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Erfahrungsbericht Donauradweg: In 3 Tagen durch die Wachau nach Wien

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Mein Mann und ich lieben Radtouren und waren schon oft mehrere Tage am Stück mit unseren Rädern unterwegs. Mit dem Donauradweg, der zwischen Passau und Wien durch eine der großen Kulturlandschaften Europas führt, hatte ich schon seit Jahren geliebäugelt. Vor allem die Wachau mit ihren Kirchen, Klöstern, Weinbergen und Marillenhainen lockte. Eine Region für alle, die gern aktiv unterwegs sind, Kultur und gute Küche lieben. Perfekt für uns also!

Flussradwege mögen für sportliche Radler nicht spannend sein – ich mag sie, weil sie Jahrhunderte lang nicht nur Handelswege, sondern auch Kulturstraßen waren. Wie der Weserradweg zum Beispiel, den wir vor ein paar Jahren ausführlich erkundet haben. Weil wir nur wenige Urlaubstage hatten und Passau schon gut kannten, haben wir uns für eine Kurzvariante des Donauradwegs entschieden, die von Grein an der Donau in drei Etappen nach Wien führt. Im Anschluss haben wir uns noch einen Verlängerungstag in Wien gegönnt. Hier kommt mein Erfahrungsbericht Donauradweg durch die Wachau nach Wien. Inklusive Infos zu Sehenswürdigkeiten und mehr unterwegs.

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Der Donauradweg ist einer der längsten europäischen Fernradwege. Er verläuft von der Quelle in Donaueschingen bis zur Mündung ins Schwarze Meer (2.850 Kilometer) und berührt acht Länder. Der deutsche Teil allein umfasst etwa 600 Kilometer, der mit Abstand beliebteste Abschnitt aber führt von Passau durch die Wachau nach Wien (circa 320 Kilometer). Der Weg ist flach und eignet sich perfekt für Familien, Genussradler und Einsteiger. Wer weniger Zeit hat, kann abkürzen und beispielsweise von Grein nach Wien radeln.

Schild mit Hinweis zu den beiden Richtungen des Donauradwegs
Wegweiser Donauradweg

Die beste Reisezeit für den Donauradweg

Wir sind an Ostern, Anfang April, gestartet. Das hatte zwei Gründe: Zum einen wollten wir die Marillenblüte in der Wachau erleben. Zum anderen ist der Donauradweg heiß geliebt und wir hatten keine Lust auf Radlerstau im Sommer. Im Nachhinein eine gute Idee, zumal wir sonnige Tage erwischten und nicht nur die Marillenbäume wunderbar blühten. Aber natürlich wären auch Marillenknödel und frische Marillen, die meist ab Mitte Juli geerntet werden (Infoportal zur Wachauer Marille), verlockend gewesen. Oder die Zeit der Weinlese ab Ende September. Aber zu diesen Stoßzeiten musst du Radweg, Weinstuben und Cafés mit vielen Genießern teilen.

Donauradweg: Marillenblüte in der Wachau
Marillenblüten am Donauradweg im Frühjahr

Unterwegs auf dem Donauradweg mit Eurobike Radreisen

Natürlich kannst du die Radtaschen vollpacken, Tracks herunterladen, Unterkünfte buchen und losstarten. So machen wir es normalerweise. Die Organisation kostet allerdings auch viel Zeit – und manchmal auch Nerven. Deshalb hatte ich mir für unseren Kurztrip ein bisschen mehr Komfort gewünscht. Eine Fahrradreise, auf der uns ein Veranstalter die Organisation abnimmt und vor allem das Gepäck transportiert. Den perfekten Partner fanden wir mit Eurobike Radreisen, einem Reiseunternehmen mit 30jähriger Erfahrung. Im Angebot sind Touren in vielen europäischen Ländern auf vier verschiedenen Anspruchsniveaus – von leichten Routen für Einsteiger bis hin zu Touren für sportlich-ambitionierte Radler. Das Partnerunternehmen Eurohike Wanderreisen bietet eine große Vielfalt an Wanderreisen an.

