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Städtereisen / Polen

Städtetrip Krakau: Sehenswürdigkeiten in Polens schönster Stadt

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Krakau ist eine Stadt, die prallvoll mit Geschichte ist, aber dank 200.000 Studenten (bei 800.000 Einwohnern) auch jung, hipp und kreativ. Lange war man Hauptstadt Polens und für die Krakauer zumindest ist ihre Heimatstadt noch immer die wahre Hauptstadt des Landes. Weil Krakau im Gegensatz zu Warschau (Städtetrip Warschau) oder Danzig (Städtetrip Danzig) den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet überstand, ist es außerdem ein Schatzkästchen mit Architekturperlen aus unterschiedlichen Jahrhunderten und für viele die schönste Stadt Polens. Hier stelle ich dir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Krakaus vor und habe ein paar Tipps zur Vorbereitung deines Städtetrips Krakau. Wenn du den Städtetrip Krakau mit ein paar Tagen im ländlichen Polen kombinieren möchtest – mein Tipp ist die Kaschubei.

Planung deines Städtetrips Krakau

Wie viel Zeit für Krakau einplanen?

Die Top-Sehenswürdigkeiten zwischen Altstadt und Wawel und das jüdische Viertel Kazmierz kannst du an einem Wochenende (zwei volle Tage) erkunden. Meine Reisefreundin und ich hatten einen zusätzlichen halben Tag für das neue In-Viertel Podgórze eingeplant. Im Nachhinein hätten wir gern einen weiteren halben Tag gehabt, um nach zu den Plattenbausiedlungen von Nova Huta zu fahren und ins Krakau der Krakauer einzutauchen. Wenn du das Konzentrationslager Auschwitz besuchen möchtest, das eine gute Stunde von Krakau entfernt liegt, musst du einen weiteren Tag einplanen.

Programmvorschlag für ein (verlängertes) Wochenende in Krakau


Tag 1
Vormittag: Anreise
Nachmittag: geführter Altstadtrundgang
Tag 2
Vormittag: Innenbesichtigungen in der Altstadt: Marienkirche, Museum und mehr
Nachmittag: Stadtviertel Kazimierz
Tag 3
Vormittags Schlossberg Wawel
Nachmittags: Abreise
Zusatztag 1
Vormittag: Podgórze inklusive Schindlers Fabrik
Nachmittag: Nova Huta
Zusatztag 2
Ausflug nach Auschwitz

Renaissancegebäude in Creme und Rot und davor das Denkmal für den polnischen Nationaldichter
Polens Nationaldichter auf dem Rynek Główny

Die beste Reisezeit für Krakau

Krakau hat rund ums Jahr Saison. Wie für die meisten Städteziele gilt: Im Sommer wird es ungemütlich voll, besser sind Frühjahr und Herbst. Aber touristenleer wirst du die Stadt auch in der Nebensaison nicht erleben. Und was das Wetter betrifft: Wir waren Mitte April unterwegs und hatten einen Tag Regen und zwei Tage herrlichstes Frühlingswetter. Glück gehabt! Es hätte auch kalt und scheußlich sein können, denn Krakau liegt nun mal im unbeständigen Mitteleuropa. Sehr nett stelle ich mir Krakau auch zur Weihnachtszeit vor.

Blühende Magnolien und im Hintergrund eine Kirche
Der Frühling ist eine perfekte Reisezeit für Krakau

Wie komme ich nach Krakau?

Was erst ein Blick auf die Karte enthüllt: Krakau liegt mitten in Europa – zwischen Warschau, Wien, Budapest und Bratislava und ist damit von mehreren deutschsprachigen Städten aus gut mit dem Zug erreichbar. Ab Wien bist du nur gute fünf Stunden unterwegs, ab Berlin oder Dresden knappe sieben Stunden und könntest wunderbar unterwegs in Breslau (Wroclaw) Station machen. Ab vielen anderen deutschen Städten gibt es Direktflüge nach Krakau – zum Beispiel mit der polnischen Fluggesellschaft LOT.

