Auf unserem Roadtrip durch Italien fuhren wir auf dem Weg von Bologna nach Apulien fast direkt an San Marino vorbei und waren neugierig auf die älteste Republik der Welt. Der Zwergstaat, der vollständig von italienischem Staatsgebiet umgeben ist, gehört zu den kleinsten Staaten der Welt. Ein Stadtstaat wie Monaco oder Singapur ist San Marino allerdings nicht. Vom klassischen Tagesausflug hatten uns Freunde abgeraten, weil sich tagsüber Massen von Besuchern aus dem nahen Rimini durch die Straßen der Altstadt wälzen. Die Alternative war, eine Nacht in San Marino zu verbringen. Also haben wir ein Hotel gebucht und waren gespannt auf unseren Ausflug nach San Marino.



Inhaltsverzeichnis
Ein paar Fakten zu San Marino
- San Marino gilt als älteste Republik der Welt, die noch Bestand hat. 301 nach Christi, heißt es, gründete sie der heilige Marinus.
- Regierungschefs sind zwei Bürgermeister, die jeweils für sechs Monate gewählt werden.
- San Marino ist mit kaum 60 Quadratkilometern Fläche der drittkleinste Staat Europas (nach dem Vatikan und Monaco) und der fünftkleinste Staat der Welt.
- Es leben im ganzen Land gerade mal 34.000 Menschen – verteilt auf die kleine Altstadt (die auch die Hauptstadt ist und wie das Land San Marino heißt) auf dem Hügel und die Gemeinden ringsum. Die Einwohnerzahl einer Kleinstadt.
- Klein, aber reich: Das Pro-Kopf-Einkommen in Marino zählt zu den höchsten der Welt.
- Die Altstadt auf dem Monte Titano gehört zum UNESCO-Welterbe.
- San Marino ist nicht EU-Mitglied, bezahlt wird aber mit dem Euro.
- Italienisch ist Landessprache.
- Einen eigenen Flughafen hat das kleine Land nicht. Die nächstgelegnen Flughäfen liegen in Rimini und Bologna.
Gründungsgeschichte San Marinos
Staatsgründer San Marinos war der Überlieferung nach ein Steinmetz namens Marinus, der aus dem Bergland Dalmatiens kam und wegen seines christlichen Glaubens verfolgt wurde. Er floh auf den Monte Titano, lebte dort als Einsiedler und baute eine Kapelle und ein Kloster. Ringsum entwickelte sich die Republik San Marino, die nie von einem Fürst oder König beherrscht wurde und bis heute ihre Unabhängigkeit bewahrt hat. Marinus wurde später heiliggesprochen und ist heute Schutzpatron des kleinen Landes.
Sehenswürdigkeiten San Marino
Die Attraktionen konzentrieren sich in der Altstadt (die auch die Hauptstadt ist), die oben auf dem 739 Meter hohen Monte Titano thront und sehr überschaubar ist. Sie wirkt wie ein kleines mittelalterliches italienisches Städtchen, was ja nicht erstaunlich ist, wenn man von Italien umschlungen ist. An einem Nachmittag kannst du die Altstadt prima erkunden. Dort oben leben nur noch ein paar Dutzend Menschen, die Infrastruktur ist entsprechend auf Touristen ausgerichtet. Hier meine Tipps, was du in San Marino unternehmen kannst.
Tipp: Wenn du in San Marino übernachten willst – was eine gute Idee ist, wenn du die Stadt ohne Menschenmassen erleben möchtest – solltest du am Spätnachmittag anreisen, wenn die Tagesausflügler wieder auf dem Heimweg sind. Dann kannst du ein paar ruhige Abendstunden auf dem Berg genießen und kannst nach Lust und Laune auch noch einen Morgenspaziergang machen, bevor der Rummel wieder losgeht.
Durch die Altstadt schlendern
Die Altstadt ist bildhübsch, gar keine Frage. Kopfsteingepflasterte Gassen, gesäumt von mittelalterlicher Bausubstanz. Die UNESCO-Auszeichnung kommt ja nicht von ungefähr. Allerdings reihen sich – in den Hauptstraßen zumindest – die Souvenirläden nur so aneinander. Und absolut skurril: die Dichte an Waffengeschäften. Du suchst ein Klappmesser, ein Fake-Schnellfeuergewehr oder ein Schwert? Gibt es hier zuhauf! Das sieht wenig einladend aus, aber es scheint sich zu lohnen. Dabei hat San Marino nicht mal eine eigene Armee, sondern hat sich vertraglich zusichern lassen, dass es im Fall des Falles von den Italienern beschützt wird.