Vorteile der Radreise mit EuroBike

  • Die Tour ist perfekt durchorganisiert. Schon einige Zeit vor dem Start unserer Radreise auf dem Donauradweg bekamen wir per E-Mail erste Reiseunterlagen inklusive der Liste der gebuchten Hotels. Außerdem hatten wir eine persönliche Ansprechpartnerin, die alle Fragen beantwortete. Zum Paket gehört ein Link zur Eurobike & Eurohike on Tour-App mit allen Infos zur Tour, die wir nur noch aufs Smartphone laden mussten. Herzstück ist der Track zur Tour, mit dem Verfahren quasi unmöglich ist. Man merkt, dass das Team sich bemüht hat, immer die aussichtsreichste und bequemste Strecke zu finden. Die Leihräder haben praktischerweise eine Halterung fürs Smartphone am Lenker. 
"Cockpit" des E-Bikes
Cockpit des E-Bikes von Eurobike
  • Die Unterkünfte sind natürlich vorgebucht – meist familiäre kleine Hotels, die auf Radler eingerichtet sind. Unsere Fahrräder konnten wir immer sicher in einer Garage abstellen.
  • Absolut genial: Der Gepäcktransport ist immer inklusive. Du stellst Koffer und Taschen morgens vor dem Start an der Rezeption ab, bei der Ankunft warten sie schon im nächsten Hotel auf dich. Ein Service, den wir sehr zu schätzen lernten.
Zwei Gepäckstücke stehen zum Transport bereit
Gepäck bereit zum Transport
  • Wer mag, macht die Tour mit dem eigenen Fahrrad. Optional kannst du ein Rad ausleihen – neben E-Bikes gibt es auch Kinderräder oder Gravelbikes, die alle vor der Reise komplett durchgecheckt werden. Dass es einen Pannen- und Notfall-Service von Eurobike gibt, ist eine Beruhigung, wenn du nicht fit im Reparieren von Rädern bist. Eine obligatorische Leihradversicherung schließlich komplettiert das Rundum-Sorglos-Paket.
  • Nach der Radreise sorgt Eurobike auf Wunsch für einen bequemen Rad- und Gästetransfer zurück zum Start.

Kurzvariante: Donauradweg von Grein bis Wien

Wenn du nicht acht Tage am Stück unterwegs sein möchtest oder erstmal testen möchtest, ob dir das Langstreckenradeln taugt, kannst du bei Eurobike auch die verkürzte 5-Tage-Tour von Grein bis Wien buchen. So wie wir. Perfekt für eine kurze Auszeit vom Alltag! Der Donauradweg in Österreich ist durchweg gut ausgeschildert, du kannst aber natürlich zwischen dem nördlichen und dem südlichen Uferweg wählen – oder auch mal wechseln, wo es Brücken oder Fähren gibt. EuroBike schlägt eine Route vor, auch mal Abstecher. Wir sind ihr fast immer gefolgt, haben hier und da aber auch variiert, wenn uns eine Sehenswürdigkeit am Wegesrand besonders reizte. Die Tagesetappen:

  • Etappe 1: Grein–Melk 65 Kilometer
  • Etappe 2: Melk–Tulln 85 Kilometer (normalerweise Melk-Traismauer 60 km)
  • Etappe 3: Trulln–Wien 45 Kilometer (normalerweise Traismauer–Wien 65 km)

Wieviel kostet die Radtour mit Eurobike auf dem Donauradweg?

Unsere Tour Donau-Radweg, Wachau mit 5 Tagen / 4 Nächten kostet je nach Saison ab EUR 529,- pro Person inklusive Frühstück und Gepäcktransport. Für ein Leihrad oder ein Einzelzimmer sowie den Rücktransport zum Start fallen Extrakosten an. Auch kannst du Hotels in unterschiedlichen Preiskategorien wählen.

10 % Freundschaftsrabatt für meine Leser

Auf alle Rad- und Wanderreisen von EuroBike Radreisen oder EuroHike Wanderreisen erhältst du mit dem Code KEKSE&KOFFER 10 Prozent Rabatt.

Um ihn zu bekommen, wählst eine der Wanderreisen bei Eurohike oder Radreisen bei Eurobike aus und fügst bei der Online-Buchung im letzten Buchungsschritt im Tab „Buchung“ unter „Sonstige Wünsche und Hinweise“ den Rabattcode KEKSE&KOFFER ein. Er ist gültig pro Person/Buchung auf den Grundpreis und nicht mit anderen Rabatten kombinierbar. Wichtig: Den Abzug siehst du beim Checkout noch nicht, erst bei der Bestätigung deiner Buchung wenige Tage später. Wenn du telefonisch buchst, teilst du den Rabattcode direkt dem Mitarbeiter mit.

Welches Fahrrad für den Donauradweg wählen?