Hotels für den Städtetrip Krakau

Wichtig ist mir auf Städtereisen die zentrale Lage der Unterkunft. In Krakau haben wir in einem kleinen Hotel – Home Aparthotel* – zwischen Altstadt und Kazmierz gewohnt – perfekte Lage! Das Zimmer im Erdgeschoss zur Straße hin war groß, aber laut. Beim nächsten Mal würde ich um ein Zimmer in einem der oberen Stockwerke bitten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis war auf jeden Fall prima. Frühstück kannst du auf Wunsch zubuchen. Aber natürlich findest du bei Booking.com noch viele weitere Hotels in Krakau in allen Preisklassen*.

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Stadtrungänge in Krakau und Ausflug Auschwitz

Zum Einstieg in eine neue Stadt buche ich immer eine Stadtführung, um einen Überblick und im besten Fall ein paar Insidertipps von Einheimischen zu bekommen. Anschließend erkunde ich die Stadt dann im eigenen Tempo. Und wenn du schon mal da bist, bietet sich ein Ausflug in die Umgebung an. Hier kannst du die Touren gleich buchen und bis 24 Stunden vor der Führung stornieren, falls etwas dazwischenkommt.

Befestigungsanlage aus Backstein mit Menschen davor
Babakane: An der alten Festung beginnen viele Stadttouren

Sehenswürdigkeiten Krakau – Altstadt

Die Altstadt Krakaus gehörte 1978 zu den allerersten UNESCO-Welterbestätten. Das hatte Krakau absolut verdient, denn du spazierst durch ein – höchst lebendiges – Architekturmuseum.

Salon der Stadt: Rynek Główny

Der „große Markt“ ist das Herz der Stadt, die gute Stube, die Feiermeile. Und riesengroß mit seinen 200 x 200 Metern (40.000 Quadratkilometer!). Damit ist er der größte mittelalterliche Platz Europas. Im Zentrum thront der Nationaldichter Adam Mickiewicz auf dem Sockel, ringsum liegen Prachtbauten aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Rund ums Jahr drängen sich hier Besucher, ab und zu wird hier auch noch Markt gehalten – zur Weihnachtszeit zum Beispiel. Abends wird er zur Partyzone.

Eleganter Handelsplatz: Tuchhallen

Ein Handelsplatz war der Hauptmarkt schon immer. Ab dem 14. Jahrhundert machten Krämerläden den repräsentativen Tuchhallen Platz, die nach Norden hin den Platz abschließen. Dort wurden, wie der Name erahnen lässt, Stoffe gehandelt. Heute werden Souvenirs verkauft und Kaffeespezialitäten serviert.

Rathausturm und Adalbertkirche

An das mittelalterliche Rathaus, das sich einst auf dem Rynek Główny erhob, erinnern heute nur noch der Turm und ein Modell, denn es wurde 1820 abgerissen. Ein mittelalterliches Kirchlein auf dem Platz blieb erhalten: die Adalbertkirche, die heute oft zum Konzertsaal wird.

Rathausturm vor wolkigem Himmel
Der Turm ist das Überbleibsel des ehemaligen gotischen Rathauses

Prunkstück der Gotik: Marienkirche

Das prunkvollste Gebäude am Rynek Główny ist zweifellos die Marienkirche, ein Meisterwerk der Backsteingotik aus dem 14. Jahrhundert. Die Stimmung unter dem gotischen Sternenhimmel im Innenraum ist feierlich und unzählige Details fesseln die Aufmerksamkeit. Doch vor allem kommen die Besucherscharen, um einen der großartigsten Schnitzaltäre des Mittelalters zu bestaunen, den Marienaltar des Nürnberger Bildhauer Veit Stoß (1447–1533). 12 lange Jahre schnitzte Stoß an den 200 Figuren des Altars, der 13 Meter in die Höhe ragt. Das Meisterstück des Künstlers ist noch viel beeindruckender als der anrührende Engelsgruß in der Lorenzkirche, den ich in Stoß‘ Heimatstadt Nürnberg bewunderte.

