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Estland / Roadtrips

Roadtrip Estland 1 Woche: Ostseeküste, Moore und eine coole Hauptstadt

Moorlandschaft mit Seen und Holzbohlenweg, auf dem eine Frau mit orangefarbenem Mantel läuft

Estland hatte ich lange nicht als Reiseziel auf dem Schirm. Was ich wusste: In puncto Digitalisierung hat das kleine Land an der Ostsee in Europa die Nase vorn. Das machte schon mal neugierig. Und dann eroberte Estland mein Herz im Sturm. Die Hauptstadt Tallinn ist für sich schon ein tolles Städteziel. Jede Menge Reisetipps zur estnischen Hauptstadt findest du in meinem Artikel Sehenswürdigkeiten in Tallinn. Das Kontrastprogramm: Landschaft pur in Nationalparks zwischen Ostseestränden, Mooren und dichten Wäldern, in denen sich noch Bären tummeln. Hier findest du Anregungen für einen Roadtrip Estland 1 Woche mit Stationen in Tallinn, dem Laheema-Nationalpark sowie Pärnu.

Estland – ein kleines Land zwischen den Fronten

Die Dänen, der Deutsche Orden, Polen-Litauen, Schweden und schließlich Russland. Estlands Geschichte ist eine Geschichte der Fremdherrschaft. 1991 erst, nach dem Zerfall der UdSSR, wurde Estland zum zweiten Mal in seiner Geschichte unabhängig und startete sofort durch. Die Regierungsinitiative E-Estonia machte Estland zum digitalen Vorzeigeland, und der Nationalstolz ist groß.

“Wir Esten sind weder Slawen noch Balten”, betonte Reiseleiterin Mari Toom, mit der ich einen Tag lang den Laheema-Nationalpark erkundete. „Auch wenn wir lange russisch waren, haben wir uns immer nordwärts nach Finnland orientiert und nie in Richtung Russland geblickt.“ Das rückte Estland für mich in ein ganz neues Licht. Und ich muss gestehen, ich hatte keine Ahnung, dass das Estnische wie das Finnische zu den finno-ugrischen Sprachen gehört. Letten und Litauer dagegen, mit denen Estland im Baltikum zwangsvermählt wurde, sprechen baltische Sprachen.

Mein Tipp: Wenn du einen Guide für den Laheema-Nationalpark suchst, kann ich dir Mari Toom bestens empfehlen. Kein noch so guter gedruckter Reiseführer kann dir vermitteln, was das Land gerade bewegt. In den Gesprächen mit Mari hatte ich jede Menge Aha-Erlebnisse, und nebenbei ist sie ein ganz besonderer Mensch. Du kannst sie über diese Website buchen (unbezahlte Werbung).

Roadtrip Estland 1 Woche – meine Stationen

Tallinn – Hauptstadt zwischen Hanse und Hipster

Domberg und Unterstadt

Die Dänen, der Deutsche Orden und die Schweden residierten nacheinander auf dem Domberg der Hauptstadt Tallinn (460.000 Einw.). Er überragt die Unterstadt, die der Hansebund prägte, und die von Mauern und Türmen umringt ist. Das Gesamtensemble ist ein Schatzkästchen des Mittelalters und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Auf dem Domberg liegt heute neben der lutherischen Domkirche das estnische Parlament – ausgerechnet gegenüber der orthodoxen Alexander-Newski-Kathedrale, in der die zahlreichen Russen, die in Tallinn leben, ihren Gottesdienst feiern. In der Ferne blitzt stahlblau die Ostsee auf mit dem Fährhafen, in den mehrmals am Tag Fährschiffe aus Finnland einlaufen.

Blick auf die Altstadt von Tallinn mit ihren Türmen. Dahinter das Meer.

Die Unterstadt prägte die Hanse, die über 400 Jahre lang Handel und Politik im Nord- und Ostseeraum dominierte. Tallinn, das bis 1918 Reval hieß, war ein wichtiger Handelshafen.

Weitere spannende Stadtviertel

Außerhalb der Altstadt, die den Touristen gehört, gibt es weitere Viertel, die unbedingt einen Besuch lohnen: das In-Viertel Kalamaja zum Beispiel mit seinen traditionellen bunten Holzhäusern und dem ehemaligen Industrieareal, das als Telliskivi Creative City wieder auferstand. In die Backsteingebäude der Fabrikhallen zogen Start-ups und Ateliers von Kunsthandwerkern und Designern ein. Ein Alternativ-Mekka mit hippen Cafés und Bars, ein paar Museen sowie Street Art, Open-Air-Galerien und Craft-Bier-Brauerei.