Im Gegensatz zu meinem Mann, der das Sportler-Gen besitzt und auch knackige Steigungen ohne Motor locker bewältigt, bin ich Genussradlerin und habe mich für ein E-Bike entschieden. Zwar ist der Donauradweg meist flach, aber bei optionalen Abstechern zu Wallfahrtskirchen oder Burgen kommen doch ganz schön viele Höhenmeter zusammen. Und auch auf einer Etappe mit kräftigem Gegenwind war ich froh über die Unterstützung. Mein roter Flitzer wurde mit Radtasche vorne für Smartphone und Wertsachen und einer Radtasche hinten geliefert, in der ich Ladegerät, Regenzeug, Jacke und mehr verstauen konnte.

Leihfahrrad von EuroBike vor einem historischen Schifferhaus
Leihfahrrad von EuroBike

Tag 1: Anreise nach Grein

Ab München sind wir mit dem Auto gute drei Stunden bis zum Ausgangspunkt unserer Tour unterwegs. Der Landgasthof Winter in Ardegg, ein sympathischer Familienbetrieb, liegt 12 Kilometer von Grein entfernt. Jörg hat sein Fahrrad im Kofferraum, parkt das Auto am Bahnhof in Grein, wo wir nach der Tour wieder zur Heimreise starten werden, und kommt mit dem Fahrrad zum Hotel. Wenn alle Radler ein Leihfahrrad gebucht haben, kannst du einen Transfer zwischen Hotel und Bahnhof Grein buchen. Die schicke Filzmappe mit allen Infos zur Reise überreicht man uns an der Rezeption und wir schmökern schon mal ein bisschen, während wir das Frühlingswetter auf der Hotelterrasse bei Spargel und Grünem Veltliner genießen.

Tag 2: Donauradweg Etappe eins – Grein bis Melk

Nach einem gemütlichen Frühstück wartet mein Leihfahrrad schon auf mich, das sofort startklar ist. Gegen 9 Uhr brechen wir auf, um gegen 14 Uhr in Melk einzutreffen, wo wir eine Führung im Stift gebucht haben. Bei einer Strecke von 60 Kilometern kein Problem sein.

Radlerin mit E-Bike vor Hotel
Startklar für die erste Etappe des Donauradwegs

Gemütlich rollen wir die ersten Kilometer von Ardegg bis Grein, wo die Donau für Drama sorgt. Sie zwängt sich durch den Strudengau, ein enges Tal mit steil aufragenden Uferwänden. Der Name leitet sich von den Untiefen („Struden“) im Strom ab, die den Schiffern einst Sorgen bereiteten. Um eine sichere Durchfahrt zu garantieren, mussten sie hier Lotsen engagieren, die jeden Felsen und jeden Strudel in der Donau kannten.

Radlerin auf dem Donauradweg vor der Kulisse von Grein
Donauradweg bei Grein

Wir machen einen kurzen Abstecher nach Ybbs mit seinen bunten Bürgerhäusern. Darunter das historische Schiffsmeisterhaus. Der Schiffsmeister baute und organisierte große Daonauflotten – über Jahrhunderte ein wichtiger Mann im Städtchen. Das ehemalige Klosterspital ist auch heute wieder ein Krankenhaus. Davor wirbt ein Turm aus Fahrrädern fürs Fahrradmuseum mit historischen Fahrrädern, das aber auch zu einer Zeitreise durch die Geschichte des Fahrradfahrens einlädt. Eine passender Stopp für Radler. Dann geht es zum ersten Mal auf einer Brücke über die Donau.


Die Brücke führt über das beeindruckende Donaukraftwerk Ybbs-Persenbeug, das du auch besuchen kannst. Sein Bau in den 1950er-Jahren entschärfte den gefährlichen Streckenabschnitt durch Aufstau dauerhaft. Schiffe überwinden es durch zwei parallel liegende Schleusen. Wir haben Glück: Auf der Brücke können wir die Schiffsschleuse in Aktion erleben.

Schleuse am Kraftwerk, durch die ein Tanker geschleust wird
Schiffsschleuse des Donaukraftwerks Ybbs-Persenbeug

Den Donauradweg haben wir heute fast für uns allein und gleiten mit Rückenwind ganz entspannt dahin – herrlich! Weil das Zeitbudget heute großzügig ist, entscheiden wir uns für einen Schlenker: Drei Kilometer steil bergauf zur Wallfahrtskirche Maria Taferl. Ganz schön knackig! Beim Blick vom Kirchhof auf die Donau ist die Anstrengung aber schnell vergessen.

Melk, das Tor zur Wachau

Pünktlich gegen 14 Uhr laufen wir in Melk ein, dem Tor zur Wachau. Die Wachau, das Herzstück unserer Tour auf dem Donauradweg, ist eine rund 40 Kilometer lange Flusslandschaft zwischen Melk und Krems, die seit 2000 (wie auch Stift Melk) zum UNESCO-Welterbe zählt. Eine Region mit prima Klima für Wein und Obst. Majestätisch thront Stift Melk auf einem Felsen – eine der großartigsten Barockanlagen nicht nur Österreichs, die vom Geist der Gegenreformation erzählt.

