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Roadtrips / Neuseeland

Forgotten World Highway – ein Roadtrip durch ein Stück Good Old New Zealand

Der Forgotten World Highway stand schon lange auf meiner Wunschliste. Eine der abenteuerlichsten Straßen Neuseelands schlängelt sich 150 Kilometer zwischen Stratford und Taumarunui durch das King Country – durch unzählige Kurven, Schluchten, grüne Hügellandschaften. Genau das Richtige für alle, die mehr als nur die Klassiker auf Neuseelands Nordinsel abhaken wollen. Hier drängen sich garantiert keine Reisebussen, oft begegnet dir kilometerlang kein anderes Auto, denn vielen Reisenden ist die Region zu abgelegen. Und Einheimische nehmen die schnelleren Verbindungen ringsum. Eine Einladung zum Slow Travelling also. Zu entdecken: ein Stück Good Old New Zealand.

Hier erfährst du, was dich auf dem Forgotten World Highway erwartet und worauf du achten solltest, bevor du dich auf den Weg machst. Bestens verbinden lässt sich der kleine Roadtrip mit der Erkundung von New Plymouth und Mount Taranaki sowie der Region Waikato.

Gut zu wissen vor dem Start

Google Maps veranschlagt für die gesamt Strecke 2,5 Stunden. Ich war fast einen Tag von Stratford bis Taumarunui unterwegs. Die unzähligen Kurven verlangsamen das Tempo, und natürlich locken viele Plätze zum Anhalten und Schauen. Die schönsten Ausblicke liegen oft direkt hinter der nächsten Kurve. Deshalb auf jeden Fall reichlich Zeit zum Genießen einplanen. Und wichtig zu wissen: Es gibt keine Tankstellen unterwegs, also unbedingt volltanken, bevor es losgeht! Auch Einkaufsmöglichkeiten sind Mangelware, einkehren zum Lunch kann du nur im Whangamōmona Hotel, das ungefähr auf der Hälfte der Strecke liegt. Seit 2025 sind immerhin alle Abschnitte asphaltiert – aber in der Tangarakau Gorge ist die Straße nur einspurig.

Schild nach Taumarunui auf dem SH 43, der auch Forgotten World Highway genannt wird
Hinweisschild auf den Forgotten World Highway

Was sind die Highlights entlang des Forgotten World Highway?

Der Forgotten World Highway ist mehr als eine Straße von A nach B. Wenn du schnell vorankommen möchtest, fährst du besser eine andere Route. Die SH 43 führt durch ein Stück Neuseeland, das an Pioniertage erinnert, und größte Attraktion der Route ist die Landschaft. Schmal und kurvenreich verläuft der Weg über zahlreiche One-Lane-Bridges, durch wundersam gezackte Hügellandschaften, und du tauchst in tiefe Schluchten mit dichtem Regenwald ein. Von den so genannten „Saddles“ (Bergsattel) – Strathmore Saddle, Pohukura Saddle, Whangamōmona Saddle und Tahora Saddle – sowie vom Nevins Lookout hast du bei gutem Wetter einen grandiosen Weitblick – auf den Mount Taranaki zum Beispiel oder die fernen Feuerberge im Tongariro Nationalpark. Ein Erlebnis ist auch die einzige größere Siedlung unterwegs: die Republik Whangamōmona.

Eine Straße mit Geschichte

Der Forgotten World Highway trägt seinen Namen nicht ohne Grund. Er führt durch eine abgelegene Region des King Country, die Anfang des 20. Jahrhunderts erschlossen werden sollte. Damals hoffte die Regierung, dass sich Farmer in den bewaldeten Hügeln niederlassen würden. Straßen und Eisenbahn wurden gebaut, kleine Orte entstanden. Doch die Landwirtschaft erwies sich in dem steilen Gelände als schwierig, viele Bewohner zogen weiter, Dörfer blieben verwaist zurück. Heute eine der einsamsten Gegenden der Nordinsel – doch gerade das macht natürlich ihren Reiz aus.

Die schönsten Stopps auf dem Forgotten World Highway

Die Fahrt beginnt – nach dem Tanken! – in Stratford, einer kleinen Stadt am östlichen Rand des Egmont National Park, dessen Star Mount Taranaki ist.

