver Unterstützung der EU, die 60 Millionen spendierte. Es soll 2029 fertiggestellt sein und ist dann sicher ein Grund für einen weiteren Besuch in Reggio Calabria. Ein bisschen spekuliert man bestimmt auf den Guggenheim-Effekt, der die nordspanische Industriestadt Bilbao vor 30 Jahren zum angesagten Städteziel machte. 

Plakat mit dem Modell des geplanten Meeresmuseums

Anschließend haben wir das Museo Nazionale della Magna Grecia angesteuert, das neben vielen anderen Schätzen einen der bedeutendsten archäologischen Funde Italiens zu bieten hat: die Bronzen von Riace – lebensgroße Statuen griechischer Krieger. Sie hatten 2000 Jahre auf dem Meeresboden geruht, als man sie 1972 entdeckte und sorgfältig restaurierte. Heute gehören sie zum UNESCO-Welterbe und sind in einem Hochsicherheitstrakt mit perfektem Klima ausgestellt. Nur 20 Leute dürfen die schönen Männer der Antike mit ihren knackigen Pos und intensiven Blicken gleichzeitig besuchen. Das Warten lohnt sich auf jeden Fall.

Nach dem Kulturgenuss gab es noch eine Erfrischung, für die wir ebenfalls Schlange stehen mussten. Aber auch hier war die Wartezeit gut investiert.

Gastro-Tipp: Vor der Traditionseisdiele Cesare, die seit mehr als 100 Jahren Gelato und Sorbets produziert, warten Einheimische wie Besucher geduldig. Das Eis ist wirklich Spitzenklasse. Besonders begehrte Sorten: Nocciola mit Haselnüssen aus dem Piemont, Pistazie mit sizilianischen Pistazien und Bergamotte aus den besonderen Zitrusfrüchten, die nur in Kalabrien gedeihen.

Highlights in Kalabrien – Reisetipps

Wie kommst du nach Kalabrien?

Der Flughafen Kalabriens, der von mehreren Orten in Deutschland angeflogen wird, ist Lamezia Terme. Er liegt rund 60 Kilometer von Tropea entfernt. Die Anreise mit Camper oder PKW aus Deutschland ist lang und führt über Neapel auf der Autobahn (E45) vorbei an Salerno, Cosenza, Lamezia Terme und Vibo Valentia.

Die beste Reisezeit für Kalabrien

Im Juli und August platzen die Badeorte aus allen Nähten, empfehlenswert sind September und Juni, wenn es weniger voll, aber auch schon beziehungsweise auch noch kuschelig warm ist. Anfang Oktober herrscht immer noch bestes Badewetter, aber die Liegestühle werden eingemottet für den Winter und viele Strandbars sind schon geschlossen. Wenn du mit Baden nichts am Hut hast, sind Mai und Oktober perfekte Reisemonate für Kalabrien.

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2 Kommentare

  • Pia
    31. Januar 2026 at 11:39

    Tolle Bilder!!

    Antwort
    • Elke
      31. Januar 2026 at 11:44

      Liebe Pia,
      freut mich, wenn sie dir gefallen :-)!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort

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