Blick auf das Stift Krems, davor Radlerin mit E-Bike und alter Donauarm
Blick auf Stift Melk

Wir radeln durch die Stadt, die wegen des Osterlaufs im Feiermodus ist, parken unsere Räder in der Fahrradgarage des wunderbaren Hotel-Restaurants zur Post und spazieren zum Stift.

Stift Melk über dem gleichnamigen Ort
Stift Melk überragt die Stadt

Barocker geht’s nicht: Stift Melk

Seit fast 1000 Jahren leben auf dem Granitfelsen von Melk Benediktinermönche, seit 1089 genau, als Markgraf Leopold II. aus dem Geschlecht der Babenberger seinen Sitz nach Wien verlegte und Kirche und Burg den Mönchen schenkte. Ursprünglich lebten in Melk 99 Mönche, heute gehören noch 22 dem Stift an, die nach wie vor eine Schule betreiben. Das Stiftsgymnasium Melk ist eine der ältesten katholischen Privatschulen Österreichs. Ihr heutiges Gesicht bekam das Kloster ab 1700 zur Zeit der Gegenreformation. Ein glühendes Plädoyer für den Katholizismus in Stein. Details zur Geschichte findest du auf der Website.

Stift Melk auf einer Anhöhe
Stift Melk: Steinerner Triumph der Gegenreformation

Das Stift erstreckt sich über eine Hauptachse von 320 Metern und umfasst 497 Räume. Gigantisch! Dem Trakt der Mönche gegenüber liegt der Kaisertrakt, wo dieser mit Gefolge während seiner Besuche logierte. In den Räumlichkeiten ist heute das Stiftsmuseum untergebracht. Wir hatten eine Führung gebucht, die von vorne bis hinten großartig war und durch ein Kapitel österreichischer Geschichte, vorbei an zahlreichen Kunstwerken, führte.

Höhe des Stifts Melk
Sieben Innenhöfe besitzt Stift Melk

Das Meisterstück, die Stiftsbibliothek mit ihren 100.000 Büchern, wird restauriert und bis 2032 vermutlich nicht in ihrer vollen Schönheit zu bewundern sein. Aber allein das Gesamtensemble überwältigt, genauso wie die Kirche. Hast du übrigens Der Name der Rose von Umberto Eco gelesen oder die Verfilmung gesehen? Eco sicherte Stift Melk einen Platz in der Literaturgeschichte, denn Adson von Melk – eine der beiden fiktiven Hauptfiguren im Roman – stammt aus Melk.

Kirchenfassade des Stifts Melk
Portal der Stiftskirche

Die Eindrücke lassen wir im Barockgarten, der auch gespickt ist mit modernen modernen Kunstinstallationen, sacken. Bei einem „Verlängerten“ und Marillenkuchen im Café des Gartenpavillons. Vorfreude auf die Marillenbäume der Wachau morgen.

Barockgebäude in Rosa in einem Park

Weinprobe in der Wachau

Vor dem Abendessen im vorzüglichen Hotelrestaurant genießen wir im Hotel noch eine Weinprobe, die Bestandteil des Reiseprogramms ist, und testen die berühmtesten Weine der Region: einen Grünen Veltliner, einen Riesling und einen trocken ausgebauten Muskateller. Was für ein gelungener Einstieg in die Weinlandschaft der Wachau!

Zwei Weingläser und Weinflasche dahinter
Weinprobe im Hotel zur Post

Tag 3: Donauradweg Etappe zwei – durch die Wachau von Melk bis Tulln

Der zweite Tag unserer Tour auf dem Donauradweg ist auch der längste. Er führt 90 Kilometer von Melk bis Tulln. Auf der Eurobike-App ist die Strecke mit 59 Kilometern veranschlagt. Dummerweise war das geplante Hotel in Traismauer nicht verfügbar, so müssen wir heute 25 zusätzliche Kilometer zurücklegen. Dafür ist es dann morgen nicht mehr so weit bis Wien.

Die Wachau-Etappe ist von Anfang bis Ende traumhaft schön. Was für eine herrliche Kulturlandschaft! Weinberge und steile Felsklippen, auf denen Burgen thronen, hübsche Weindörfer mit Weinschenken, Marillenhaine, mittelalterliche Wehrkirchen und barocke Stifte säumen die Donauufer.