Sehen kannst du den Altar immer, aber nur zu bestimmten Zeiten wird er aufgeklappt (die ich nicht herausfinden konnte) und zeigt seine Festtagsseite mit den wichtigsten Szenen im Leben Marias: die Freuden von der Verkündung bis zur Himmelfahrt. Der geschlossene Altar widmet sich den Leiden der Mutter Jesu. Wir kamen – zufällig – zur richtigen Zeit. Karol Wojtyła, der spätere Papst Johannes Paul II. war übrigens 1952–1958 Priester in der Marienkirche.

Szene aus dem Marienaltat
Detail aus dem berühmten Marienaltar von Veit Stoß

Adresse: Plac Mariacki 5; Öffnungszeiten; Montag bis Samstag 11.30–18 Uhr, Sonntag 14–18n Uhr; Website. Weitblick hast du vom Turm, zu dem die 271 Stufen hinaufsteigen musst.

Östlich der Marienkirche liegt der Mały Rynek („Kleiner Markt“) auf dem einst Fleisch verkauft wurde und Hexen verbrannt wurden. Seitlich der Kirche gefiel mir die Brunnenfigur, die einer Figur des Veit-Stoß-Altars nachempfunden ist.

Brunnenfigur eines Narren vor einem Backsteingebäude
Brunnefigut vor der Marienkirche

Königsweg vom Florianstor zum Wawel

Reste der Stadtbefestigung: Florianstor und Babakane

Von den einst sieben Toren der Stadtmauer blieb nur eins übrig – das Florianstor am nördlichen Eingang zur Altstadt. Dieses durchschritten seit dem 14. Jahrhundert die Könige auf ihrem Weg zur Krönung in der Wawel-Kathedrale. Der Weg, den Sie dahin quer über den Rynek Glowny zurücklegten, wurde Königsweg genannt. Wenn du ihn abschreitest, kommst du an zahlreichen Sehenswürdigkeiten vorbei. Doch vorher kannst du hinter dem Florianstor noch einen Blick auf die Babakane werfen, eine runde Befestigungsanlage mit sieben Türmen, die Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung war. Dort beginnen die meisten Führungen durch die Altstadt.

Breite Straße, die auf ein Stadttor zuführt
Königsweg zum Florianstor

Museumstipp: Das MNK Muzeum Czartoryskich unweit des Florianstors (Ulica Pijarska 15, Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr, Website) ist das älteste Museum Polens (eröffnet 1786) und war für mich ein Höhepunkt. Nicht nur an Regentagen definitiv einen Besuch wert. Es birgt einen besonderen Schatz: Was die Mona Lisa für den Louvre ist, ist die Dame mit dem Hermelin für das Museum Czartoryskich. Beide Gemälde stammen von Leonardo da Vinci, nur standen wir vor dem Gemälde in Krakau ganz allein. Das Haus in einem ehemaligen Adelspalast birgt aber noch viele weitere Kostbarkeiten aus unterschiedlichen Kulturen und Jahrhunderten.

Barocke Pracht in der Peter-und-Paul-Kirche

Die erste Barockkirche Polens (Plac Apostolowie) wurde 1619 vollendet – eine Kopie der römischen Kirche Il Gesù. Vor dem Eingang grüßen 12 Apostel in barockem Überschwang. Großartig sind die (häufigen) Konzerte in der Kirche. Einfach nach Plakaten Ausschau halten.

Barocke Figuren vor einer Kirche
Barocke Figuren vor der Peter-und-Paul-Kirche

Collegium Maius – die zweitälteste Universität Mitteleuropas

Unbedingt solltest du einen Blick in den Innenhof des Collegium Maius (Ulica Jaglonska 15) werfen, den ältesten Teil der Universität. Immerhin ist Krakau Sitz der zweitältesten Universität Mitteleuropas (nach Prag). Sie wurde 1364 von König Kasimir dem Großen gegründet und zu den berühmtesten Studenten gehörten Nikolaus Kopernikus und der spätere Papst Johannes Paul II. Nett ist auch das Glockenspiel, das tagsüber alle zwei Stunden (ab 11 Uhr) erklingt.