Auch das neue Hafenviertel Port Noblessner ist einen Besuch wert, oder das Rotermann-Viertel, wo Fabrikhallen des 19. Jahrhunderts auf Architektur des 21. Jahrhunderts treffen. Ein Schatzkästchen aus der Zarenzzeit: Kadriorg, ein hübsches Gründerzeitviertel rund ums Sommerschloss Peters des Großen mit sehenswerten Museen.

Schauseite eines Palastes in rot und gelb
Das ehemalige Sommerschloss der Zaren ist heute Museum

Restauranttipps in Tallinn

  • Im Olde Hanse am Rathausplatz kommt – in entsprechendem Ambiente – Mittelalterküche mit modernem Twist (wie Schweinefilet in Ingwer-Bier-Sirup) auf den Tisch. Bestimmt toll für Fleischesser, für Vegetarier gab’s eine bescheidene Auswahl.
Das Mittelalterrestaurant Olde Hanse in Tallinn. Davor ein Marktstand mit einer Frau in mittelalterlicher Kleidung.
  • In der verspielt-eleganten Lee Brasserie wird verfeinerte Bistro-Küche mit regionalen Zutaten (um Beispiel Sauerteig-Waffeln mit Forellenkaviar) serviert.
  • Das Bistro Lore mit kleiner, feiner Speisekarte (zum Beispiel Gebackene Forelle mit Hummer-Hollandaise) liegt in erster Reihe am Jachthafen von Port Noblessner. 
  • Ein netter Ort zum Brunchen und Lunchen: Fotografiska Cafe im Fotografiemuseum in Telliskivi mit köstlichen Kleinigkeiten (auch vegetarisch und vegan).
  • Im gleichen Haus liegt das Fine-Dining-Restaurant 6th Floor mit Rooftop-Bar, das als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit einen grünen Michelinstern erhielt. Hier kommen auch Vegetarier auf ihre Kosten (zum Beispiel Karotte mit mariniertem Kohlrabi und gepufftem Buchweizen).

Laheema-NationalparkMoore, Strände und Gutshöfe

Der Lahemaa-Nationalpark im Norden Estlands, rund 70 Kilometer östlich von Tallinn, ist der älteste und zugleich größte der sechs Nationalparks des Landes. Hier sind alle wichtigen Ökosysteme Estlands vereint: Moore, buchtenreiche Küsten, Sandstrände, Seen und endlose Wälder. Und Findlinge gibt’s ohne Ende, die die Gletscher der Eiszeit aus Skandinavien mitschleiften. Manche so groß wie Häuser! Wanderer finden ein dichtes Netz an Naturpfaden durch Küstenwälder und durchs Moor. Aber neben reichlich Natur bietet Laheema auch eine faszinierende Kulturlandschaft.

Wanderungen im Viru-Moor

Wo es Moore gibt, waren Gletscher als Landschaftsarchitekten am Werk. Das kenne ich auch aus Bayern. Im Voralpenland wurden fast 90 Prozent der Moore entwässert, um sie landschaftlich nutzbar zu machen und die Reanturierung schreitet nur langsam voran. Selbst in einem Land, das so dünn besiedelt wie Estland ist, wurden 70 Prozent – Niedermoore vor allem – entwässert. Hochmoorlandschaften wie das Viru-Moor im Laheema-Nationalpark blieben glücklicherweise erhalten und ermöglichen wunderbare Moor-Erlebnisse. Quer durchs Viru-Moor führt ein faszinierender Holzbohlenweg, den Zwergbirken, Sonnentau, Moosbeeren und Heide säumen. Und immer wieder lugen Moorlöcher geheimnisvoll wie dunkle Augen aus dem Moor.

Ein spannendes Angebot sind Moorwanderungen mit Moorschuhen, die wie Schneeschuhe aussehen. Damit hatte ich geliebäugelt, Mitte Mai während der Vorgelbrutsaison leider nicht möglich. Tierschutz geht natürlich vor! Ob ein deutscher Moormanager diese Art von Moorspaziergängen gutheißen würde, wage ich sowieso zu bezweifeln.