Zunächst radeln wir am Dunkelsteiner Wald entlang, einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete Mitteleuropas. Unterwegs grüßt Schloss Schönbühel auf einem markanten Donaufelsen – im 12. Jahrhundert als Wehrburg errichtet, bekam es 1819 ein Upgrade zum Schloss.

Schloss auf Felsen an der Donau
Radlerin vor Schloss an der Donau
Schloss Schönbühel an der Donau

Schon bald darauf die ersten Marillenblüten. Ich hatte inständig gehofft, dass wir rechtzeitig zur Marillenblüte vor Ort sind. Die Blütezeit ist kurz und richtet sich halt nicht nach dem Kalender, sondern nach dem Wetter. Über den Stand der Blüten informiert eine Webcam. Sehr fotogen liegen die Bäume direkt an der Donau. Wie immer beim Anblick von blühenden Bäumen bin ich komplett aus dem Häuschen und fotografiere, bis der Mann zur Weiterfahrt mahnt.

Burgen und Klöster der Wachau

Den Eurobike-Track verlassen wir kurzzeitig, weil ich unbedingt die Kartause Aggsbach besuchen will, die etwas abseits vom Donauradweg liegt. Ein Kloster, 1380 gegründet, das einen Kontrapunkt zu Melk setzt. Weil die schweigenden und betenden Kapuziner nicht den Ansprüchen des Reformkaisers Joseph II. genügten, wurde die Kartause 1782 geschlossen. Der kaiserliche Vertreter eines aufgeklärten Absolutismus ließ nur Klöster mit sozialer Funktion als gemeinnützig und schützenswert durchgehen – so Kloster Melk, das eine Schule betrieb, und Klöster, die sich Krankenpflege oder Seelsorge auf die Fahnen geschrieben hatten. Eine Revolution von oben quasi. Das hatten wir auf der Führung in Melk gelernt.

Fast protestantisch schlicht wirkt die Stiftskirche. Interessant ist das Museum, das von der Geschichte der Kartäuser und der Kartause Aggenstein im Besonderen erzählt. Und ein zauberhafter Ort ist der Meditationsgarten, in dem Pflanzenzimmer die zerstörten Mönchszellen und den großen Kreuzgang symbolisch wieder zum Leben erwecken. Ein Ort voller Stille und Schönheit, den wir ganz für uns allein haben.

Radler fährt in den Hof der Kartause

Die Burgruine Aggstein thront auf einem steil abfallenden Felsen hoch über der Donau. Eine von unzähligen Burgen entlang der Strecke, die seit dem Mittelalter den Schiffsweg überwachten. Hier hauste angeblich einst der Ritter Schreckenwald, der von den Donauschiffern Maut erpresste. Wer sie nicht zahlen wollte, musste auf einem balkonartigen Felsvorsprung der Burg, dem „Rosengärtlein“, verhungern. Oder er wählte den schnellen Tod durch Sprung in die Tiefe. Pest oder Cholera.

Die Auffahrt mit dem Rad wäre eine echte Herausforderung – 2,3 Kilometer mit Steigungen von bis zu 20 Prozent. Da die Zeit heute knapp ist, entscheiden wir uns dagegen. Auch der Blick von unten ist imposant – vor allem mit dem Marillenhain im Vordergrund.

Die Rollfähre Arnsdorf-Spitz

Am anderen Ufer taucht der Weinort Spitz auf, der von der Ruine Hinterstein bewacht wird. Darunter breitet sich die Altstadt mit einer mächtigen spätgotischen Wehrkirche aus. Da wir am „falschen“ Ufer der Donau gelandet sind, müssen wir wieder auf die andere Seite. Zurückfahren nach Melk? Glücklicherweise gibt es eine viel charmantere Lösung: die Rollfähre Arnsdorf-Spitz.

Burgruine hoch über der Donau
Ruine Hinterstein erhebt sich über dem Weinort Spitz

Ab Melk hat sich der Radweg gefüllt, in der Wachau sind auch Anfang April schon viele Radler unterwegs. An der Fähre warten bereits insgesamt etwa 20 Radler und zwei Autos auf die Überfahrt, die ein kleines Erlebnis für sich ist. Gehalten wird die Rollfähre von einem Tragseil, das sich 485 Meter quer über die Donau spannt. Die Fähre und das Tragseil sind durch ein sogenanntes Gierseil verbunden. Für den Antrieb braucht es keinen Motor, sondern nur die Strömung der Donau. Ein geniales Prinzip, das wir schon an der Weser kennengelernt hatten.