Jugendstil in der Franziskanerkirche

Ein Kleinod ist die neogotische Franziskanerkirche (Plac Wszystkich Świetych), deren Innenleben der Jugendstilkünstler Stanislaw Wyspiański gestaltete. Mit Blumen, Sternen und farbigen Glasfenstern, die allerdings nur bei Sonnenschein so richtig zur Geltung kommen.

Kanonikerstraße zum Wawel

Die Kanonicza, Krakaus älteste Straße, führt direkt auf den Wawel zu. Sie ist gesäumt von Bürgerhäusern aus Gotik und Renaissance, und in einem davon lebte Karol Wojtyła (der spätere Papst Johannes Paul II.) zwischen 1951 und 1967. Nett ist das Foto an der Wand, das den jungen Wojtyła mit schelmischem Blick zeigt. Der ehemalige polnische Papst wird in Krakau immer noch sehr verehrt und begegnet dir häufig im Stadtbild.

Pausentipp: Erschöpft vom Besichtigen? Dann ab ins Café! In der Altstadt gibt es eher teure Restaurants als nette Cafés, eine Ausnahme ist das Camelot Café (Ulica sw. Tomasza 17) mit göttlichem Apfelkuchen und kleinen Lunch-Gerichten.

Gemütliche Inneneinrichtung eines Cafés
Idyllisches Camelot Café

Der Wawel: Schloss, Kathedrale und ein feuerspeiender Drache

Der Wawel ist ein Stadthügel am Rande des Zentrums und ein Ort von nationaler Bedeutung. Hier oben wurden seit dem 11. Jahrhundert die polnischen Könige gekrönt, die von hier aus auch bis ins 17. Jahrhundert Polen regierten. Zu besichtigen sind Schloss und Kathedrale.

Besucher steigen zum Burgberg auf
Aufstieg zum Wawel-Hügel über der Altstadt

Wawel-Kathedrale – Krönungskirche der Könige

In der Wawel-Kathedrale wurden einst die polnischen Könige gekrönt und begraben, aber auch andere Nationalhelden Polens wie Adam Mickiewicz ruhen in der Krypta der Kathedrale. Deshalb ist die Kirche aus dem 14. Jahrhundert unbestritten die wichtigste Polens, auch wenn sie wegen vieler nachträglicher Umbauten nicht wie aus einem Guss wirkt wie die Marienkirche.

Ansicht der Wawel-Kathedrale mit Besuchern davor
Wawel-Kathedrale, die einstige Krönungskirche der polnischen Könige

In einem der drei Türme der Kathedrale hängt die Sigismund-Glocke, die seit Jahrhunderten wichtige Feiertage und Anlässe einläutet. Du kannst bis zur Glocke hinaufsteigen.

Adresse: Wawel 3; Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 9–17, Sonntag 12.30–17 Uhr; Website

Im Frühjahr blühten Magnolien und Osterglocken ganz wunderbar in den Grünflächen rund um die repräsentativen Gebäude. Dort findest du auch ein Modell der ursprünglichen Anlage.


Königliches Schloss

Die Vorgänger des Königsschlosses war eine mittelalterliche Burg. Als sie im frühen 15. Jahrhundert abbrannte, war der König vermutlich nicht traurig, denn nun konnte er einen schicken Palast im modernen Bausteil der Renaissance bauen. Bis Ende des Jahrhunderts war dieser Residenz der polnischen Könige – bis der Hof nach Warschau umzog. Im Schloss ist heute ein Museum untergebracht, das die königlichen Räume, Waffenkammer und den Kronschatz zeigt. Auch wenn du mit Schlössern wenig anfangen kannst – der Renaissance-Innenhof ist ein Muss.

