Moore sind für den Pfaffenwinkel so charakteristisch wie Kirchen und Klöster. Einige kannst du auf Radtouren zwischen Lech und Loisach erkunden, die einen perfekten Mix aus Natur und Kultur bieten. Und im Sommer reichlich Badepausen. Hier beschreibe ich zwei Radtouren im Pfaffenwinkel, die beide in Steingaden starten und die der Mann und ich zu einer tollen Wochenendtour im Land der Moore kombiniert haben. Mit Übernachtung im wunderbaren Bad Bayersoien. Aber natürlich kannst du jede Radtour für sich im Rahmen eines Tagesausflugs ab München machen.
Ich war glücklich, dass die Batterie meines E-Bikes für Rückenwind sorgte, denn im Voralpenland geht es auch öfter mal knackig bergauf. Der Mann mit Sportler-Gen war mit dem Gravel Bike unterwegs. Nach dem Motto Hike & Bike haben wir auf der ersten Tour zwei Moorlandschaften – Premer Filz und Wiesfilz – zu Fuß erkundet. Wenn du lieber wanderst als radelst – auf dem Blog findest du auch Beschreibungen einer Pilgerwanderung zum Kloster Wessobrunn und einer Pilgerwanderung zur Wieskirche. Und jede Menge Tipps für Ausflugsziele im Pfaffenwinkel.



Radtouren im Pfaffenwinkel – Rund ums Wiesfilz
Saftig grüne Weiden, auf denen Kühe grasen, und stattliche Bauernhäuser mit Geranienschmuck gleiten vorbei. Auf der einen Seite türmen sich die Gipfel der Ammergauer Alpen auf, auf der anderen erhebt sich der Auerberg mit seiner schneeweißen Wallfahrtskirche. Den Duft von frisch gemähtem Heu haben wir an diesem Augusttag mit Kaiserwetter in der Nase, während wir auf unseren Fahrrädern dahingleiten. Kurz hinter Steingarden, Ausgangspunkt unseres Radelwochenendes durchs Land der Moore im Pfaffenwinkel, sind wir auch schon im Erholungsmodus.
Radtouren im Pfaffenwinkel – im Land der Moore
Das Land der Moore im Pfaffenwinkel kannst du auf sechs Radtouren erkunden, die zwischen 17 und 90 Kilometer lang sind und zu den schönsten Moorlandschaften zwischen Lech und Loisach führen. Sie lassen sich auch zu Mehrtagestouren kombinieren. Die beschriebene Tour ist eine Kombination aus den Touren „Rund um das Wiesfilz“ (30 Kilometer/210 Höhenmeter/2:15 Stunden) und „Zwischen Lech und Ammer“ (42 Kilometer/310 Höhenmeter/3:15 Stunden), die mit Besichtigungen und (Bade)pausen für sich jeweils wunderbare Tagestouren sind.
Download aller Touren: www.pfaffen-winkel.de/
Inhaltsverzeichnis
Moorkunde im Premer Filz
Die Gletscher der Eiszeiten waren die Baumeister des Pfaffenwinkels. Sie schoben Geröll aus den Bergen zu Hügeln auf und hinterließen nach ihrem Abtauen Seen und Senken, die sich mit Wasser füllten und zu Mooren entwickelten. Diese bedeckten einst ein Fünftel der Gesamtfläche des Pfaffenwinkels, und eins davon wollen wir uns in Prem genauer anschauen. Am Moorlehrpfad im Premer Filz lassen wir die Fahrräder stehen und streifen auf einem schmalen Pfad durchs Hochmoor. Infotafeln am Wegesrand erzählen anschaulich von der Entstehung der Moore – und ihrer Zerstörung durch den Menschen.