Nach wenigen Minuten sind wir im Winzerort Spitz und damit in der Weinlandschaft Wachau angekommen. Weingärten ziehen geometrische Muster durch die Hügellandschaft. Das muss im Herbst wunderbar aussehen. Jetzt setzen die Marillenbäume mit ihren weißen Blüten Akzente.

Wehrkirche über einem Winzerort, davor Marillenbäumen
Wehrkirche von Spitz und Marillenhaine am Ufer

Durch die Weinberge nach Dürnstein

Weiter geht es am Nordufer der Donau entlang – durch hübsche Weinorte wie Weißenburg mit seinen zahlreichen Weingütern, vorbei an Wehrkirchen und mit Blick auf Hänge mit Weinbergen am anderen Ufer.

Weingut mit Innenhof
Weinorte der Wachau

Dürnstein an der Donau

Dürnstein ist für die Wachau, was Rüdesheim für den Rhein ist. Eine Postkartenschönheit und deshalb ein bisschen zu heiß geliebt. Häuserzeilen aus Mittelalter, Renaissance und Barock werden bekrönt von der Burgruine Dürnstein. Da oben gab es einen berühmten Gefangenen: König Richard Löwenherz. der während eines Kreuzzuges Herzog Leopold beleidigt hatte. Auf der Rückreise in die Heimat nahm Leopold Löwenherz gefangen und hielt ihn auf Dürnstein gefangen. Hoffentlich hatte er wenigstens eine schöne Aussicht. Schon von weitem siehst du am Donauufer außerdem den berühmten blauen Turm von Stift Dürnstein.

Donaufer mit Blick auf Dürnstein
Blick auf Stift Dürnstein

In den Gassen dreht sich fast alles um Wein und Marillenprodukte. Eine Ausnahme: Bäckerei Schmidl, wo angeblich 1905 das Original Wachauer Laberl erfunden wurde, eine Semmel mit Stempel, auf die man sehr stolz ist. Es gibt aber auch ein schickes Schlosshotel und viele Weinlokale, in denen sich die Besucher drängen. Wenn es jetzt schon so voll ist, was ist hier bloß im Sommer los? Eine Bestätigung, dass wir die richtige Jahreszeit für unsere Tour von Grein nach Wien gewählt haben. Immerhin: In der Weinschenke Altes Presshaus finden wir einen Platz und essen vorzüglich.

Gasse im Winzerdorf Dürnstein

Das Stift Dürnstein, 1410 als Augustiner-Chorherrenstift gegründet, ließ Propst Hieronymus Übelbacher 300 Jahre später barock umgestalten. Wie Melk ein Zeugnis der Gegenreformation. Anders als Melk wurde Dürnstein 1788 durch Kaiser Joseph II. aufgehoben und ist heute reines Museum. Gern hätte ich Ausstellung und blaue Kirche angeschaut, aber wir sind schon spät dran. Aber ich war sicher nicht zum letzten Mal in der Wachau.

Spiegel zeigt fotografierende Frau vor dem Hintergrund des Stifts Dürnstein
Stift Dürnstein mit blauer Kirche

Weiter ging es durch die Weinberge nach Krems. Vom gegenüberliegenden Ufer grüßt Stift Göttweig, ein weiterer Barockpalast. Ein Kloster mit einem der höchstgelegenen Marillengärten in der Wachau, dem größten Barocktreppenhaus Österreichs und bestimmt einem tollen Panorama. Auch das sparen wir uns für die nächste Wachau-Reise auf.

Krems an der Donau, letzte Station in der Wachau

Auch Krems hätte ein bisschen mehr Zeit verdient. Die Stadt ist viel hübscher als vermutet mit ihrem historischen Häuserensemble und zahlreichen Kirchen. Kein Wunder, Krems war im Mittelalter eine wichtige Donau-Handelsmetropole. Man ist aber nicht in der Vergangenheit steckengeblieben, die Kunstmeile Krems bietet mit der Kunsthalle Krems, der Landesgalerie Niederösterreich und dem Karikaturmuseum spannende Architektur und ganz sicher auch interessante Ausstellungen.

Skulptur eines Mannes vor dem Karikaturmuseum in Krems

Endspurt bis Tulln

Hinter Krems beginnt das anstrengendste Stück der Tour, denn wir haben schon 60 Kilometer in den Beinen und lassen den Landschaftszauber der Wachau hinter uns. Die Donau wird breiter und breiter. Eine nette Einkehr in der Bärndorferhütte hält uns bei der Stange, und direkt dahinter liegt ein besonderer Ort österreichischer Geschichte. Das Kraftwerk Zwentendorf wurde als Atomkraftwerk errichtet, ging aber nie in Betrieb, weil Proteste der Bevölkerung das Kapitel Kernkraft in Österreich schon 1987 beendeten. Inzwischen wird hier tatsächlich Strom erzeugt – mit Sonnenenergie.