Adresse: Wawel 5; Öffnungszeiten: Montag 10–16 Uhr; Dienstag bis Freitag 9–18 Uhr; Website

Innenhof des Wawel-Schlosses mit Besuchern
Renaissance-Innenhof des Wawel-Schlosses

Beeindruckend ist der Blick vom Wawel-Hügel auf Stadt und Weichsel. Und wenn du auf der Weichselseite wieder abwärts spazierst, musst du unbedingt den Drachen besuchen, der den Eingang zu seiner Höhle bewacht und tatsächlich alle paar Minuten Feuer spuckt. Dahinter verbirgt sich natürlich eine Geschichte: Jungfrauen waren die Lieblingsspeise eines Drachen, der erst von einem Schuster besiegt wurde. Er kredenzte dem Drachen ein mit Schwefel gefülltes Lamm. Der Drache bekam schreckliche Bauchschmerzen, trank die halbe Weichsel leer und platzte.

Grüne Oasen in der Stadt

Platny-Park – Stadtmauer wird Park

Der Park Planty ist ein Grüngürtel, der sich rund um die Innenstadt zieht (ingesamt fast vier Kilometer!), der im 19. Jahrhundert nach dem Schleifen der Stadtmauer angelegt wurde. Einheimische wie Besuchern nutzen ihn eifrig zum Radeln, Joggen oder Spazierengehen. Oder für eine Pause auf einer der zahlreichen Bänke.

Grünfläche rund um Krakau mit Passanten und Radlern
Platny-Park: Grünstreifen für Radler, Jogger, Spaziergänger

Immer an der Weichsel entlang

Die Weichsel windet sich durch die Stadt und ihre Ufer sind sind wunderbar zum Spazierengehen oder Radeln. Flussboote laden außerdem zu Spazierfahrten ein. Das war uns im April noch zu frisch, aber an lauen Sommerabenden bestimmt sehr stimmungsvoll.

Boote an der Weichsel
Ausflugsschiffe an der Weichselpromenade

Sehenswürdigkeiten Krakau – Kazimierz

1335 befahl der polnische König Kasimir der Große die Gründung einer neuen Stadt in der Nähe von Krakau, die seinen Namen tragen sollte. Ob er sie tatsächlich seiner jüdischen Geliebten schenkte? Das ist vielleicht nur eine Legende. Vierzig Jahre später auf jeden Fall – nach dem Tod des liberalen Königs – vertrieb man die Juden aus Krakau. Sie ließen sich in Kazimierz nieder und machten die Stadt zum religiösen und kulturellen Zentrum der polnischen Juden in Polen.

1939 vertrieben deutsche Truppen die Juden aus Kazimierz und zwängten sie in ein Ghetto im Stadtteil Podgórze auf der anderen Seite der Weichsel. Von dort ging es in die Vernichtungslager, die wenige Krakauer Juden überlebten. Seit 1867 bereits ist Kazimierz ein Stadtteil von Krakau, der in sozialistischer Zeit verfiel, aber nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs zum In-Viertel mutierte mit einer lebhaften Szene und leider zu vielen AirBnBs. Keiner der Krakauer, mit denen wir sprachen, wollte in Kazimierz leben. Zu laut, zu teuer! Als Ausgehviertel ist es aber auch bei Einheimischen belebt.

Synagogen

Allein drei der ursprünglich sieben Synagogen des Viertels lagen an der Ulica Szeroka („Breite Straße“). Und zwei davon kannst du auch besuchen.

Alte Synagoge

Im Herzen des Viertels liegt mit der Alten Synagoge (Ulica Szeroka 24, Montag 10–14, Dienstag bis Sonntag 10–17 Uhr) das älteste erhaltene jüdische Gotteshaus Polens, das aus dem 15. Jahrhundert stammt. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erhielt sie wieder ihr altes Gesicht und beherbergt heute ein Museum über das jüdische Leben.

Backsteingebäude der Alten Synagoge mit Besuchergruppe davor
Die Alte Synagoge ist heute Museum

Remuh-Synagoge und alter jüdischer Friedhof

Die Remu-Synagoge (Ulica Szeroka 40, Sonntag bis Freitag 10–18 Uhr), Krakaus zweitältestes jüdisches Gotteshaus, ist heute wieder Gebetsstätte. Angrenzend liegt der alte jüdische Friedhof, wo zerstörte Grabsteine als eine Art Klagemauer dienen, an der Juden aus aller Welt beten. Samstags ist die Synagoge wegen des Gottesdiensts für Andersgläubige geschlossen.