Die Türme der Festung erkunden
Die Souvenirläden lässt du hinter dir, wenn du Kurs auf den Felskamm mit der Festung und ihren drei charakteristischen Türmen – Guaita, Cesta und Montale – nimmst, die zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert erbaut wurden und Angreifern Wehrhaftigkeit signalisierten.
Rocca Guaita, der älteste Turm, balanciert auf einem Felssporn. Du kannst ihn auch besteigen und hast von oben sicher eine großartige Aussicht. Als wir unterwegs waren, waren sie schon geschlossen. Aber auch aus der Ferne ist der Blick spektakulär.

Ein aussichtsreicher Spazierweg entlang der Festungsmauer mit ihren Zinnen verbindet die Türme und lohnt sich unbedingt. Aber wirklich nur ab dem Spätnachmittag, sonst ist die Chance erdrückt zu werden vermutlich hoch. Ein Stück des Wegs gilt als Hexenpfad, weil man Frauen, die als Hexen galten, von hier aus in den Abgrund stieß. Das sparte das Feuerholz für die Scheiterhaufen.

Im zweiten Turm, La Cesta, ist ein Waffenmuseum untergebracht ist. Vielleicht nahm ja hier die Waffenbegeisterung der Einheimischen ihren Anfang. Der dritte Turm ist der jüngste und kleiner als seine Nachbarn. Mir gefiel am besten der Blick von einem Turm zum anderen und natürlich auf das sanft gewellte Hügelland der italienischen Emilia Romagna ringsum. Bei ganz klarer Sicht blickst du sicher auch bis zur Küste.

Die Basilika San Marino besuchen
Ich hatte in der Altstadt eine mittelalterliche Kirche erwartet. San Marinos wichtigste Kirche, die Basilika San Marino (natürlich benannt nach dem heiligen Marinus, dem Schutzpatron und Gründer der Republik) erinnert mit ihrer Säulenvorhalle aber eher an einen griechischen Tempel – ein typisch klassizistischer Bau des 19. Jahrhunderts also. Nur der Glockenturm nebenan stammt noch aus dem Mittelalter.

Der Innenraum ist hell und freundlich, und nach der Abreise der Tagesgäste haben wir die Ruhe genossen. Kostbarster Schatz der Kirche sind die Reliquien des Heiligen Marinus.

Auf der Piazza della Libertà Wachablösung und Sonnenuntergang genießen
Der zentrale Platz der Altstadt ist die Piazza della Libertà, der Freiheitsplatz, und dort wiederum steht das Herz der Republik: der kleine neogotische Palazzo Pubblico, der Rathaus und Sitz des Parlaments gleichzeitig ist. Bei der Innebesichtigung kannst du zum Beispiel den Sitzungssaal anschauen, wo über die Geschicke des kleinen Landes entschieden wird. Uns war der Eintritt wegen einer Veranstaltung verwehrt, aber auch von außen ist der Palast fotogen.

Mitten auf dem Platz steht die Freiheitsstatue San Marinos aus weißem Carrara-Marmor. Die kriegerische Dame hält in ihrer Linken eine Flagge San Marinos, auf dem Kopf trägt sie eine Mauerkrone, ein Symbol städtischer Selbstbestimmung. Vor dem Palast findet mehrmals täglich die Wachablösung statt.

Wenn du bei Wachablösung an die Zeremonien vor dem Buckingham Palace und anderen Schlössern des europäischen Hochadels denkst, wirst du in San Marino enttäuscht sein. Den Wachwechsel der Guardia di Rocca vollziehen hier gerade mal drei oder vier Soldaten und Soldatinnen. Zu sehen ist das Spektakel im Sommerhalbjahr (Juni bis circa Mitte September) täglich ab 14.30 Uhr alle 30 Minuten bis zum Sonnenuntergang. In der Nebensaison einmal täglich. Die Zeiten erfährst du im Hotel oder in der Tourist Info.