Wo das Schmelzwasser der Gletscher nicht im Boden versickern konnte, starben Pflanzen ab, wurden durch Sauerstoffmangel nur unvollständig zersetzt und lagerten sich als Torf ab. Wie eine Essiggurke im Glas durch Flüssigkeit und Luftabschluss haltbar bleibt, so bleiben auch Pflanzenreste im Moor konserviert. Über Jahrtausende wuchsen die Moore Schicht für Schicht im Zeitlupentempo – etwa 1 mm pro Jahr –, lernen wir. Im 18. und 19. Jahrhundert begannen Bauern mit der Entwässerung und Kultivierung der Moore, um Weideflächen sowie Torf als Brennstoff und Dünger zu gewinnen. Allein im Premer Filz standen rund 120 Torfhütten, und bis 1984 waren Torfstecher am Werk. Einen Eindruck von ihrer harten Arbeit vermitteln ein verlassener Torfstich und Werkzeuge in der Königsfilzhütte.
Anders als unsere Vorfahren wissen wir heute: Nasse Moore sind Klimaschützer, denn sie speichern riesige Mengen CO₂ – viel mehr als Wälder auf derselben Fläche – und können bei Starkregen enorme Wassermengen aufsaugen. Entwässerte Moore dagegen werden zu Klimakillern, die Kohlendioxid und Methan freisetzen. Heute gelten nur noch 12 Prozent in der Region als intakt oder zumindest naturnah restauriert.
Wünschenswert wäre eine vollständige Renaturierung der Moorflächen, hatte ich von Moormanager Florian Hartwich vom Landratsamt Weilheim-Schongau erfahren. Doch das ist Zukunftsmusik, denn die meisten Flächen werden längst landwirtschaftlich genutzt. Ein mühsames Unterfangen ist es, teils winzige Parzellen von Bauern zurückzukaufen, bis eine zusammenhängende Fläche gewonnen ist. Dann können die Bagger anrücken, um die Entwässerungsgräben wieder zu schließen. Den Rest der Arbeit übernimmt die Natur.
Besuch beim Heiland auf der Wies
Zurück auf dem Rad rollen wir der Wieskirche entgegen, die Wallfahrtkirche genauso wie UNESCO-Welterbe ist. Dort, wo heute die Kirche steht, fand Bäuerin Maria Lory 1738 eine ausrangierte Prozessionsfigur des gegeißelten Heilands, die Tränen weinte. Das Wunder sprach sich herum, Pilger strömten fleißig, und die Gebrüder Zimmermann aus Gaispoint bei Wessobrunn schufen mit der Wallfahrtskirche ihr Meisterstück.

Faszinierend, die beiden so gegensätzlichen Eindrücke der Pilgerstätte: Rechts der Zufahrtsstraße zur Kirche parken Reisebusse, und Souvenirshops warten auf Kunden. Auf der anderen Seite grast mit viel Gebimmel eine Kuhherde und ein Bauer brettert auf seinem Traktor vorbei. Heute wie vor 300 Jahren liegt die „Wies“ mitten im Bauernalltag. In der Kirche dagegen fühlen wir uns weltentrückt. Ein Rokokotraum wie aus einem Guss, in dem Sonnenstrahlen die Stuckengengel zum Tanzen bringen. Der Kontrapunkt zur verschwenderischen Pracht: die schlichte hölzerne Christusfigur, um die sich alles dreht.

Auf Bretteln durchs Moor
Nach Erfrischung im Biergarten geht es nach dem Motto „Hike & Bike“ noch einmal zu Fuß ins Moor. Auf dem Brettleweg im Wiesfilz balancieren wir auf Holzplanken durch eine faszinierend melancholische Hochmoorlandschaft und durch ein sensibles Ökosystem. Moore sind schließlich nicht nur Klimaschützer, sondern auch Lebensraum für stark gefährdete Tiere und Pflanzen. „Auf der Roten Liste stehen Kreuzotter und Moorfrosch, genauso wie die Hochmoor-Mosaikjungfer, eine Libellenart, und Schmetterlinge wie Hochmoor-Bläuling oder Riedteufel“, hatte mir Biodiversitätsberaterin Irmingard Kemmer verraten. Sie kümmert sich in der Naturschutzbehörde darum, Lebensräume für gefährdete Arten durch Verbesserung der Lebensbedingungen zu erhalten. Einen ihrer Schützlinge, das Sumpf-Blutauge, wählte die Loki-Schmidt-Stiftung 2025 zur Blume des Jahres und setzte damit ein Zeichen für den Schutz des Lebensraums Moor.