Küstenwälder und Findlinge

 „Eigentlich sind wir immer Animisten geblieben mit den Wäldern als unseren Kathedralen“, meinte meine Begleiterin Mari. Nicht verwunderlich in einem Land, das zu 50 Prozent aus Wald besteht. Und tatsächlich ragen die Kiefern und Fichten im Laheema-Nationalpark in die Höhe wie die Strebepfeiler mittelalterlicher Domkirchen und flößen ebenso viel Ehrfurcht ein. Nur das Rauschen des Meeres in der Ferne durchbrach auf unserer Wanderung die Stille. Plötzlich mitten im Wald eine Schaukel. Mit therapeutischer Wirkung: Schaukeln im Wald vertreibt Kummer und Sorgen ;-). Überall zwischen den Bäumen außerdem gigantische, von Moosen überwucherte Findlinge, die die Gletscher der Eiszeiten aus Skandinavien mitbrachten.

Kapitänsdörfer Käsmu und Altja und Urlaubsort Vösu

Typisch für Lahemaa sind aber auch die historischen Kapitänsdörfer wie Käsmu, Altja und Viinistu, die von den Traditionen der estnischen Fischer und Seefahrer erzählen. In Käsmu gab es früher in fast jeder Familie einen Kapitän oder Steuermann und im Ort sogar eine Seemannsschule, in die inzwischen ein Meeresmuseum eingezogen ist. Die Ära endete abrupt mit der Sowjetzeit, als Esten der Besitz von Booten verboten wurde. Zu groß war die Angst, dass sich Küstenbewohner in Richtung Skandinavien absetzen könnten. Die Küste wurde zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Heute ist Käsmu bestens restauriert und mit seinen Holzhäusern sicher eines der schönsten Dörfer Estlands. Wunderbar, der Leuchtturm und die Kirche – beide aus Holz mit schneeweißem Anstrich.

Auch Altja mit seinen hölzernen Ferienhäusern, den historischen Bootsschuppen und reichlich Findlingen entlang der Küste war ein supernetter Stopp.

Mit Vösu gibt es auch einen Urlaubsort mit langem Strand. Der ist nicht so schön wie die Strände an der Westküste, aber im Sommer vermutlich auch nicht so voll. Mitte Mai hatten wir ihn fast für uns allein.

Restauranttipp: Im Restaurant Reute gibt es italienische Küche und tolle Fischgerichte mit Meerblick.

weiter Strand, gesäumt von Bäumen

Die untergegangene Welt des deutsch-baltischen Adels

Mitten im Wald versteckt sich aber auch eine schneeweiße Kirche, die zu Gut Sakadi gehörte, umringt von Grabsteinen mit deutschen Namen. Sie erinnern an die Zeiten, als der deutsch-baltische Adel die Geschicke des Landes bestimmte und stolze Herrensitze errichtete. Fast 700 Jahre lang stellten die Deutschen die Oberschicht. Eines der vielen Kapitel in der Geschichte des Landes, das von Fremdherrschaft erzählt.

Unbedingt sehenswert sind Gutshäuser, in denen die baltendeutschen Adelsfamilien residierten, bis sie mit dem Erstarken des Nationalsozialismus in Deutschland „heim ins Reich“ gerufen wurden. Seit der Unabhängigkeit wurden einige Herrenhäuser aufwändig restauriert. Gut Sagadi und vor allem Gut Palmse mit seiner prächtigen Originaleinrichtung sind zu besichtigen. Als hätten die Bewohner nur gerade zum Sonntagsgottesdienst das Haus verlassen! Gut Vihula feierte als Hotel Vihula Manor ein Comeback (siehe Hoteltipps).

ehemaliger deutscher Gutshof mit rostrotem Hauptgebäude
Gut Sagadi
Ehemals deutscher Gutshof mit gelbem Hauptgebäude
Gut Palmse – Außenansicht und Museum

Gut schlafen

  • Mein Tipp: Hier kannst du dich wie zu Gast beim Adel fühlen»Vihula Manor Country Club & Spa*« im ehemaligen Gutshaus mit parkähnlichem Grundstück, Wassermühle und Saunahaus mit Pool. Mit ausgezeichnetem Restaurant.
  • Auf dem Gelände von Gut Palmse liegt das »Palmse Manor Guesthouse*« mit einfachen Zimmern, aber großartigem Gesamtensemble.
  • Urige Unterkunft in einer Holzhütte in Strandnähe: »Old Silent*«.