Popper-Synagoge

In die Ppper-Synagoge (Ulica Szeroka 16) ist eine jüdische Buchhandlung eingezogen. Hier kannst du in netter Atmosphäre in Büchern – darunter auch englischsprachige – stöbern. Der Innenraum ist aber auch architektonisch interessant.

Buchhandlung in einer Synagoge
Jüdische Buchhandlung in der Popper-Synagoge

Ganz in der Nähe liegt das heutige Hotel und Restaurant Klezmer Hois (siehe Restaurants), das einst ein jüdisches Mikwe war, ein Bad für rituelle Waschungen.

Fronleichnamskirche

Außen Backsteingotik, innen barocker Überschwang. Die Fronleichnamskirche (Ulica Bozego Ciala 26) ist die Pfarrkirche des Viertels und ein Schmuckstück mit einem berühmten Gemälde: Lucas Cranach der Ältere schuf die Krakauer Madonna für die Kirche. Bei unseren Besuch probte ein Barockorchester und die Musik brachte den Raum zum Schwingen.

Barockkirche mit Musikern
Barockmusik in der Fronleichnamskirche

Schlemmen und Ausgehen in Kazimierz

Der Plac Nowy („Neuer Platz“) ist rund um die Uhr Anlaufstelle für Hungrige. Im Zentrum lag einst die jüdische Metzgerei, inzwischen verkaufen zahlreiche Stände hier Street Food wie Zapiekanka, eine Art polnische Pizza, (siehe unten). Ansonsten findet auf dem Platz von Montag bis Freitag ein Wochenmarkt statt, am Samstag ein Flohmarkt. Und abends ist Party.


Ringsum liegen angesagte Lokale, die öfter mal wechseln. Klassiker seit vielen Jahr sind das Alchemia im Shabby-Chic-Stil und nebenan das Singer, wo die Singer-Nähmaschinentische Kult sind. In beiden Lokalen kannst du dich von morgens bis abends verpflegen, und sicher ist für jeden Geschmack etwas dabei.


Sehenswert ist auch der so genannte Schindler-Durchgang zwischen Meiselsa und Józefa Straße, wo eine Szene aus Schindlers Liste gedreht wurde. Eine Outdoor-Ausstellung informiert über die Geschichte der Straße. Im Biergarten sitzt an lauen Abenden gefühlt halb Krakau beim Bier.

Biergarten unter Bäumen
Biergarten in Kazimierz

Restaurants in Kazimierz

Kazimierz ist auch ein beliebtes Ausgehviertel der Einheimischen, versicherte uns ein Krakauer Reiseleiterkollege, den wir im Viertel trafen. Er führte uns zu einem Biergarten, der (fast) touristenfreie Zone war (Geheimtipp, der natürlich nicht verraten wird). Wenn du ein Restaurant suchst, hast du auf jeden Fall die Qual der Wahl. In der Ulica Szeroka reihen sich die Lokale nur so aneinander. Die Qual der Wahl.

Wenn du traditionelle jüdische Küche und Musik suchst, bist du im Klezmer-Hois richtig. Hier werden Gerichte wie Gefilte Fisch serviert, die vielleicht nicht so ganz so heutigen Vorlieben einer internationalen Foodie-Szene passen. Dazu gibt’s Klezmer-Musik live. Du bist garantiert unter Touristen, aber die Wohnzimmeratmosphäre des Lokals ist sehr besonders und die Qualität der Speisen ausgezeichnet. Wenn du es leichter und moderner magst, findest du ringsum Lokale mit moderner israelischer Küche (Mezze, Mezze, Mezze). Polnische Küche gibt es natürlich auch – zum Beispiel im Alchimia (siehe oben).

Sehenswürdigkeiten Krakau – Podgórze

Das Ghetto, in das man die aus Kazimierz vertriebenen Krakauer Juden einsperrte, wurde im Stadtteil Podgórze – auf der anderen Seite der Weichsel – errichtet. Wo normalerweise rund 3.000 Menschen lebten, drängten sich nun 15.000 und 18.000 Juden. Nach der Auflösung des Ghettos am 14. März 1943 wurde ein Teil der Bewohner sofort getötet, die meisten anderen in die Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und Plaszów verlegt.