Auf einer Seite des Platzes liegen Cafés und Restaurants, in denen du am Abend nett bei einem Aperitivo sitzen kannst. Besonders bei Sonnenuntergang „the place to be“. Um einen tollen Ausblick aufs Umland zu genießen, musst du meiner Meinung nach nicht unbedingt auf einer der Türme der Festung klettern. Vom Freiheitsplatz hast du auch schon einen tollen Blick auf die grünen Hügel Italiens und mit Glück sogar bis zum Meer.

Ein besonderes Souvenir aus San Marino
Ich habe Passstempel über alles geliebt und bedauere immer noch, dass die Einreise in die meisten Länder heute digital erfolgt. Für die Einreise nach San Marino brauchst du natürlich sowieso keinen Pass. Aber du kannst dir als Souvenir einen Passstempel im Tourismusbüro in der Altstadt holen. Der Stempel kostet 5 Euro, die ich sogar investiert hätte. Aber am Sonntag war die Info geschlossen und am nächsten Morgen sind wir schon früh wieder abgereist. Schade.
Fazit: Lohnt sich der Ausflug nach San Marino?
Wir hatten einen schönen Nachmittag und Abend in der Altstadt und haben unseren Abstecher nicht bereut. Da wir auf Durchreise waren, hätten wir sowieso irgendwo in der Region übernachten müssen. Eine Reise eigens nach San Marino lohnt sich aber ganz sicher nicht. Trotz Welterbestatus der Altstadt sind die Attraktionen im Zwergstaat doch überschaubar. Aber wie gesagt: Wenn du schon in der Nähe bist, lohnt sich ein Abstecher, finde ich. Aber nur mit Übernachtung. Ich möchte mir nicht ausmalen, welche Menschenmassen sich tagsüber während der Saison durch die schmalen Gassen drängen.
Reisetipps für deinen Ausflug nach San Marino
Anreise nach San Marino
San Marino liegt mitten in Italien, ungefähr zehn Kilometer von der Adriaküste entfernt. Vom nächsten Badeort, Rimini, fährst du nur rund eine halbe Stunde. Das ist der Grund, warum es tagsüber nur so wimmelt von Ausflüglern von der Küste – besonders wenn kein Badewetter herrscht. Das war auch der Grund, warum wir übernachten wollten. Nach der Abreise der Tagestouristen haben wir die Altstadt ruhig und beschaulich erlebt.
Einreise nach San Marino
Wenn du keinen Busausflug von der Küste gebucht hast, wirst du vermutlich mit dem Auto kommen. Die Einreise von Italien aus ist denkbar einfach, denn es gibt keinen Grenzübergang. Ein Schild wies lediglich darauf hin, dass man die Europäische Union verlässt.

Wo kannst du parken in San Marino?
Wenn du als Tagesausflügler nach San Marino kommst oder in der Gemeinde Borgo Maggiore – im Flachland –übernachtest, ist es am einfachsten dort zu parken und mit der Seilbahn (Funivia di San Marino) auf den Hügel zu schweben. Die Kosten halten sich in Grenzen, und du landest direkt in der Altstadt.
Wenn du übernachtest, möchtest du dein Gepäck natürlich nicht weit schleppen. Dann rate ich, über die Serpentinenstraßen auf den Hügel der Altstadt zu fahren. Es gibt dort mehrere (kostenpflichtige) Parkplätze. Wir haben die Parkgarage unseres Hotels genutzt (siehe Übernachtung).
Übernachten in San Marino
Wir haben im Hotel Titano* (unbezahlte Werbung) mitten in der Altstadt übernachtet, und das war eine super Wahl. Es besitzt eine Parkgarage, was uns wichtig war, da wir mit zwei Fahrrädern reisten. Die Zimmer sind sehr gediegen, das Frühstück ist reichhaltig und lecker, das Personal supernett. Man fuhr unser Auto sogar für uns in die enge Garage und transportierte uns mit einem Golfcart samt Gepäck ins Hotel.
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Offenlegung: Wir haben unseren Aufenthalt in San Marino von vorne bis hinten selbst bezahlt.
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