Pärnu – Estlands Sommerhauptstadt

Von Laheema ging es einmal quer durchs Land in rund drei Stunden nach Pärnu. In der größten Stadt an der Westküste erinnern bunte Holzhäuser an die große Zeit ab Mitte des 19. Jahrhunderts, als Pärnu Kurbad des Zarenreiches wurde. Die traditionsreiche Moorbadeanstalt ist heute Spa des Hedon Hotels, steht aber auch Nicht-Hotelgästen offen. Ein tolles Schlechtwetterprogramm.

Vor allem aber lockt in Pärnu jedoch der drei Kilometer lange Sandstrand, an dem ich Mitte Mai einsame Spaziergänge machen konnte. Was für ein Glück, dass der Düün Beach Club schon in der Vorsaison geöffnet hatte, so konnte ich die Ruhe vor dem Sturm bei einem Sundowner hinter den Dünen genießen. Im Sommer wird der Strand zur Partyzone.

Die Esten bezeichnen Pärnu scherzhaft als „Sommerhauptstadt“ des Landes. Rund ums Stadtzentrum mit der Rüütli-Straße liegen Läden und Restaurants wie das nette Café Pastoraat (Kuninga tn 3), wo du wunderbar frühstücken und lunchen kannst. Kaffee und Kuchen gibt’s im nostalgischen Café Supelsaksad (Kuninga tn 30). Symbole der Sommerstadt sind steinerne Elefanten, die Besuchern überall in der Stadt begegnen – vor allem entlang der Fußgängerzone Supeluse, die direkt ans Meer führt. Wie sie sich nach Pärnu verrirrten, konnte mir niemand sagen.

Hoteltipps für Pärnu

  • Stilvoller kann man in Pärnu nicht wohnen: Das Jugendstilhotel Villa Ammendeerinnert an die gute alte Zeit der Seebäder. Mit vorzüglichem Restaurant.

Was ich nicht mehr geschafft habe

In Tallin wird regiert, in Tartu studiert. Estlands zweitgrößte Stadt (100.000 Einwohner) muss ein Schatzkästchen sein. Viel weniger besucht als Tallinn und deshalb sehr authentisch. 2024 war Tartu europäische Kulturhauptstadt. Einen Artikel über Tartu findest du auf dem Blog Reisebloggerin.at. Von Pärnu aus lohnt ein Ausflug in den Soomaa-Nationalpark, eines der größten Feuchtgebiete Europas, das für seine „fünfte Jahreszeit“ berühmt ist, wenn Flüsse weite Teile der Landschaft überfluten. Kanutouren und geführte Moorwanderungen bieten intensive Naturerlebnisse in der estnischen Wildnis (siehe Kasten). Einen Erlebnisbericht zur Kanutour im Soomaa-Nationalpark findest du auf dem Blog Ferngeweht.

Outdoor-Abenteuer in Estland

  • Bear Watching im Nationalpark Alutaguse: Von speziell präparierten Hütten aus können Besucher im Nordosten Estlands Braunbären in freier Wildbahn aus sicherer Entfernung beobachten. Buchbar bei NaTourEst (unbezahlte Werbung).
  • Moorschuhwandern im Soomaa-Nationalpark: Mit speziellen „Moorschuhen“, die an Schneeschuhe erinnern, stapfst du wie auf einem weichen Teppich durchs Moor. Buchung (unbezahlte Werbung).
  • Kanufahren im Soomaa-Nationalpark: Die Zeit der Überschwemmungen im Frühjahr gilt als fünfte Jahreszeit. Perfekt für Kanuwanderungen auf den riesigen Wasserfeldern. Buchung (unbezahlte Werbung).

Reisetipps für deinen Urlaub in Estland

Beste Reisezeit

Das Klima in Estland ähnelt dem skandinavischen. Die Winter sind kalt und dunkel, im Sommer sind die Tage lang, die Temperaturen mild. Die beste Reisezeit ist zwischen Mai und September, am wärmsten wird es im Juli. Regnen kann es immer. Der Winter ist vor allem bei Städtereisenden beliebt. Der Weihnachtsmarkt in Tallinn heimste Preise ein, und knackig kalte Wintertage haben einen ganz eigenen Reiz. 

Einreise

Für EU-Bürger reicht zur Einreise der Personalausweis, denn Estland ist EU-Mitglied und gehört zum Schengen-Raum. 

Geld

In Estland zahlt man mit Euro.