Seit einigen Jahren ist das Viertel im Umbruch. Podgórze mutierte zum In-Viertel für alle, denen Kazimierz längst zu etabliert ist. Es gibt angesagte Lokale, Buden mit Street Food und ein tolles Museum für moderne Kunst mit Werken polnischer und internationaler Künstler. Der Spaziergang über die Weichsel lohnt auf jeden Fall.

Brückenkunst: Pater-Bernatek-Brücke

Die spektakuläre Pater-Bernatek-Brücke für Fußgänger und Radfahrer verbindet die beiden Stadtteile Kazimierz und Podgórze. Skulpturen von Akrobaten des polnischen Künstlers Jerzy Kedziora betonen die Leichtigkeit der Konstruktion. Am andren Ufer der Wcichsel wartete ein weiteres Highlight.

Crikoteka – coole Architektur an der Weichsel

Wow, was ist das? Ein ehemaliges Elektrizitätswerk im Streifenlook wird von einem wuchtigen Stahlbau überspannt und spiegelt sich in der Edelstahlhaut des Oberbaus. Definitiv ein Hingucker. Das Kunstzentrum Crikoteka liegt direkt hinter der Fußgängerbrücke und wertete das Stadtviertel am rechten Weichselufer definitiv auf. Innen findest du ein Dokumentationszentrum (Dienstag bis Sonntag 10–19 Uhr, Eintritt frei, Website) für den polnischen Theatermacher und Aktionskünstler Tadeusz Kantor (1915–1990), dazu ein Café mit Blick über die Stadt.

Platz der Helden des Ghettos

Wo während der nationalsozialistischen Besatzung die Juden zum Abtransport in Lager zusammengetrieben wurden, stehen heute 70 leere Stühle, die für je 1.000 Juden stehen, die in Krakau vor dem Zweiten Weltkrieg lebten. Nur wenige überlebten. An einer Seite des Platzes liegt die Adler-Apotheke, die einzige Apotheke im Ghetto während der Besatzung. Der Besitzer (kein Jude!) versorgte die Menschen im Ghetto mit Medikamenten, fälschte aber auch Dokumente, um Menschenleben zu retten. Daran erinnert ein kleines Museum in der ehemaligen Apotheke.

Platz mit leeren Stühlen
70 leere Stühle auf dem Platz der Ghettohelden

Schindlers Fabrik

Die Geschichte der Krakauer Juden wird in Schindlers Fabrik lebendig, der ehemaligen Emaillefabrik von Oskar Schindler. Der deutsche Unternehmer beschäftigte – obwohl NSDAP-Mitglied – etwa 1100 Juden in seiner Fabrik, um sie vor der Deportation ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zu bewahren. Heute ist hier ein Museum eingerichtet, das berührend und sehr informativ die Geschichte der Krakauer Juden erzählt.

Tipp: Die Schlangen vor dem Museum sind lang. Wenn du dir ewige Wartezeiten ersparen willst, buchst du dein Ticket am besten hier vorab: Ticket Schindlers Fabrik*. Du kannst es bis 24 Stunden vorher stornieren, wenn dir etwas dazwischenkommt.

Filmtipp: Schindlers Liste von Steven Spielberg (1993). Der Film mit Hollywood-Stars wie Liam Neeson, Ben Kingsley und Ralph Fiennes heimste sieben Oscars ein.

MOCAK – Museum für moderne Kunst

Das MOCAK (Ulica Lipowa 4, Dienstag bis Sonntag 11– 19 Uhr, Website) neben der Schindler-Fabrik will nicht nur Museum – ein Ort des Bewahrens – sein. Es versteht sich vielmehr als ein dynamischer Ort der Kreativität. Die Ausstellungen sind interaktiv, es gibt Programme für Schüler und jede Menge kulturelle Veranstaltungen mit dem Ziel, die Kunst aus dem Elfenbeinturm zu holen und neuen Bevölkerungsschichten jenseits des Bildungsbürgertums zugänglich zu machen.