Strathmore Saddle – Blick auf vier Vulkane

Nach etwa 30 Kilometern erreichst du den Strathmore Saddle, den ersten Gebirgssattel der Strecke. Er gehört zu den schönsten Aussichtspunkten entlang des Highways. Bei guter Sicht siehst du zur Linken den markanten Kegel des Mount Taranaki, zur Rechten die drei Vulkane im Tongariro-Nationalparks. Dazu war es auf meiner Tour zu dunstig, aber ich habe die vier Feuerberge ja schon oft genug gesehen.

Fifty Shades of Green: gezackte Hügellandschaft mit Pappeln am Forgotten World Highway
Klassisches „Back Country“ mit gezackten Hügeln
Parkendes Auto am Wegesrand vor grüner Hügellandschaft
Erster Stopp am Stratford Saddle

Pohokura Saddle – sanfte Hügel und einsame Farmen

Wenig später folgt der Pohokura Saddle. Die Aussicht reicht auch hier über endlose grüne Hügel, auf denen Schafe weiden. Eine friedliche Landschaft zum Durchatmen. Und um sich zu vergegenwärtigen, was für ein Kraftakt der Bau der Straße im 19. Jahrhundert war.

Willkommen in der Republik Whangamōmona

Auf halber Strecke liegt die kleine Siedlung Whangamōmona, wo im 19. Jahrhundert, als die Eisenbahn gebaut wurde, rund 1500 Menschen lebten. Heute sind es noch zwölf in Whangamōmona selbst, ein paar Hundert in der Region. 1989 erklärte sich der Ort aus Protest gegen Verwaltungsreformen kurzerhand zur Republik. Ganz erst zu nehmen ist das natürlich nicht, dennoch wird in der Republic of Whangamōmona alle zwei Jahre ein „Präsident“ gewählt, der durchaus schon mal ein Vierbeiner sein kann. Besuchern drückt man gegen eine kleine Spende im Whangamōmona Hotel einen Stempel in den Pass.

Das Hotel Wahngamamona aus der Pionierzeit mit parkenden Motorrädern davor
Whangamomona Hotel aus der Pionierzeit

Tipp: Ein Muss ist die Einkehr im Whangamōmona Hotel, wo du übernachten und auch erstaunlich gut essen kannst. Zumindest die Scones, die ich probierte, waren frisch gebacken und absolut köstlich. Ein bisschen kannst du dich hier wie im Wilden Westen fühlen, nur dass heute statt Pferden Motorräder vor der Tür parken. Als ich im März 2026 hier unterwegs war, stand das Hotel zum Verkauf. Die Besitzer möchten sich mehr um ihre Enkelkinder kümmern und suchen Nachfolger – bis Juni hatte sich leider noch niemand gefunden. Hoffentlich bleibt die Ikone am Highway erhalten!

Auf dem Heritage Walk lernst du die Geschichte des Ortes kennen: Ein Post Office (das 1988 schloss), zwei Kirchen, Metzger- und Bäckerladen erinnern an geschäftigere Zeiten. Es gibt aber wieder einen Laden: Bei „Dolly Grant“ verkauft Tracy hübsche Mode und Antiquitäten. Unbedingt vorbeischauen! Sie erzählt auch gern vom Leben in der einsamen Gegend. In der einzigen Schule weit und breit büffeln nur noch wenige Kinder. „Aber immerhin haben zwei Frauen einen Job als Schulbusfahrerinnen“, freute sich Tracy. Ein bisschen außerhalb liegt der Bahnhof, der seit ein paar Jahren wieder genutzt wird, wenn Rail Carts* (umgebaute Golf Carts) für Touristen auf der abenteuerlichen Strecke unterwegs sind.

Tahora Saddle – Eisenbahn und Māori-Geschichte

Hinter Whangamōmona wird die Landschaft noch rauer. Nach etwa 15 Kilometern erreichst du den Tahora Saddle, den letzten der drei großen Gebirgssättel. Von hier blickst du über bewaldete Täler, erkennst Teile der historischen Bahnstrecke und – mit etwas Ortskenntnis – sogar mehrere ehemalige Māori-Pā, befestigte Siedlungen auf den Hügelkuppen.