Kommunikation

Nationalsprache ist Estnisch, das dem Finnischen verwandt ist. Russisch sprechen die zahlreichen ethnischen Russen im Land. Unter jungen Leuten ist Englisch weit verbreitet. Es gibt keine Roaming-Gebühren bei Internetnutzung, WLAN ist fast überall verfügbar. 

Verkehrsmittel

  • Flughafentransfer Tallinn: Taxi (15 Euro) 
  • Transfer vom Fährhafen Tallinn ins Zentrum: Taxi (7 Euro)
  • Tallinn: Straßenbahnticket 2 Euro.
  • Unterwegs in Estland: Mit dem Mietwagen bist du natürlich am flexibelsten. Es gibt aber auch ein gutes Busnetz (zum Beispiel Tallinn–Pärnu 10 Euro), das die wichtigsten Orte in Estland verbindet. Eine gute Bahnverbindung besteht zwischen Tallinn und Turku (12,90 Euro). Zum Laheema-Nationalpark gibt es von Tallinn aus geführte Ausflüge.

Top-Tipp: Von Tallinn aus kannst du bequem mit Tallisk-Fähren* einen Tagesausflug oder auch einen mehrtägigen Abstecher in die finnische Hauptstadt Helsinki machen. Hin- und Rückfahrt je 2 Stunden, Fahrpreis für den Ausflug ab 40 Euro. Eine sehr entspannte Überfahrt, auf der in der ersten Klasse ein richtig gutes Buffet inklusive ist.

Essen & Trinken

Die traditionelle estnische Küche verbindet Einflüsse aus Russland, Skandinavien und Deutschland und ist einfach, deftig und von bäuerlichen Traditionen geprägt. Kartoffeln, Kohl, Getreide, Fisch und Fleisch spielen die Hauptrolle. Typisch für die Fleischküche sind Schmorgerichte wie Mulgikapsad (Sauerkraut mit Gerste und Fleisch) oder Würste. In Küstenregionen und an den vielen Seen Estlands ist Fisch wie Hering, Flunder, Hecht und Aal, oft eingelegt, geräuchert oder gebraten, sehr beliebt. Vegetarische Klassiker der traditionellen Küche sind Kama (eine Getreidemischung mit Kefir oder Joghurt) oder süße Gerichte wie Leivasupp (Brotsuppe mit Beeren). Heute ist das Angebot in den meisten Restaurants international und modern und das Essen meist richtig gut, aber nicht günstiger als in Deutschland.

Unter den Getränken ist Kali (Kvass), ein leicht vergorenes, süß-säuerliches Getränk aus Brot, ein Klassiker. Beliebt als Durstlöscher ohne Alkohol: Buttermilch oder Kefir. Die Esten mögen aber auch Bier, und Craft Beer liegt wie überall im Trend. Der einheimische Wein ist nicht Trauben-, sondern Beerenwein aus Blaubeeren, Brombeeren oder Johannisbeeren. 

Unterkunft

In den Städten gibt es Unterkünfte in allen Preisklassen: In Tallinn wohnst du günstig in internationalen Kettenhotels (DZ ab 60 Euro), mit mehr Atmosphäre in Boutiquehotels in historischen Gebäuden (DZ ab 100 Euro). In Pärnu und Turku ist das Hotelangebot dünner. Groß ist das Angebot an Pensionen und Ferienwohnungen, die du in der Sommersaison rechtzeitig buchen solltest. Im Laheema Nationalpark dominieren Ferienhäuser von rustikal (ab 50 Euro) bis gediegen (80–100 Euro). Eine Besonderheit hier sind Zimmer in ehemaligen Herrenhäusern (ab 90 Euro).

Reiseführer

  • »Baltikum«, Reise Know-How Verlag 2025, 26,90 Euro. Leider gibt es keinen reinen Estland-Führer, obwohl das Land es verdient hätte. Der Baltikum-Führer ist ein Ziegelstein, leistete aber bei der Vorbereitung und auf der Reise gute Dienste.
  • »Tallinn«, Reise Know-How Verlag 2025, 15,95 Euro. Ein schmaler Führer mit allen Infos, die du brauchst. Dazu gute Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten und viele besondere Tipps.
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Offenlegung: Ich habe Estland zum Teil im Rahmen einer Pressereise besucht und wurde zu vier Übernachtungen eingeladen, die restlichen Übernachtungen habe ich selbst gezahlt. Ich war völlig frei in der Berichterstattung und empfehle sowieso grundsätzlich nur, was mir gefällt.

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