Fakten zur Radtour im Land der Moore „Rund ums Wiesfilz“
- Länge: 30 Kilometer
- Höhenmeter: 210
- Zeit: circa 2,5 Stunden reine Fahrzeit, mit Besichtigungen und Abstechern ins Moor eine Tagestour
Meist bist du auf asphaltierten Wirtschaftswegen mit kaum Verkehr unterwegs, zwischendurch kurze Strecken auf Schotterwegen. In Prem und an der Wieskirche solltest du dein Fahrrad stehen lassen und die Moorlandschaften auf kurzen Wanderungen erkunden. Zum Baden unterwegs lädt der Hallensee ein.
Tipps zum Verhalten im Moor
- Immer auf den Wegen bleiben
- Auf Moorpfaden für Fußgänger das Fahrrad zurücklassen
- Beim Durchqueren von Hochmooren vor allem frühmorgens bremsbereit sein, gern sonnen sich Kreuzottern oder Eidechsen auf den Wegen
- An Moorseen nur an ausgewiesenen Badestellen schwimmen
- In Wiesenbrüterregionen Hunde unbedingt an die Leine nehmen
Bad Bayersoien – Heilen mit Moor
Die Nacht verbringen wir in im Moorheilbad Bayersoien, und ich freue mich auf ein Moorbad zum Entspannen der Muskeln. Das „schwarze Gold“, das Wärme lange speichert, kann aber noch mehr: Es wirkt entzündungshemmend und lindert Schmerzen bei Rheuma oder Arthrose beispielsweise. Kein Wunder, dass es seit Jahrhunderten als Heilmittel eingesetzt wird. Im Therapieraum des Parkhotels am Soier See steige ich in eine Wanne mit dampfend heißem Moorbrei, dekoriert mit duftenden Kamillenblüten, und suhle mich wie ein Kind glückselig im Schlamm. Nach dem Bad halte ich – zum Nachschwitzen in Tücher gewickelt – tiefenentspannt Nachmittagsschlaf.








„Schade, dass die Moorkur ein bisschen aus der Mode gekommen ist“, bedauert Lukas Friedel, der das Parkhotel in zweiter Generation leitet „Dabei werden Behandlungen, wenn vom Arzt verschrieben, wieder von der Kasse übernommen.“ Und weil das Moor in Kleinstmengen abgebaut und nach dem Gebrauch der Natur zurückgegeben wird, haben auch Naturschützer gegen die medizinische Nutzung keine Einwände. Vor dem Abendessen gibt’s noch mehr Moor – im Moortretbecken am See und beim Schwimmen im samtig weichen Wasser des Soier Sees. „Unser Infinitypool“, hatte Lukas Friedel gescherzt. Und tatsächlich – der Blick auf das Naturparadies vor den Bergen im Abendlicht ist Balsam für die Seele.
Radtouren im Pfaffenwinkel – Zwischen Lech und Ammer
Am nächsten Morgen steigen wir wieder aufs Fahrrad, um diesmal von Moorsee zu Moorseee zu radeln. Ein Bad im Bismarckweiher, den wir für uns allein haben, schenkt Energie für den Tag. Den Deutersee lassen wir rechts liegen und gleiten weiter durchs sanft geschwungene Hügelland. Es ist einer dieser Augusttage, an denen die Luft flirrt und selbst die Kühe Schutz im Baumschatten suchen. Beim Radeln genießen wir den erfrischenden Wind bei langen Abfahrten. Es lauern allerdings auch ein paar knackige Aufstiege – wie gut, dass ich mit dem E-Bike unterwegs bin!




Kirchen, Käse und Moorseen
Bei Peiting machen wir einen Schlenker zur Villa Rustica und werfen anhand der Grundmauern einer Römervilla einen Blick in die Vergangenheit, als Bayern noch Teil der römischen Provinz Raetia war.

Noch eine wunderbare Abfahrt, dann erspähen wir den Turm der ehemaligen Stiftskirche der Augustiner-Chorherren in Rottenbuch. Ein Juwel im an Kirchen nicht armen Pfaffenwinkel, das Kunst- wie Musikliebhaber gleichermaßen beglückt. Herz der Rokokoschönheit, die ihre mittelalterlichen Wurzeln nur noch erahnen lässt, ist die kostbare Barockorgel des Orgelbaumeisters Baltasar Freywis, die eine aufwändige Restaurierung wieder zum Klingen brachte.