Moki Tunnel – das „Hobbit Hole“

Ein bisschen unheimlich war die Fahrt durch den Moki Tunnel – ein einspuriger Tunnel, den Arbeiter 1936 fast aus dem Fels kratzten. Wegen seiner engen Zufahrt wird er auch scherzhaft „Hobbit’s Hole“ genannt.

Moki Tunnel, der von Hand aus dem Fels geschlagen wurde
Fahrt durch den Moki Tunnel

Abstecher zu den Mount Damper Falls

Ein Abstecher zu den Mount Damper Falls lohnt unbedingt, finde ich, kostet aber eine Stunde Zeit inklusive einer kleinen Wanderung. Der zweithöchste Wasserfall der Nordinsel (74 Meter) ist zwar nur ein Strahl, aber die Landschaft ringsum ein Traum. Vom trockenen Grasland am Parkplatz tauchst du auf dem 20-minütigen Spaziergang direkt in den Farn-Dschungel ein. Aber Achtung: Der Weg führt über Farmland und ist jedes Jahr während der Lammzeit zeitweise gesperrt.

Tangarakau Gorge und Nevin’s Lookout

Ein landschaftlicher Genuss ist auch die Fahrt durch die spektakuläre Tangarakau Gorge. Steile, dicht bewachsene Felswände rücken dicht an die Fahrbahn heran, uralter Podocarp-Wald säumt die Straße. Die 12 Kilometer lange Strecke durch die Schlucht wurde 2025 als letzter Abschnitt des Highways asphaltiert, was die Durchfahrt angenehmer macht. Allerdings sind Teilstücke nur einspurig, was mich immer ein bisschen in Panik versetzt. Aber es ging alles gut, kein Auto kam mir entgegen.

Schlucht mit Fluss und Baumfarnen
Die Tangarakau Gorge mit uraltem neuseeländischem Regenwald

Auf dem letzten Teil der Strecke gab es dann wieder grüne Hügel ohne Ende, oft gesprenkelt mit Schafen.

Schafe, die sich in den grünen Hügeln verteilen

Meinen letzten Stopp machte ich an Nevin’s Lookout. Wenn du dir Zeit nimmst, auf einen der Hügel zu kraxeln (aber rücksichtsvoll, denn es ist Farmland), schweift der Blick über die endlosen Hügel des Forgotten World Highways und bei klarer Sicht bis zu den Vulkanen des Tongariro-Nationalparks.

Blick zum Tongariro-Nationalpark mit den Vulkanen im Hintergrund
Vom Aussichtshügel Blick auf die Vulkane des Tongariro-Nationalparks am Horizont

Ankunft in Taumarunui

Schließlich endet der Forgotten World Highway in Taumarunui, einer Kleinstadt am Zusammenfluss von Whanganui und Ongarue River. Dort habe ich übernachtet und bin am nächsten Tag in den Tongariro Nationalpark weitergefahren.

Unterkunft in Taumarunui: Am Ende des Highways habe ich im Inn at the Convent* sehr nett gewohnt. Ein tolles Frühstück ergänzte das gemütlich Zimmer.

Fazit: Lohnt sich der Forgotten World Highway?

Unbedingt, finde ich. Ein Mini-Roadtrip auf dem großen Roadtrip über Neuseelands Nordinsel. Auf der allerersten Neuseelandreise bleibt vielleicht keine Zeit für den Umweg, der doch ein bisschen Zeit erfordert. Umso mehr ein lohnender Abstecher für Fans und Wiederholer. Ähnlich wie der Roadtrip zum East Cape. Ich habe mich ein bisschen wie in einem Road Movie gefühlt und wie auf Zeitreise in die 1980er-Jahren, als ich ein Jahr auf der Nordinsel lebte. Ein verträumtes Stück Neuseeland für Nostalgiker.

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Die Autorin: Elke Homburg

Vor langer Zeit habe ich ein Jahr auf der Nordinsel Neuseelands gelebt – mit der Option auszuwandern. Die Sehnsucht nach dem alten Europa war damals stärker. Inzwischen bin ich zweimal im Jahr als Reiseleiterin im Südpazifik unterwegs und verlängere ab und zu, um neue Ecken Neuseelands zu erkunden – wie den Forgotten World Highway. Als Reisejournalistin schreibe ich in regelmäßig über mein Lieblingsland.

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