Betonwand des Museums MOCAK
Mocak: eine Heimat für moderne Kunst

Unterwegs in Krakau – Reisetipps zum Rumkommen und zur Küche

Ankommen und Rumkommen in Krakau

Wenn du mit dem Flieger einschwebst, bringt dich der Zug SKA1 in Richtung Zentrum (Kraków Główny). In rund 20 Minuten stehst du am Hauptbahnhof. Von dort kannst du mit Trambahn oder Bus zum Hotel fahren, wenn du mit leichtem Gepäck unterwegs bist. Mit der App Jakdojade behältst du den Überblick und kannst die (sehr günstigen) Tickets auch gleich kaufen. Alternativ kaufst du sie an den Automaten an den Haltestellen. Oder du fährst Taxi. Taxifahren in Polen ist eigentlich nicht teuer, die Taxifahrer am Bahnhof forderten allerdings Fantasiepreise. Mit Uber kamen wir preisgünstig vom Bahnhof zum Hotel.

Die Altstadt und die angrenzenden Viertel Krakaus haben wir problemlos zu Fuß erkundet. Für einen Ausflug nach Nova Huta beispielsweise bist du aber auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Es gibt außerdem Elektrokarren, die ein Segen für alle sind, die nicht ganz so mobil sind. Sie verkehren zwischen den drei wichtigsten Stadtvierteln Krakaus zu festen Preisen. Hier findest du einen Überblick über die Strecken.

Karten mit Stadtteilen und Taxipreisen
Preise für Touren mit Elektrowagen zwischen den Stadtvierteln

Kannst du in Krakau mit Euro zahlen?

Polen ist zwar EU-Mitglied, aber nicht Euro-Zone. Währung in Polen ist der Złoty. (1 Euro– 4,2 Złoty/Sommer 2025). Wir haben immer mit Karte gezahlt, somit erübrigte sich das Geldziehen.

Die Küche von Krakau

Die polnische Küche liegt mir nicht, muss ich gestehen. Einfach zu fleischlastig und zu schwer. Auch in Suppenklassikern wie der berühmten polnischen Ostersuppe Żurek, von der Fleischesser in den höchsten Tönen schwärmen, schwimmen Würste und Speck. Natürlich gibt es auch jede Menge internationale vegetarische und vegane Gerichte in Krakau, aber wenn ich reise, möchte ich landestypisch essen. Ein paar Snacks zumindest kommen (teilweise) ohne Fleisch aus:

  • Obwarzanek Die Stände mit Sesamkringeln erinnerten mich an Athen. Aber auch in Krakau sind sie ein beliebter Snack mit Tradition seit dem Mittelalter, und Krakauer Bäcker schieben angeblich täglich 200.000 Sesamkringel (oder Mohnkringel) in den Ofen.
  • Zapiekanka Die „polnische Pizza“. Ein Baguette, das mit Pilzsauce, Zwiebeln und einem Topping nach Wahl überbacken wird. Am Plac Nowy in Kazimierz verkaufen mehrere Stände das Soulfood.
  • Pieroggi (Piroggen) Die Teigtaschen waren meine Rettung in Polen. Sie werden mit süßen und herzhaften Füllungen (auch vegetarisch) angeboten, und es gibt sogar Lokale, die auf Pieroggi spezialisiert sind (Pierogarnias).

Hausmannskost in der Milchbar

Wenn du preisgünstig und authentisch essen willst, solltest du dir eine Milchbar (Bar mleczny) suchen, wo es allerdings keine Milch, sondern deftige Hausmannskost gibt. Es handelt sich um Self-Service-Lokale, die noch aus sozialistischer Zeit stammen. Sehr nostalgisch und inzwischen wieder sehr angesagt.

Wir sind eher zufällig in der Bar Mleczny Pod Temima (Altstadt, Grodzka 43) gelandet. Kulinarische Höhenflüge darfst du nicht erwarten, aber du kannst ins polnische Alltagsleben eintauchen.

Schild mit der Aufschrift "Milchbar"
Günstig essen: Willkommen in der Milchbar
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