Noch ein paar großartige Berg- und Talfahrten, dann stehen wir mitten in der Schönegger Käsealm, wo wir uns mit einer Käsebrotzeit bei herrlichem Bergblick verwöhnen. Am letzten See unserer Runde, dem Schwaigsee, dann noch eine ausgedehnte Badepause, bevor es auf die letzte Etappe geht.


Endspurt nach Steingaden
Ein letztes Stück am munter dahinplätschernden Bach entlang, dann liegt Steingaden mit dem Welfenmünster auch schon wieder vor uns, dessen mächtige Türme sich seit 900 Jahren in den Himmel schieben. Die Klosterkirche wurde zerstört und wiederaufgebaut, den Baumoden der Zeit angepasst und überlebte die Säkularisierung als Steingadener Pfarrkirche. Trotz barocker Freskenpracht im Innenraum der Kirche – der Geist des Mittelalters blitzt hier und da noch auf. In der Marienkapelle zum Beispiel, wo sich ein Jakobspilger gerade seinen Stempel abholt. Oder im Kreuzgang.

Unser Lieblingsplatz aber ist der Klostergarten. An die ersten Gärtner erinnern bronzene Miniatur-Mönche zwischen den Kräuterbeeten. Spirituelles Zentrum des Gartens ist ein steinernes Labyrinth, ein Jahrtausende altes Menschheits- und Weltsymbol, das den Weg des Menschen zur eigenen Mitte symbolisiert. Wir ziehen die Schuhe aus und spazieren über den Kies zum Zentrum. Dann suchen wir einen Sitzplatz im Schatten, saugen den Duft der Blüten ein und lauschen dem Summen der Bienen, bevor wir uns auf den Heimweg machen.



Fakten zur Radtour im Land der Moore „Zwischen Lech und Ammer“
- Länge: 42 Kilometer
- Höhenmeter: 311
- Zeit: circa 3,5 Stunden reine Fahrzeit, mit Besichtigungen und Abstechern ins Moor eine Tagestour
Meist bist du auf asphaltierten Wirtschaftswegen mit kaum Verkehr unterwegs, zwischendurch kurze Strecken auf Schotterwegen. Zwischen Peiting und Rottenbuch führt ein Fahrradweg entlang oder oberhalb der Bundesstraße. Unterwegs sorgen Kirchen und Kapellen, für die der Pfaffenwinkel berühmt ist, für ein spannendes Kulturprogramm und Moorweiher laden zum Baden ein.
Hike & Bike
Wer tiefer in die Welt der Moore eintauchen möchte, wandert nach dem Motto „Hike & Bike“ auf Naturlehrpfaden, die den Radwegen angeschlossen sind.
- Moorlehrpfad im Premer Filz (7 Kilometer, 26 Höhenmeter)
- Moorrunde am Ostufer des Soier Sees in Bad Bayersoien mit Moortretbecken (1 Kilometer)
- Brettleweg durch das Wiesfilz (300 Meter) unweit der Wieskirche als Teilstück der Pilgerwanderung von Steingaden zur Wies (9,6 Kilometer, 203 Höhenmeter)
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4 Kommentare
Susan
1. Dezember 2025 at 16:29Liebe Elke,
Moore sind spannende Lebensräume. Dein Beitrag macht richtig Lust auf einen Ausflug nach Bayern, auch wenn ich Fahrradtouren ja nicht so mag, weil ich dann weniger fotografieren kann. Du hast es aber geschafft, stimmungsvolle Bilder einzufangen. Irgendwann klappt es mal, ob als Fahrradausflug oder anders.
Liebe Grüsse
Susan
Elke
2. Dezember 2025 at 5:29Liebe Susan,
der Pfaffenwinkel ist fast noch ein Geheimtipp in Oberbayern. Mit Bergblick, aber auch reichlich Badeseen und Mooren – und perfekt zum Fotografieren ;-).
Liebe Grüße
Elke
Dagmar
1. Dezember 2025 at 17:39Vielen Dank für die tollen Einblicke in diese Urlaubsregion. Dein Blogbeitrag macht direkt Lust, die Wanderschuhe und das Radl (E-Bike) ins Auto zu laden.
Elke
2. Dezember 2025 at 5:27Liebe Dagmar,
freut mich, wenn ich Lust machen konnte auf den Pfaffenwinkel. Eine wunderschöne und nicht überlaufene Ecke Oberbayerns,
Liebe Grüße
Elke