Gasthaus vor einem Kraftwerk
Radlerin auf dem Donauradweg
Vorletzte Etappe des Donauradwegs und Kraftwerk Zwentendorf

Am Spätnachmittag laufen wir in Tulln an der Donau ein und checken im Hotel Best Western Tulln ein, einem komfortablen Businesshotel, das nur ein paar Schritte von der Donau entfernt liegt. Die Gartenstadt Tulln ist bekannt als Geburtsort von Egon Schiele, der zu den Stars unter den österreichischen Malern der Moderne zählt. Viele seiner Werke sind im Museum Leopold in Wien ausgestellt, das auf meiner Wunschliste für unseren Verlängerungstag in Wien steht. Das Egon-Schiele-Museum in Tulln ist schon geschlossen bei unserer Ankunft, aber auf dem Egon-Schiele-Weg radeln wir zum Geburtshaus des Künstlers im Bahnhof, dessen Vorsteher der Vater war. Hier findest du ebenfalls eine kleine Ausstellung.

Bahnhof von Tulln
Geburtshaus von Egon Schiele

Eine Überraschung wartet an der Donau, wo die „Regentag“ vor Anker liegt. Auf dem Schiff lebte Friedensreich Dunkelbunt Regentag Hundertwasser, der weltbekannte Wiener Künstler, zehn Jahre lang. Es begleitete ihn auch 1975 in seine Wahlheimat Neuseeland. Anlässlich einer Ausstellung kam das Schiff nach Tulln, um zu bleiben. Leider kann es nur an wenigen Tagen im Jahr besichtigt werden.

Segelboot "Regentag" ankert an der Donau
Das Hundertwasser-Schiff Regentag

Tag 4: Donauradweg Etappe drei – von Tulln nach Wien

Der letzte Tag unserer Radtour beginnt gemütlich, hält aber noch ein paar Höhepunkte bereit. Wir radeln abseits der kanalisierten Donau vorbei an alten Flussarmen und durch zauberhafte Auenlandschaften. Wien rückt näher, und mehr und mehr Freizeitsportler kommen uns aus der Hauptstadt entgegen. Stift Klosterneuburg taucht am anderen Ufer auf und beeindruckt mit mächtigen Türmen und Kuppen. Wir kennen es schon, ein Besuch lässt sich aber problemlos in die Route einbauen. Du weichst einfach kurz vom Track ab in Richtung Klosterneuburg und kommst mit der Fähre wieder auf die andere Seite zurück.

Blick auf Stift Klosterneuburg am gegenüberliegenden Donauufer
Blick auf Stift Klosterneuburg

Die Donauinsel

Wir biegen ab auf die 21 Kilometer lange Donauinsel, die zwischen 1972 und 1988 als Maßnahme zum Hochwasserschutz angelegt wurde. Längst ist sie Freizeitparadies der Wiener mitten in der Donau – mit Stränden, Grillplätzen, Spielplätzen. Heute weht der Wind eisig, deshalb ist wenig los. Hübsch anzuschauen: der Kirschenhain zu Füßen eines Hügel mit weißer Kirche. Die Kirschbäume pflanzte im Frühjahr 2002 die japanische Künstlergruppe to the woods als Neuinterpretation eines traditionellen japanischen Gartens.

Donauinsel mit Kapelle auf einem Hügel, davor eine Kirschbaumallee
Kirschenhain auf der Donauinsel

Dann liegt die Donau City mit ihrer futuristischen Architektur vor uns – ein Stadtteil, der ab den späten 1980er-Jahren entstand. Das Donauufer mit dem Copa Beach wird seit ein paar Jahren neu gestaltet mit einem Mix aus Grün- und Sandflächen, Badeplattformen und kleinen Inseln auf der Donau. Hier vibriert im Sommer das Leben.

Finale in Wien

Ehe wir uns versehen, sind wir in Wien und rollen auf bestens ausgebauten Radwegen vorbei am Prater in die Innenstadt. Was für ein Gefühl, als wir plötzlich am Stephansdom stehen und staunend in die Höhe blicken.

Radlerin vor dem Stephansdom in Wien
Ankunft in Wien am Stephansdom

Es ist erst Mittag, noch ein bisschen früh für den Check-in im Hotel. Deshalb steuern wir ein Kaffeehaus an und genießen die Stärkung mit Mehlspeisen und Kaffee. Dann warten im stylischen Hotel MAXX by Steigenberger Vienna schon unsere Koffer. Wir tauschen das Radl-Outfit gegen das Stadt-Outfit, schnappen aber trotzdem wieder die Räder für eine Stadtrundfahrt mit dem Fahrrad.

Kaffee und Mehlspeisen auf dem Tisch eines Kaffeehauses in Wien
Mehlspeisen und Kaffee im Café Goldegg

Am Nachmittag und an unserem Verlängerungstag lassen wir uns durch Wien treiben: Zwischen Hofburg, Sezession, Karlskirche und Museumsquartier sind wir mit den Rädern unterwegs. Nur abends steigen wir um auf die U-Bahn und freuen uns, dass das Hotel verkehrsgünstig unweit der U-Bahn-Station Margaretengürtel liegt.

Denkmal von Maria Theresia vor dem Naturhistorischen Museum
Hof des Museumsquartiers von oben
Stadtrundfahrt mit dem Fahrrad

Tipp: Wenn du zum ersten Mal in Wien bist, ist eine geführte Stadttour zum Einstieg ideal. Hier sind ein paar Favoriten:

*Affiliatewerbung: Links zu Partnerprogrammen. Wenn du etwas über diese Links buchst, erhalte ich eine kleine Provision, die mir hilft, die Kosten für den Blog zu stemmen. Für dich bleibt der Preis unverändert. Vielen Dank für deine Unterstützung!

Natürlich bleibt Zeit für die ein oder andere kulinarische Pause mit vielen Stopps in Kaffeehäusern, dem legendären Gulasch am Abend im Kaffee Alt Wien und – Erinnerung an die Wachau – Eismarillenknödeln im wunderbar nostalgischen Eissalon Tichy.

Tag 5: Rückreise nach München

Mein Leihrad bleibt zurück in der Garage des Hotels in Wien. Für die Rückreise haben wir einen Zug über Linz nach Grein gebucht, mit dem die Fahrt insgesamt gute zwei Stunden dauert. Am Bahnhof in Grein wartet unser Auto für die Rückfahrt nach München. Wenn du keine Lust auf Bahnfahren hast, organisiert EuroBike gegen Gebühr auch einen Transfer zurück zum Ausgangsort der Reise.

Fazit unser Tour auf dem Donauradweg

Eine runde Sache war unsere kleine Auszeit auf dem Donauradweg zwischen Grein und Wien. Perfekt organisiert von EuroBike Radreisen. Eine tolle Streckenführung, schöne Hotels – und der großartige Gepäcktransport. Wir waren beide sehr angetan und haben auf der Website schon mal nach anderen Touren Ausschau gehalten.

Offenlegung: Wir wurden von EuroBike zur Tour auf dem Donauradweg eingeladen. Vielen Dank dafür! An die Einladung waren keine Bedingungen geknüpft und meine Meinung ist und bleibt sowieso meine eigene.

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4 Kommentare

  • travellingcarola
    21. April 2026 at 7:25

    Hach, Wachau zur Marillenblüte! Da werde ich richtig neidisch. Als Kind und Jugendliche war ich unzählige Male zu Besuch bei meiner Großmutter in Wien und später im Weinviertel. Die Wachau-Ausflüge gehörten immer zu meinen Highlights. Die alten Weinberge entlang der Donau sind schon etwas Besonderes. Deine Fotos und Beschreibungen haben sofort Erinnerungen geweckt. Vielleicht sollte ich das Ganze endlich mal mit dem Rad erleben! Jetzt habe ich übrigens Lust auf Marillenknödel.

    Liebe Grüße
    Carola

    Antwort
    • Elke
      21. April 2026 at 7:30

      Liebe Carola,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Freut mich, wenn ich schöne Kindheitserinnerungen geweckt habe :-). Und auf Marillenknödeln habe ich auch große Lust!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort
  • Mike Strübing
    21. April 2026 at 12:13

    Hallo Elke

    Schöner Bericht, den Du da geschrieben hast. Für mich ist der Donau Radweg auch einer der schönsten Radwege in Europa. Im Sommer zwar Abshcnittsweise einwenig überlaufen, aber dennoch schön. Bin den Radweg Abschnittsweise vor gut 20 Jahren mal auf dem Weg nach Istanbul geradelt. Dank Deines Blogbeitrags muss ich nun wohl mal wieder hin.

    Mit Plattfuß und Kettenriß

    Mike

    Antwort
    • Elke
      21. April 2026 at 12:27

      Hallo Mike,
      auf dem Donauradweg nach Istanbul klingt super :-). Ist aber auch für sich ein toller Radweg!
      Liebe Grüße
      Elke

      Antwort

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